Kreis Lippe kritisiert Breitbandatlas: "Ohne Internet im Info-Nirvana"
Laut Breitbandatlas des Wirtschaftsministeriums sieht die Internetabdeckung in den kleinen NRW-Kommunen gar nicht so schlecht aus. Der Kreis Lippe hat nachgemessen und kam zu einem anderen Ergebnis: An 130 Stellen in der Region ist keine Verbindung zum Internet möglich.

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Breitband: Viele ländliche Städte und Gemeinden sind unterversorgt
Schaut man im Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums sieht die Internetversorgung in der Region rund um Detmold und den Kreis Lippe eigentlich ganz gut aus. Nur wenig weiße Flecken - also nicht versorgte Gebiete - dafür viele gelbe Stellen. Gelb bedeutet: LTE ist verfügbar. Dieser Mobilfunkstandard ist als Nachfolger von UMTS entwickelt worden und soll in ländlichen Regionen ohne DSL-Anschluss für schnelles Internet sorgen.
Durch LTE gut mit schnellem Internet versorgt? Das wollte der Kreis Lippe nicht so ganz glauben und schickte zwei Mitarbeiterinnen aus dem Katasteramt sechs Wochen lang auf Internetrecherchereise durch die komplette Region. An vielen verschiedenen Messpunkten klappten sie ihre Notebooks auf und stöpselten die LTE-Sticks ein. Ihr Ergebnis: An 130 Stellen im Kreis Lippe funktioniert LTE nicht.
Kein wirtschaftliches Interesse an Dörentrup und Kalletal

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Ulrich Stephanides, Projektleiter Breitbandausbau
Etwas weniger als die Hälfte der rund 200 Dörfer würden sich deswegen "ohne Internet im Info-Nirvana" befinden, klagt Ulrich Stephanides vom Kreis Lippe über das Ergebnis. Die privatwirtschaftlich organisierten Netzanbieter hätten natürlich kein Interesse Leitungen in kleine Städtchen im Nirgendwo wie Dörentrup oder Kalletal zu legen. Für ländliche Gebiete, die über keine oder nur eine unzureichende Breitbandversorgung verfügen, fördert deswegen der Staat den Ausbau. "Eine unzureichende Breitbandversorgung liegt vor, wenn eine (Downstream-)Übertragungsrate von mindestens 2 Mbit/s nicht zu erschwinglichen Preisen erhältlich ist", so steht es in den Förderrichtlinien zum Breitbandausbau des NRW-Umweltministeriums.
"75 Prozent kommen vom Land, 25 Prozent müssen wir vom Kreis aufbringen", so erläutert Stephanides die Kostenverteilung für den Internetausbau auf dem flachen Land. Wenn der Förderantrag den bewilligt wird. Das Problem: Wer versorgt sei, und das sei der Kreis Lippe laut Breitbandatlas ja zum Größtteil, bekomme auch keine Förderung. Deswegen habe er schon vor etwa zwei Monaten die Messergebnisse dem TÜV Rheinland mit der Bitte um Korrektur weitergeleitet, bis auf eine kurze Nachfrage zu einigen Messdaten aber noch nichts gehört.
TÜV wirft Kreis mangelhafte Messungen vor

