GM schreibt Millionenverlust Opel-Werk in Bochum in Gefahr?

Während beim US-Autokonzern General Motors (GM) das Geschäft brummt, schreibt das Tochterunternehmen Opel rote Zahlen. Die Konzernführung in Detroit deutet bereits Einschnitte an. Die NRW-Landesregierung pocht auf Zusagen für den Standort Bochum.


GM-Fahne vor dem Opel-Werk Bochum
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Das Opel-Werk in Bochum

Im vergangenen Jahr hat GM auf dem Heimatmarkt dank starker Verkäufe soviel verdient wie noch nie. Gleichzeitig hat aber Opel, die deutsche Tochter des amerikanischen Konzerns, Verlust gemacht. Insgesamt verlor General Motors mit seinem Europageschäft - das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht - operativ 747 Millionen Dollar (derzeit 573 Mio Euro). In Detroit deutete GM-Konzernchef Dan Akerson für Europa und die zweite Problemregion Südamerika weitere Konsequenzen an: Die Schwelle, bei der Gewinn gemacht werden könne, müsse sinken.

NRW-Wirtschaftsminister: GM muss Zusagen einhalten

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) appellierte deshalb an GM, die Zusage einzuhalten, bis Ende 2014 auf betriebsbedingten Kündigungen und Werksschließungen zu verzichten. Die Mitarbeiter des Bochumer Werkes hätten bereits einen starken Beitrag zur Gesundung des Mutterkonzerns geleistet, betonte Voigtsberger.

Das Bochumer Werk biete noch erhebliche Potenziale. GM müsse die aber auch nutzen, forderte der NRW-Minister. Er will am 20. Februar Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke in Rüsselsheim treffen und dabei auch über die Zukunft des Standortes Bochum reden. In Bochum sind etwa 3.200 Menschen direkt bei Opel und 1.000 weitere bei Partner- und Tochterfirmen beschäftigt.

Betriebsrat: Hausgemachtes Problem

Der Opel-Betriebsrat geht derzeit nicht von einer drohenden Werksschließung aus. Rainer Einenkel, Betriebsratschef im Opel-Werk Bochum, verwies im Gespräch mit dem WDR auf die bestehenden Verträge, wonach es keine Stilllegung des Bochumer Werkes oder Entlassungen geben dürfe. An der Vertragstreue von GM habe er keinen Zweifel, so Einenkel.

Der Bochumer Betriebsratschef unterstrich, dass Opel und Vauxhall 2011 ein "wesentlich besseres Ergebnis als im Vorjahr" erzielt hätten. 2010 hatte der operative Verlust noch bei knapp zwei Milliarden Dollar gelegen. Nach dem ursprünglichen Plan hätte Opel die Verluste allerdings noch weitaus stärker eingrenzen sollen. Einenkel sieht die Lösung der Probleme in der Eroberung neuer Märkte. Er kritisierte gegenüber dem WDR den Mutterkonzern. Die Verluste von Opel seien hausgemacht, denn das Unternehmen dürfe auf Weisung von GM seine Autos nur in Europa verkaufen. Das sei ein deutlicher Wettbewerbsnachteil.

Marktanteil von Opel sinkt

Aber auch auf seinem Heimatmarkt Deutschland verliert Opel immer weiter an Boden. Nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes schrumpfte der Marktanteil binnen zehn Jahren von rund zwölf auf acht Prozent im vergangenen Jahr. Damit rangiert Opel hinter BMW/Mini, Mercedes-Benz und deutlich hinter VW (knapp 22 Prozent). Im Januar ging Opels Marktanteil noch weiter auf 6,5 Prozent zurück.


Stand: 16.02.2012, 18.30 Uhr