Protestcamp in Düsseldorf geräumt: Bye bye Occupy?
Mit der Räumung des Occupy-Camps in Düsseldorf mussten die Kapitalismuskritiker am Mittwoch (01.08.2012) eine Niederlage einstecken. Ein Experte für Protestbewegungen sieht die Zukunft von Occupy nicht nur in NRW skeptisch.

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Das Düsseldorfer Occupy-Zeltlager ist Geschichte
"Die neuesten sozialen Bewegungen wie Attac, Piraten und Occupy scheinen nicht besonders langlebig zu sein", sagte der Historiker Holger Heith vom Institut für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum WDR.de. Ein Grund sei die mangelnde Organisation und die Unverbindlichkeit der oftmals im Netz entstandenen Protestgruppen.
Das Düsseldorfer Protestlager in der Nähe der Königsallee wurde am Mittwochmorgen (01.08.2012) von der Polizei geräumt. Die Polizei war mit hunderten Beamten im Einsatz. Mehrere der rund 45 Aktivisten wurden weggetragen. In der Nacht zu Mittwoch war eine Frist verstrichen, die das Düsseldorfer Ordnungsamt den Demonstranten zur Auflösung des Camps gesetzt hatte.
Über Monate hielten Protestcamper durch
Seit Oktober 2011 gab es das Camp in Düsseldorf. Als die weltweiten Anti-Banken-Proteste damals auch Nordrhein-Westfalen erfassten, entstanden nach dem Vorbild von New York und London auch Zeltplätze in Köln, Münster und Dortmund. Durch die friedliche Besetzung öffentlicher Plätze sollte eine Debatte über den globalen Kapitalismus ausgelöst werden.
Nach Meinung des Bewegungsforschers erreichten die Gruppen zumindest ein Ziel. "Occupy kommt das Verdienst zu, als erste politische Gruppierung die Verantwortlichen der Bankenkrise regelrecht physisch verortet zu haben", sagte der Wissenschaftler. "Die Besetzung öffentlicher Plätze in den Finanzdistrikten der großen Städte hat die notwendige Debatte über den Kapitalismus zugespitzt." Die Occupy-Bewegung sei zum Teil in den neuen Medien entstanden. "Die Unverbindlichkeit im Netz erleichtert die schnelle Gründung neuer Protestgruppen. Zugleich sind diese Aktionsformen aber ziemlich flüchtig", sagte Heith. Es fehle oftmals an Organisation und damit auch an Organisationsmacht. Dies fange bei fehlenden finanziellen Mitteln an.
Diskutieren statt zelten
Mit der Auflösung des Düsseldorfer Zeltplatzes ist das letzte größere Camp in NRW verschwunden. "Daneben gibt es auch andere Aktionsformen, zum Beispiel eine Reihe mit kapitalismuskritischen Vorlesungen", sagte Michael Beier von "Occupy Münster" Ende Juli 2012. In Bochum und Köln finden ebenfalls regelmäßig Occupy-Veranstaltungen statt. Doch Diskussionen veranstaltet so ziemlich jede politische Gruppierung oder Partei. Occupy fehlt deshalb zukünftig so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal.
Auch in Frankfurt am Main soll ein Occupy-Zeltplatz geräumt werden. Nachdem die dortigen Aktivisten Widerspruch gegen die Stadt Frankfurt eingelegt hatten, muss in den kommenden Tagen ein Verwaltungsgericht entscheiden.
Bedauern im Netz
Im Netz wurde das Ende des Düsseldorfer Camps bedauert. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter zweifelten Nutzer die Rechtsgrundlage der Räumung durch die Stadt Düsseldorf an. Auch der Verein "Occupy Düsseldorf e.V." hatte gegenüber der Kommune argumentiert, das Recht auf Versammlungsfreiheit stehe über dem Ordnungsrecht. Eine Stadtsprecherin hatte betont, bei aller "rheinischer Toleranz" könne man unbefristetes Zelten auf öffentlichen Plätzen nicht dulden. Bei Facebook bedankte sich ein Sympathisant bei den Aktivisten "für Euren Einsatz".
Protest auch ohne Camp geplant
Die Düsseldorfer Gruppe hatte bereits im Vorfeld der Räumung angekündigt, politisch aktiv bleiben zu wollen. "Unser Protest wird weitergehen", sagte einer der Aktivisten, der sein Gesicht hinter einer Guy-Fawkes-Maske verbarg, bei einer Pressekonferenz am Montag (30.07.2012). "In privaten Wohnungen, im Hintergrund, im Untergrund, mit Infoständen. Wenn unser Camp aufgelöst wird, fordert man uns nur heraus, noch kreativer zu werden." Allerdings hatte die Gruppe zuvor erklärt, sie benötige den Zeltplatz als Basis für öffentlichkeitswirksame Aktionen.
Der Wissenschaftler Heith sieht indes eine "Tendenz bei Mitgliedern der neuen Protest-Gruppen, schnell auf den nächsten Zug im Internet aufzuspringen". Wer heute bei Occupy mitmache, könne morgen schon bei den Piraten sein und kurz darauf erneut den politischen Verein wechseln. "Es bleibt also wahrscheinlich nicht allzu viel von der Occupy-Bewegung."
