Zuhausekraftwerke in NRW Schwarmstrom aus dem eigenen Kraftwerk

Von Katrin Schlusen

Helga und Frank Redlich sind seit kurzem Kraftwerksbesitzer. Das klingt bombastisch und erweckt Assoziationen von großen Kühltürmen, aber die Anlage der Redlichs fällt bescheidener aus - sie passt sogar in den Keller ihres Mehrfamilienhauses.


Mit Minikraftwerken für kleine Mehrfamilienhäuser wollen die Energiekonzerne RWE und Lichtblick den Markt in NRW erobern. Die Kunden beheizen mit den Anlagen ihre Wohnungen und bei Bedarf wird Energie als Schwarmstrom ins allgemeine Netz eingespeist.

"Bisher läuft es ganz gut", sagt Helga Redlich und ihr Mann ergänzt: "Es ist angenehm warm." Denn das Minikraftwerk der Redlichs im Keller ihres um die Jahrhundertwende gebauten Mehrfamilienhauses hat zwei Aufgaben: Erstens beheizt es das Haus und zweitens wird bei Bedarf Strom produziert, der von der Firma Lichtblick ins allgemeine Netz eingespeist wird. Dahinter steht folgende Überlegung: "Regenerative Energien liefern nicht auf Knopfdruck Strom", erklärt die 69-Jährige. Bei einer Windflaute etwa kann ihre Anlage dabei helfen, das Stromloch zu füllen. Das wird zentral in Hamburg geplant und die einzelnen Kraftwerke werden per Funk zugeschaltet. "Hier handelt es sich nicht nur um das kleine Kraftwerk unserer Familie, sondern um Schwarmstrom", so Helga Redlich.

Mehrere tausend Anlagen für NRW geplant

Die Redlichs gehören zu den ersten zehn Haushalten in NRW, die über den Ökostromanbieter Lichtblick ein Zuhausekraftwerk im heimischen Keller installiert bekommen haben. Zur Anlage gehören drei Heizkessel und ein großer Kasten mit dem Herzstück des Kraftwerks: einem VW-Motor, der mit Erdgas angetrieben wird. Das Ergebnis sind etwa 20 Kilowatt elektrische Leistung. Mit diesem Projekt will das Unternehmen den Markt in NRW erobern. Der eigene Anspruch ist, bald Marktführer zu werden. Bislang hat das Unternehmen mehrere hundert Anlagen in Norddeutschland und Berlin installiert. Mehrere tausend der Zuhausekraftwerke sollen nach Informationen von Unternehmenssprecher Ralph Kampwirth jetzt in Nordrhein-Westfalen folgen. Langfristig soll die Zahl auf 100.000 Minikraftwerke ansteigen und durch den Schwarmstrom - so die Hoffnung des Unternehmens - zwei Atomkraftwerke ersetzen. Wie hoch das Investionsvolumen ist, will das Unternehmen aus strategischen Gründen nicht beziffern.

Konkurrenz von RWE


Denn die Konkurrenz ist schon längst da: Die RWE-Tochter "RWE Effizienz" hat zusammen mit dem Heizgerätehersteller Vaillant ein ähnliches Projekt initiiert. In einer ersten Phase sollen 50 Anlagen in NRW installiert werden. Bislang richten sich die Minikraftwerke von RWE und Lichtblick an Zwei- oder kleinere Mehrfamilienhäusern. RWE will 2012 nachlegen und auch eine Anlage für Einfamilienhäuser anbieten. Beiden Projekte richten sich hauptsächlich an Kunden, die ein älteres Haus besitzen und ihre Heizungsanlage erneuern müssen.

Kosten für ein Minikraftwerk


So war es auch bei den Redlichs. Deren Haus wurde bislang von einer in die Jahre gekommenen Gasheizung beheizt. Das Ehepaar hat für den Aufbau ihrer Anlage über 5.000 Euro Installationsgebühr gezahlt. Dazu kommt eine monatliche Grundgebühr von 20 Euro, abzüglich fünf Euro für die Nutzung des Kellers durch die Firma Lichtblick. Dazu kommen die Kosten für die verbrauchte Wärme. Service und Wartung werden ebenfalls von dem Hamburger Unternehmen übernommen. "Unsere Hoffnung ist, dass wir 30 Prozent oder mehr der Heizkosten einsparen können", berichtet Helga Redlich. Bei RWE ist das Konzept ähnlich: 5.000 Euro Investitionszuschuss, monatliche Grundgebühr zwischen 30 und 40 Euro, Wartung durch den Konzern. Die Anlage kann auch gekauft werden: für etwa 40.000 Euro. Die Laufzeiten betragen bei beiden Firma zehn Jahre.