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Der Breitbandatlas: Wo ist Internet verfügbar?
Der TÜV erstellt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums den Breitbandtlas. Dazu werden von den verschiedenen Providern die Daten abgefragt und deren Angaben von der Bundesnetzagentur stichpunktartig überprüft. Zurzeit laufe eine Anfrage an die betroffenen Provider, die Daten für die Region Lippe noch einmal zu überprüfen, erklärt Dirk Andritzki vom TÜV Rheinland gegenüber WDR.de. Man warte auf genaue Ergebnisse, um dann zu reagieren. Andritzki bemängelt aber auch die Qualität der eingereichten Messdaten des Kreises. Diese habe eine Breitband-Beratungsfirma angefertigt und die habe natürlich ein wirtschaftliches Interesse daran, dass im Raum Lippe eine Förderung nötig werde.
Noch mal beim Kreis Lippe nachgefragt, widerspricht Stephanides der Darstellung: Die Daten seien sauber, akribisch nachgemessen und von zwei fachkundigen Kolleginnen angefertigt worden. Eine Düsseldorfer Beratungsfirma helfe dem Kreis bei der Einbringung der Förderanträge. Die Firma habe nicht gemessen, sondern lediglich die erhobenen Daten an den TÜV Rheinland übermittelt. Zudem hätten doch auch die Provider ein Interesse daran, die Internetabdeckung in den Regionen gut aussehen zu lassen.
"Der Breitbandatlas ist nicht das einzige Kritierium"
Die Befürchtung des Kreis Lippes durch eine zu positive Darstellung der Internetabdeckung im Breitbandatlas keine Förderung zu erhalten, kann Walter Flaig vom NRW-Wirtschaftsministerium zerstreuen. Der Breitbandatlas wäre ein leicht verfügbares Kritierium, aber: "Es ist nicht das einzige Kritierium. Wenn die Kommune beweisen kann, dass sie plausibel nachgemessen hat, warum sollen wir ihr dann nicht glauben?" Bis zur Förderung bedürfe es sowieso eines mehrstufigen Verfahrens.
Stand: 12.10.2012, 15.00 Uhr
Kommentare zum Thema (21)
letzter Kommentar: 15.10.2012, 09:50 Uhr
- warum Telekom ??? schrieb am 15.10.2012, 09:50 Uhr:
- @Ronny Pauly, es gibt genügend andere Anbieter ,die das Know-how haben und auch viel billiger sind als die Telekom.
- Ronny Pauly schrieb am 15.10.2012, 08:14 Uhr:
- @Sebastian Gellnhausen, einfach mal den Anbieter wechseln-dann klappt es auch mit LTE !
- Andrea schrieb am 14.10.2012, 17:29 Uhr:
- Jemine! Da sind sie wieder, diese Jammerlappen! Genau die, die am liebsten eine Glasfaser-Highspeed-Ultra-Leitung hätten, ABER: Darf dann aber nur wenig kosten! Hallo? Gehts noch? Ihr denkt doch alle nur von Zwölf bis Mittag! Klar, ihr seit auch noch so naiv, wenn ihr den Heizlüfter von 1000 auf 2000 Watt umstellt wirds schneller wärmer, aber der Zähler rennt nicht schneller. Irgendwie muss das doch weh tun, wenn man(n) in den Oberarmen 100.000 Volt hat, im Schaltkasten aber kein Licht angeht. Obwohl ich hier weitaus mehr haben könnte, gebe ich mich mit meinem uralten 768er-Anschluß zufrieden. Reicht mir völlig.
- Sebastian Gellnhausen schrieb am 14.10.2012, 17:22 Uhr:
- @ P. Sauerwein: Sorry, auch wenn wir auf dem platten Land wohnen heisst das nicht gleich dumm zu sein. Natürlich wurden andere Anbieter gefragt, aber von denen kommt mal gar nichts. Im Gegenteil: Besucher, die mit ihrem Vodaphone- oder ePlus-Handy hierher kommen, sind im Funkloch und haben null Signal mehr. Diese teure Technik rechnet sich für die paar möglichen(!) Kunden eben nicht, also wird sie auch nicht installiert. Punkt. So einfach ist das.
- Martina schrieb am 14.10.2012, 14:38 Uhr:
- Ihr wart alle für die Privatisierung der Telekom, weil ihr, "Geiz ist Geil" vor Augen, alles billiger haben wolltet. Also geht's wieder darum: Die Vorteile nehme ich gerne mit, zum Ausgleich der Nachteile sollen andere zahlen! Was darfs denn noch sein: Autobahnzubriger für jedes Kaff oder Flughäfen?
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