Lange Nacht der Industrie Kaffeefahrt in die Fabrik

Von David Ohrndorf

Mehr als 2.000 Menschen haben am Donnerstagabend (20.10.2011) Industriebetriebe in NRW besichtigt. Bei der "Langen Nacht der Industrie" sollen Bürger hinter die Kulissen blicken können und möglicherweise auch einen neuen Job finden.


Teilnehmer der Nacht der Industrie in Düsseldorf

"Letztes Mal gab's was zu essen" - Heribert und seine Wanderfreunde Erich, Wilfried und Hannes nehmen nicht zum ersten Mal an einer Betriebsbesichtigung teil - zum ersten Mal allerdings im Rahmen der "Langen Nacht der Industrie", die in der Region Rhein-Ruhr am Donnerstag (20.10.2011) Premiere feierte. Die vier Düsseldorfer, alle "so um die 70", sind Profis. Das merkt man während der viereinhalbstündigen Tour durch zwei Großbetriebe immer wieder. Und Heribert soll recht behalten. Nachdem der Bus die rund 50 Teilnehmer dieser Tour beim Düsseldorfer Daimler-Werk ausgespuckt hat, werden schon Lunchpakete verteilt. Dann geht es durch den Betrieb. "Wir haben nur 100 Minuten", drückt die Mitarbeiterin von Daimler aufs Tempo. Es gibt Schutzbrillen, Kopfhörer und Sicherheitshinweise. Dann geht es in die Hallen, in denen ein großer Transporter gebaut wird.

Hannelore Kraft: Vertrauen schaffen durch Besichtigungen


Mercedes Sprinter-Karosserie auf Förderband
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Der Daimler-Transporter auf einem Förderband

Die "Lange Nacht der Industrie" hat nichts mit der recht ähnlich klingenden Veranstaltungsreihe "Nacht der Industriekultur" zu tun, bei der zwischen ehemaligen Industrieanlagen im Ruhrgebiet Künstler auftreten. Hier geht es um Industrie, die noch aktiv ist. Für 22 Touren zu jeweils zwei Betrieben konnten sich Interessierte anmelden. Zahlreiche Institutionen wie IHK, Agentur für Arbeit und NRW-Landesregierung sind Träger der Veranstaltung. Sie verfolgen einen bunten Strauß an Zielen: Jobsuchende sollen Industriebetriebe kennenlernen, angehende Azubis mögliche Ausbildungsstellen und interessierte Bürger, die einfach mal hinter die hohen Zäune der Betriebe gucken wollen, sollen dazu auch die Möglichkeit bekommen. Schirmherrin Hannelore Kraft glaubt, dass die Betriebsbesichtigungen Vertrauen in die Industrie schaffen, weil sie den Blick auf "die enorme Leistungskraft" der Unternehmen freigeben.

Besichtigung der Transporter-Produktion

In unserer Gruppe überwiegen die Teilnehmer, die "einfach mal gucken" wollen. Im Daimler-Werk geht es vorbei an zahllosen Robotern, Förderbändern und Autoteilen. Die vier Rentner, die früher alle "was in dem Bereich" gemacht haben, drehen auf und fragen: Wie werden die Düsen der Lackiermaschine gereinigt? Was ist mit der Schlacke beim Schweißen? Was passiert, wenn der Roboter streikt? Alle Fragen werden geduldig beantwortet. Wie sie die vielen Roboter hier im Werk einschätzen sollen, da sind sich die Düsseldorfer Senioren nicht ganz einig. Zwar würden manche Arbeiten sicher exakter erledigt, aber dass in manchen Bereichen des Werkes genauso viele Roboter wie Menschen eingesetzt werden, sei schon bedenklich. Andere Teilnehmer machen große Augen, als sie erfahren, dass hier im Daimler-Werk auch VW-Transporter gebaut werden. "Der VW ist zu 98 Prozent ein Mercedes", erklärt ein Daimler-Mitarbeiter.

Am Ende gibt's Geschenke


Tüte mit Werbegeschenken
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Geschenke-Tasche für jeden Teilnehmer

Zum Abschluss der Führung gibt es ein kleines Spiel: Die Teilnehmer sollen den Job eines Qualitäts-Prüfers übernehmen und an einem Transporter den versteckten Fehler finden. Während seine Begleiter suchen, setzt sich Hannes für einen Moment von seinen Wanderfreunden ab. Er kehrt mit einem Stapel Baseballkappen zurück. "Die konnte man sich dort nehmen." Inzwischen ist der Fehler am Transporter auch gefunden, die Kopfstütze fehlte. Die Tour geht weiter. Es folgt eine Fahrt durch den Neusser und den Düsseldorfer Hafen. Hier schweifen die vier Wanderfreunde etwas ab und besprechen schon die nächsten Termine. Zum Abschluss nimmt jeder eine gut gefüllte Geschenke-Tasche mit: Klebestift, Blöckchen, Kugelschreiber, Shampoo, Bonbons - "ein bisschen wie bei 'ner Kaffeefahrt", kommentiert ein Teilnehmer beim Verlassen des Busses.

Weil es in diesem Jahr deutlich mehr Interessierte als Teilnehmerplätze gab, soll die "Lange Nacht der Industrie" im kommenden Jahr mit mehr Unternehmen wiederholt werden, am 25. Oktober 2012.


Stand: 21.10.2011, 08.12 Uhr




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