Opel-Werk in Bochum unter Druck "Das ist eine Kriegserklärung"

Das Ende für das Bochumer Opel-Werk 2016 ist schon bitter genug. Doch nun droht das Opel-Management sogar schon für 2014 mit dem kompletten Aus. Der Betriebsrat wertete die Androhung als "Kriegserklärung".


Die Aufregung begann mit einem Brief von Opel-Chef Steve Girsky an seine Mitarbeiter. "Wenn wir bei unseren Verhandlungen keine Einigung erzielen, werden wir uns selbstverständlich an den bestehenden Standortsicherungsvertrag halten. Dieser Vertrag läuft allerdings Ende 2014 aus", schreibt der Deutschland-Chef da zum Start der Verhandlungen am Dienstag (22.02.2013). Im Klartext: Die Tarifpartner sollen bis Ende Februar einem Sanierungsplan für das angeschlagene Werk zustimmen. Weiter schreibt Girsky: "Die Zafira-Produktion in Bochum würde dann auch enden und zum 1. Januar 2015 würde die Fertigung in Bochum komplett eingestellt."

Drohung mit dem totalen Aus


Der Vorsitzende des Bochumer Betriebsrats, Rainer Einenkel, wertete das Ultimatum des Managements am Nachmittag als "Kriegserklärung". Bei den laufenden Verhandlungen über die Zukunft des Bochumer Standorts seien die Fronten verhärtet. Die Belegschaft lasse sich aber nicht erpressen. Der Strategie von Girsky habe er eine klare Absage erteilt: "Wir bezahlen nicht noch unsere eigene Beerdigung." Er kündigte an, nun auf die Tariferhöhung zu pochen, die die Mitarbeiter dem Unternehmen für die Sanierung gestundet hatten. Zudem kündigte er für den 3. März eine Kundgebung in Bochum an.

Bislang gibt es zumindest eine kleine Perspektive für Opel in Bochum, die vorsieht, dass Opel auch nach dem Ende der Zafira-Produktion in Bochum präsent bleiben wird. So ist zum Beispiel von einer Komponentenfertigung die Rede. Dadurch erhofft man zwar nicht alle der 3.000 Stellen, aber doch etliche erhalten zu können. Selbst das steht nun infrage. Girsky droht offen: "Auch wenn die Fahrzeugproduktion in Bochum ausläuft, hängt der Erfolg unserer Bemühungen, Komponentenfertigung oder andere Arbeit nach Bochum zu holen, von der Wettbewerbsfähigkeit der Belegschaft vor Ort und dem Willen zu einer Einigung ab."

Vorwurf der Blockadehaltung

Man dürfe jetzt keine Zeit verlieren, appellierte Girsky an die Adresse Einenkels, dem aus Verhandlungskreisen eine Blockadetaktik vorgeworfen wird. Rückendeckung erhält der Bochumer Gewerkschafter vom Gesamtbetriebsrat. Dessen Vorsitzender Wolfgang Schäfer-Klug sagte: "Die Ursache der langen Verhandlungen liegt nicht an einer Blockadehaltung der Arbeitnehmerseite, sondern daran, dass die Geschäftsleitung über viele Monate nicht in der Lage war, substanzielle Sicherheiten und Zukunftspläne für Opel und die Beschäftigten vorzulegen."

Kritik aus Düsseldorf

IG-Metall-Chef Berthold Huber kritisierte Opel scharf. "Eine derart schlecht geführte und vorbereitete Verhandlung, wie sie das Management seit Frühsommer letzten Jahres bietet, habe ich in meiner langen Tarifkarriere noch nie erlebt", so Huber in Frankfurt.


Auch aus Düsseldorf erhielt Opel Gegenwind. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sagte, dass er weiterhin davon ausgehe, dass die Autoproduktion in Bochum bis 2016 laufen werde. "Notwendig ist es jetzt, dass alle Beteiligten konstruktiv verhandeln und nicht mit Drohungen und Horrorszenarien die Arbeit an einer gemeinsamen Lösung erschweren", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwochsausgabe). Der Bochumer CDU-Landtagsabgeordnete Christian Haardt reagierte bestürzt: "Das Vorgehen von Opel in Bochum ist für mich absolut inakzeptabel". Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Dietmar Brockes, erklärte, dass alleine die Geschäftsleitung von Opel die Verantwortung für den Standort trage. Sie dürfe der Belegschaft nicht die Pistole auf die Brust setzen, um sie zu weiteren Zugeständnissen zu zwingen.

