Zwei Studien zum Lohndumping Sackgasse Minijob

Wer einen Minijob hat, bekommt oft weniger als 8,50 Euro in der Stunde. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung für das NRW-Arbeitsministerium. Auch die Bundesregierung hat forschen lassen: Demnach schaffen Minijobberinnen kaum den Sprung in besser bezahlte Arbeit.


Jeder zweite Beschäftigte mit Minijob erhält einen Stundenlohn von weniger als 8,50 Euro. Das geht aus einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung für das Düsseldorfer Arbeitsministerium hervor. Die groß angelegte Befragung von 3.200 Minijobbern und Arbeitgebern offenbare schwere Verstöße gegen Arbeitsrecht, kritisierte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag (18.03.2013) bei der Vorstellung der Analyse in Berlin. Zwei Drittel der Minijobber hätten noch nie den ihnen gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent werde bezahlter Urlaub generell verwehrt. Bundesweit gibt es rund sieben Millionen geringfügig Beschäftigte, in NRW 1,7 Millionen.

"Billige Arbeitskräfte zweiter Klasse"


Schneider betonte: "Wir wollen die Minijobs nicht abschaffen. Aber wir wollen sie neu regulieren." Die Ergebnisse der Studie seien zum Teil erschreckend: "Obwohl Minijobberinnen und Minijobber arbeitsrechtlich allen anderen Beschäftigten gleichgestellt sind, werden sie von einer Vielzahl von Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt", sagte der NRW-Minister. Nötig seien "stärkere Sanktionen, damit arbeits- und tarifrechtliche Bestimmungen durchgesetzt werden" sowie ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Die frühere rot-grüne Bundesregierung hatte Minijobs im Zuge der Agenda 2010 vor zehn Jahren massiv ausgeweitet.

Studie des Familienministeriums zu Frauen im Minijob

Auch eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeichnet ein düsteres Bild der Lage von Minijobberinnen. Die meisten Frauen, die nur einen oder mehrere Minijobs haben, kommen demnach aus dieser Erwerbsform nicht mehr heraus. Minijobs entfalten, so das Fazit der Studie, "eine schnell einsetzende und hohe Klebewirkung und keine Brückenfunktion". Frauen, die einmal einen Minijob ausübten, fänden nur zu einem geringen Teil den Übergang in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Über die Forschungsergebnisse berichtete am Montag die Süddeutsche Zeitung und verwies darauf, dass die Studie "unbemerkt von einem breiteren Publikum" im Internetangebot des Ministeriums veröffentlicht wurde.

"Ohnmacht und Abhängigkeit" durch Minijobs

Minijobs als Haupterwerb seien im Effekt "ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen". Minijobs sind demnach anfällig für Schwarzarbeit und haben zudem ein negatives Image. Die "fließenden Grenzen zur Schwarzarbeit" würden zum Beispiel sichtbar, wenn Überstunden in bar oder als Naturalien ausgezahlt würden. Minijobs würden teils genutzt, um Schwarzarbeit zu verschleiern. Für die Studie befragte das Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung mehr als 2.000 Frauen. Beide Untersuchungen dürften die politische Debatte über Lohndumping im Bundestagswahljahr 2013 weiter anheizen.

Stichworte

Minijob

Ein Minijob ist geringfügige Arbeit, die monatlich mit maximal 450 Euro entlohnt wird. Seit 1.1.2013 sind Minijobber automatisch rentenversichert, sofern sie nicht eine Befreiung davon beantragen. Minijobber haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.


Stand: 18.03.2013, 12.37 Uhr


Kommentare zum Thema (40)

letzter Kommentar: 21.03.2013, 11.23 Uhr

Bürger schrieb am 21.03.2013, 11.23 Uhr:
@ Anonym - sie schreiben immer 10% besitzen 60% des Vermögens. Dann sollten sie auch fairerweise erwähnen, wieviel Prozent der gesamten Steuerlast diese 10% tragen....!"!!!
Anonym schrieb am 21.03.2013, 07.14 Uhr:
@@ Anarchie = Reindemokratie 12:12 Uhr: schrieb am 20.03.2013, 14:34 Uhr: "Die Bundesregierug schwört bei ihrem Eid, Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden" dies sehen Rot, Grün, Gelb und Schwarz aber nur für die 10% die 60% des Vermögens in Deutschland besitzen. Zum Schutz diese wird der Rest immer weiter verschuldet u.s.w. wenn die dinge weiter eskalieren (und das werden sie) bleibt die Frage wie wollen sich 10% vor 90% schützen? Geld kann man transferieren bei Grundstücken, Häusern und der Gleichen sieht das anders aus. Soll Angie ruhig weitermachen so, wird genauso laufen wie in der EX DDR da waren es auch etwa 10% Profitöhre an diesem System, oder nicht?!!!! Ich sehe das so das Angie und ihre Helfer eine Andere art ( Light Version) von DDR aufgebaut haben nur sind es nicht mehr die Funktionäre sondern die Investoren, oder nennen wir sie ihre Zielgruppe?!!!
der Eulenspiegel schrieb am 21.03.2013, 00.23 Uhr:
Zuerst einmal Mindestlöhne, das ist ja nichts neues. Sämtliche Tariflöhne sind letztlich Mindestlöhne weil jeder Arbeitgeber ja mehr zahlen darf aber nicht weniger. Weiter „Leistung muss sich wieder lohnen“ auch im unteren Einkommensbereich. Warum sollte jemand Leistung bringen wenn er dadurch nicht mehr bekommt als H4, also sein Einkommen nicht steigern kann. Ein Mindestlohn wird auf jeden Fall die H4 Leistungen sänken.
@ Anarchie = Reindemokratie 12:12 Uhr: schrieb am 20.03.2013, 14.34 Uhr:
Die Bundesregierug schwört bei ihrem Eid, Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden, der Minderleistermindestlohn führt nur zur Dekadenz, Arroganz, Verblödung und weiteren Sozialdemokratisierung des Volkes. Aus diesem Grunde ist der Mindestlohn abzulehnen. Leisten ja, Minderleistern das schnöde Nichtstun honoriern Nein. Der Stándort Deutschland ist teuer genug. Jedwede RotGrüne Kolloboration stellt einen Schaden für die Bundesrepublik Deutschland dar. Vor allem, wenn noch aus reiner Machtgeilheit mit der extremen Lafontainepartei pack-tiert werden muss.
Anarchie = Reindemokratie schrieb am 20.03.2013, 13.54 Uhr:
Das einzige Problem hier in Deutschland ist das es den Zusammenhalt nur in den elitären Kreisen gibt, dadurch wird es denen sehr leicht gemacht. Altes Motto wen 2 sich streiten freut sich der Dritte!

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