Der bisherige Marktführer SenerTec sieht der neuen Konkurrenz bislang gelassen entgegen und plant keine neue Kampagne für NRW. "Wir haben in Deutschland bislang 26.000 Anlagen verkauft", berichtet Pressesprecher Michael Mark. Das Minikraftwerk von SenerTec mit dem Namen "Dachs" kostet je nach Größe zwischen 23.000 und 35.000 Euro. Schwarmstrom ist nicht vorgesehen. "Unsere Kunden nutzen den Strom selbst oder speisen ihn eigenständig ins Netz ein", so Mark.

Verbraucherschützer: "Der Teufel steckt im Detail"

Verbraucherschützer empfehlen, genau durchzurechnen, ob sich die Anlage für das eigene Haus lohnt. Aribert Peter, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, ist bei den hohen Investitionskosten für den Erwerb eines Minikraftwerks skeptisch: "Meiner Einschätzung nach kann ich dafür keinen Persilschein erteilen." Dennoch könne ein Einbau trotzdem "eine kaufmännisch sinnvolle Sache sein". Nur: "Aber der Teufel steckt im Detail." Sein Tipp ist, die Kosten unabhängig überprüfen zu lassen. Die Verbraucherzentrale NRW bietet in vielen Städten eine Energieberatung an.

Die Redlichs sind mit ihrer Anlage bislang zufrieden. Sie warten auf die erste Abrechnung mit Lichtblick. Wenn die Zahlen dann stimmen, möchte das Ehepaar auch seine anderen Mietshäuser mit einem Zuhausekraftwerk ausstatten. "Unser Hauptbeweggrund war, dass wir etwas für die Umwelt tun wollten", sagt Helga Redlich.


Stand: 20.12.2011, 00.01 Uhr


Kommentare zum Thema (15)

letzter Kommentar: 21.12.2011, 18:33 Uhr

Günter schrieb am 21.12.2011, 18:33 Uhr:
Dieser Typ Gaskraftwerk dürfte auf Grund der Kraft-Wärmekopplung einen Wirkungsgrad von cirka 80 % haben. Zum Vergleich: Das umstrittene EON- Kraftwerk in Datteln, das uns als so umweltfreundlich angepriesen wurde, kommt gerade mal auf einen Wirkungsgrad von 45%. Somit leisten diese Kraftwerke einen kleinen Beitrag so wohl zur CO2- Reduktion als auch zum Atomausstieg.
b.e.lial schrieb am 21.12.2011, 13:59 Uhr:
@anonym: gute Idee, an der Küste der ehem. SU verrotten etliche Atom-Uboote. Die Russen verschenken die garantiert mit 'nem Handkuss !!!
Anonym schrieb am 21.12.2011, 11:01 Uhr:
Und wenn das eigene Kraftwerk zuhause noch mit Uran betrieben wird, ist das Ganze auch noch CO2 neutral. Ein Unglück wie in Japan ist bei der kleinen Grösse auch ausgeschlossen!
Marvin schrieb am 20.12.2011, 17:14 Uhr:
Die Zuhausekraftwerke sollten Standard sein!
Herr Gert schrieb am 20.12.2011, 15:08 Uhr:
Die Funktionsweise ist die: - ein (PKW-)Erdgasmotor treibt einen Sromgenerator an, der bis zu 20.000 W liefern kann. - die entstehende Abwärme wird über Wärmetauscher entweder direkt in den Heizungskreislauf / Warmwasserspeicher überführt oder in einem Pufferspeicher "zwischengelagert". So hat man auch Wärmeenergie, wenn kein Strom produziert werden muss. Andererseits muss man dann im Sommer auch nicht heizen, wenn Strom produziert wird. Ich stehe schon seit fast zwei Jahren auf der Lichtblick-Warteliste, weil ich die Idee und die Konditionen sehr interessant finde. Mal sehen, wann's im Bergischen Land das erste Zuhausekraftwerk gibt ...

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