Der Deutschland-Plan: Zusage bis 2016

Seit dem Sommer 2012 verhandelt Opel mit Betriebsräten und Gewerkschaften über eine Sanierung. Das Management hat seine Vorstellungen in einem "Deutschland-Plan" festgehalten. Darin steht, dass die Zafira-Produktion in Bochum 2016 endet und Opel bis dahin auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten wird. Tariferhöhungen für Mitarbeiter solle es jedoch erst wieder geben, wenn Opel Gewinne einfahre.

Das zähe Ringen um eine Nachfolgeproduktion für den Zafira war im Dezember 2012 gescheitert. Am 10.12.2012 wurde - kurz vor der 50-Jahr-Feier in Bochum - das Aus für den Traditionsstandort beschlossen. Als Datum wurde damals 2016 genannt. "2016 endet die Fertigung kompletter Fahrzeuge in Bochum", so die Aussage von Opel-Interimschef Thomas Sedran im Dezember. Geplant ist bislang, dass Opel auch künftig in Bochum präsent bleibt und statt des Zafiras Komponenten gefertigt werden. Der zum amerikanischen Konzern General Motors gehörende Autobauer hat in den letzten Jahren große Verluste eingefahren.


Stand: 22.01.2013, 19.22 Uhr


Kommentare zum Thema (132)

letzter Kommentar: 24.01.2013, 11.53 Uhr

Überfällig schrieb am 24.01.2013, 11.53 Uhr:
BITTE(!) GM macht diesen Opel Laden in Bochum ENDLICH(!) dicht! Je früher je besser. Diese sog. "Opelaner" und ihr "Einenkel" sind doch nur noch eine große Peinlichkeit. Diese Leute, die die Zeichen der Zeit und ihren eigenen Anteil daran nicht sehen wollen, haben keinen Funken Solidarität mehr verdient. Macht endlich Schluß!!
Die Lösung für NRW schrieb am 23.01.2013, 17.51 Uhr:
Mein Vorschlag: NRW holt sich bei VW die gleichen Rechte wie die Niedersachsen, seit Jahrzehnten und steigt dort mit der Verpfichtung ein, Bochum weiterzuführen. Diesmal mit richtigen Autos. Ist Ford Köln einmal gefährdet, kann analog verfahren werden...
Klasse Bilanz, Genossen! schrieb am 23.01.2013, 17.49 Uhr:
Wir haben in NRW ein Fordwerk (US-Firma) und ein Opelwerk (US-Firma) unseren immer fürsorglich und versorgend denkenden Sozen ist es in Jahrzehnten nicht gelungen, wirklich deutsche Autowerke zu bauen. VW ist in Niedersachsen, Audi und BMW in Bayern, Daimler vor allem in Baden-Württemberg, Porsche auch... Ja ja uns regiern die wahren Patrioten, aber dann immer schön auf die Manager aus Detroit schimpfen: Böse Böse Böse
@ Doro schrieb am 23.01.2013, 17.46 Uhr:
Tiere machen im Winterschlaf weniger Fehler als dieses Kabinett. Leider wird das "Kraftfutter" nur durch SteuerCD s und nicht durch Steuereinnahmen einer guten Wirtschaftskraft finanziert. Vielleicht sollte dieses Kabinett langsamer fressen, sonst ist das Kraftfutter für das Stimmvieh bald weg.
DORO schrieb am 23.01.2013, 17.38 Uhr:
Die Schließung der Opelwerke, die ja nun schon seit Jahren im Gespräch ist, wäre halb so schlimm wenn es an an anderer Stelle adäquate neue Arbeitsplätze gäbe. Unsere derzeitige ROT/GRÜNE Landesregierung kümmert sich allerdings mehr um Umwelt und alles was darunter versteht, als um die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Da war Rüttgers wesentlich aktiver. Von der Kraftcrew hat man den Eindruck, dass sie sich im tiefen Winterschlaf befindet.

Alle Kommentare anzeigen