Bauernhöfe bedroht: Landwirte klagen über sinkenden Milchpreis
Der sinkende Milchpreis sorgt für Debatten bei Landwirten und Politikern. Der Verband der Milchbauern fordert mehr Regulierung. 2015 fällt in der Europäischen Union die Beschränkung der Milchproduktion weg.
Die Milchbauern in Nordrhein-Westfalen sind besorgt angesichts sinkender Milchpreise. Der Liter Rohmilch kostet derzeit um die 30 Cent. "Die Talsohle ist noch nicht erreicht. In den nächsten Wochen könnte es bis auf 25 Cent pro Liter runtergehen", sagte Michael Braun, Vize-Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter, am Dienstag (31.07.2012). Dem Verband gehören in NRW rund 2.000 Milchbauern an. Viele Familienbetriebe seien in ihrer Existenz bedroht, sagte Braun. Die Lobby der melkenden Landwirte fordert eine stärkere Regulierung des Milchpreises.
Milchbauern "schwächstes Glied in der Kette"
2011 hatten die Erzeuger einen relativ guten Preis von durchschnittlich etwa 34 Cent pro Liter Milch erzielt. 2009 war der Milchpreis auf unter 20 Cent gesunken. Damals hatten Milchbauern mit wütenden Protesten und Ausliefer-Streiks reagiert. Mit Gewinn können Landwirte ab 35 bis 40 Cent pro Liter arbeiten. Im Supermarkt gibt es H-Milch ab 50 Cent zu kaufen.
NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) hatte sich bereits im Mai 2012 besorgt über die Preisentwicklung geäußert. "Bei den jüngsten Vertragsabschlüssen zwischen Molkereien und Handel hat es Abschläge von mehr als 4 Cent pro Liter Trinkmilch gegeben, was sich auf die Milchauszahlungspreise auswirken wird", sagte der Minister. Wieder einmal zeige sich, "dass die Milchbauern das schwächste Glied in der Marktkette sind".
Trendwende absehbar?
Im Unterschied zum Bund Deutscher Milchviehhalter erwartet die Landesvereinigung der Milchwirtschaft schon bald wieder eine "Trendwende" bei den Preisen. Schon im Herbst könnten die Preise steigen, teilte der Verein mit, der als "runder Tisch" alle Marktbeteiligten vertritt. Fakt sei aber, dass die Preise stärker rauf und runter gingen als in früheren Zeiten.
Der Verband der Milchbauern fordert mehr Regulierung. "Es ist doch Wahnsinn, wenn einfach zu viel Milch produziert wird", sagte Verbands-Vize Braun. Sinnvoll fände er ein europaweites "Markt-Monitoring". Doch dieser Vorschlag widerspricht der politischen Mehrheitsmeinung in der Europäischen Union. 2015 wird der EU-Milchmarkt liberalisiert. Dann fällt die Milchquote, die festlegte Obergrenze für die Milcherzeugung, ersatzlos weg.
Zur Vorbereitung der Liberalisierung dürfen die Milchbetriebe schon jetzt Jahr für Jahr mehr Milch produzieren. "Das trägt zu den sinkenden Preisen bei", sagte der Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hans-Heinrich Berghorn. Gleichwohl habe die Mehrheit des Bauernverbandes mehrheitlich für die Liberalisierung votiert, da sich viele Betriebe durch die Aufgabe der Quote bessere Marktchancen erhofften. Der Verband der Milchbauern vertrete also nicht die generelle Linie der Bauern.
Immer weniger Milchbetriebe
Schon seit Jahren geht der Trend zu immer weniger Milch-Bauernhöfen. "Allein im letzten Jahr haben fünf Prozent der Betriebe dichtgemacht", sagte Milchbauer Braun, der selbst einen Hof mit 70 Milchkühen im oberbergischen Reichshof bewirtschaftet. 2011 war die Milchproduktion in NRW auf das Rekordniveau von 2,96 Millionen Tonnen geklettert. Zugleich sank die Zahl der Milchhöfe in NRW auf knapp 7.800. Vor zehn Jahren war es landesweit noch rund 11.000 Milchbauern. Der Wettbewerb beschränkt sich nicht auf Europa. Billiganbieter liefern Milchprodukte etwa aus Asien.
Auf dem Land wird die Entwicklung mit Sorge gesehen. "Der geringe Milchpreis ist schon etwas bedrohlich, zumal die Futterpreise recht hoch sind", sagt Reiner Stümper, Milchbauer aus Neunkirchen-Seelscheid im Rhein-Sieg-Kreis. Die meisten Landwirte hätten sich aber aus den letzten Jahren mit besseren Preisen ein "kleines Polster angelegt". Mittelfristig befürchtet Stümper durch die EU-weite Liberalisierung einen stetigen Preisdruck.
Wohl kein neuer Streik
Der Verband der Milchbauern will im Herbst mit Demonstrationen auf die Lage aufmerksam machen. Sprühaktionen, bei denen überschüssige Milch auf den Feldern entleert wird, seien denkbar, sagte Verbands-Vize Braun. Einen neuen "Milch-Streik" wie vor einigen Jahren könnten sich die Bauern angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage aber wohl kaum leisten.
Stand: 31.07.2012, 13.23 Uhr
Kommentare zum Thema (30)
letzter Kommentar: 05.08.2012, 12:18 Uhr
- Schweinehalter schrieb am 05.08.2012, 12:18 Uhr:
- Was man im Geschäft kauft hat nichts mit der Milch zu tun die direkt vom Bauern kommt. Viele die ich kenne mögen Milch direkt vom Bauern nicht mehr weil sie den Geschmack gar nicht kennen.
- Anonym schrieb am 05.08.2012, 10:53 Uhr:
- Was die meisten Milchbauern da produzieren ist auch nicht mehr wert, im Gegenteil!
- Schweinehalter schrieb am 03.08.2012, 14:10 Uhr:
- Das Problem an der ganzen Sache ist je das das die Milchbauern keine Perioden ohne Gewinne gewohnt sind und deshalbe ihre Betriebe in punkto Finnanzen ans Limit gebracht haben. Mich als Schweinehalter ärgert diese Berichterstattung sehr wir haben schon Jahre Umsonst gearbeitet und niemand Regestriert es. WIr kaufen nicht jedes Jahr einen neuen Schlepper oder Land denn das sitzt bei den meisten von uns nicht dran. Aber zu einigen dieser Kommentare möchte ich nur sagen das völlig das Verständnis fehlt wie die Landwirtschaft funktioniert. Und Milch direkt beim Bauern aus dem Tank schmckt besser als die aus dem Supermarkt. Es liegt alles nur am Fettgehalt der von den meisten Verbrauchern nunmal so niedrig wie möglich gewünscht wird.
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 03.08.2012, 13:07 Uhr:
- Aber mal allgemein, wer nur ein Standbein hat dem kann es auch schnell weggezogen werden. Wenn ich von einen Hoff wüste in meiner nähe der Schweine, Rinder, Milchvieh und der gleichen hätte diese vermarkten würde ab Hoff so hätte dieser einen neuen Kunden.
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 03.08.2012, 13:02 Uhr:
- @ Milchtrinker, "Konventionelle Bauern die Verträge mit Großmolkereien haben sind ihre Situation doch selber schuld." Aber nur mit dem Hintergrund das die Großmolkereien den Genossenschaften gehören und diese den Bauern!!!!!!
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