Stichworte
- Occupy Wall Street Bewegung
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Die "Occupy Wall Street"-Bewegung hatte ab September 2011 weltweit Aufsehen erregt. Hunderte Kritiker der Finanzbranche hatten damals in einem New Yorker Park ein Zeltlager errichtet, um gegen Banker und Kapitalisten an der Wall Street zu demonstrieren. Bei Protestaktionen kam es teils zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Aktivisten prangerten die Macht der internationalen Finanzmärkte und soziale Ungerechtigkeiten an. An vielen anderen Orten in den USA und auch in Europa fanden sie Nachahmer. Nach der Räumung des Parks im November 2011 wurde es allerdings still um die Gruppe in New York.
Stand: 01.08.2012, 11.42 Uhr
- Ultimatum läuft Ende Juli ab: Occupy-Camper sollen weichen (29.07.2012)
- Occupy NRW [Mediathek]
- Occupy Bewegung [Mediathek]
- Allgemeinverfügung der Stadt Düsseldorf (01.08.2012) [Stadt Düsseldorf]
- Homepage "Occupy Düsseldorf e.V." (01.08.2012) [Occupy Düsseldorf]
- Ausdemonstriert (01.08.2012) [Mediathek]
Kommentare zum Thema (53)
letzter Kommentar: 03.08.2012, 11:15 Uhr
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 03.08.2012, 11:15 Uhr:
- @ BRD steht Kopf (auf Alpen), wie soll man einem System Trauen das offen gegen die demokratische Mehrheit entscheidet (z.B. Mindestlohn) und Minderheiten (Bankenrettung) finanziert auf Kosten der Bevölkerung ohne Konzept der Rückführung von Steuergeldern? Es gibt viel zuwenig in diesen Bewegungen wie der Occupy-Bewegung, hätte ich die Zeit dafür würde ich mich denen auch anschließen.
- BRD steht Kopf (auf Alpen) schrieb am 03.08.2012, 09:56 Uhr:
- Wie wichtig die Occupy-Bewegung und Verbraucherschützer sind, belegt heutige Meldung: Siemens kauft eigene Aktien zurück und nimmt dafür Schulden auf. Siemens bei Seehofer vor der Haustür ist wichtiger Konzern in der Energiewende, schafft es nicht Umspannplattformen für Tennet in erforderlichen Zeit zu errichten, sodass der ganze Windpark-Offshor-Zeitplan am fehlenden Kabelanschluss hängt und immense Verzugskosten erzeugt statt Windernergie. Der Seehofer schwadroniert dann in Berlin, dass die Energiewende nicht klappt, der Stromkunde knickt unter den Kosten pro Kilo Watt was da bisher nur erzeugt wird ein und muss noch die unsinnige PV-Subvention über München also Siemens Dächern bezahlen? Siemens bezahlt an Tennet paar Milliönchen Eur Strafe und nimmt 3 Milliarden Euro Schulden auf, um den Aktienkurs zu pflegen? Warum hört man nichts von CSU und Seehofer, v.a. warum machen NRW-SPD und Grüne nicht endlich Schluss mit dieser unsäglichen Bayern-Subvention. NRW braucht Occupy und Geld!
- Occupy o.wäre WestLB an Düssel geblieben schrieb am 02.08.2012, 16:17 Uhr:
- Lieber wdr, wie sieht es zu den Anschuldigungen gegen WestLB in Bezug auf die Libor-Manipulationen aus. Die australische Investmentbank Macquarie nennt WestLB in Augenhöhe mit Dt.Bank bei möglichen Zivilklagen und den Milliardenforderungen daraus. Stimmt es dass WestLB auch dabei mitgemischt haben soll und somit? Dann sollte Occupy doch Dauerbleiberecht in Düsseldorf erhalten?
- der Eulenspiegel schrieb am 02.08.2012, 15:44 Uhr:
- Mit der Räumung des Occupy-Camps in Düsseldorf mussten die Kapitalismuskritiker am Mittwoch (01.08.2012) eine Niederlage einstecken." Ein größeren Blödsinn kann man gar nicht schreiben. Da ist ein Zeltlager abgerissen worden weiter nichts. Occupy ist nicht wiederlegt worden. Diese Probleme, aus der Occupy entstanden ist löst man nicht in dem man ein Zeltlager abreist. Die Probleme wachsen und der wiederstand wird auch wachsen.
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 02.08.2012, 11:23 Uhr:
- Der Euro ist überbewertet. (soll aber so bleiben damit der Vermögende seine Kaufkraft behält) Die Banker treiben den normalen Anleger in den Ruin. Die wirklich reichen haben ihr Geld in der Schweiz oder auf den sogenannten Krokodielinseln und zahlen davon hier keine Steuern! (Sozialschm…) Wir haben laut WWW eine Pro Kopf Verschuldung von knapp 25.000 Euro das heilst für mich (Alleinverdiener mit Frau und Kind) 75.000 Euro, für was? Die Wohlhabende mit ihre Geld wo auch immer auf der Welt schmarotzen auf meinem Rücken. Da kommt eine Bewegung und prangert dies an und das System was dieses fördert, was macht 90% von Deutschland? Spielt Kölner, es wird wohl gut gehen, es hat immer och gut gegangen, was willst du machen……..
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