Urteil gegen Ex-Arcandor-Chef Middelhoff - 3,4 Millionen Schadenersatz

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss Millionen Euro Schadenersatz an einen Insolvenzverwalter zahlen - allerdings lange nicht so viel, wie der Kläger gefordert hatte. Das entschied das Landgericht Essen am Montag (09.09.2013). Middelhoff hat Berufung gegen das Urteil angekündigt.


Thomas Middelhoff soll rund 3,4 Millionen Euro an den Arcandor-Insolvenzverwalter bezahlen. Das bestätigte Stephan Hackert, Sprecher des Landgerichts Essen, WDR.de am Montag (09.09.2013). In dem Zivilverfahren hatte Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch gegen Middelhoff und andere Manager geklagt. Er machte Schadenersatz in Höhe von insgesamt fast 24 Millionen Euro geltend. Für den Löwenanteil von 16 Millionen Euro sollte Middelhoff geradestehen.

"Kein dienstlicher Anlass"

Die Klage richtete sich gegen angeblich zu Unrecht ausbezahlte Sonderboni und überhöhte Abfindungen. Arcandor habe hohe Boni an Middelhoff ausgeschüttet, obwohl damals bereits feststand, dass der Manager den Warenhaus- und Tourismuskonzern verlässt, sagte der Vorsitzende Richter Michael Dickmeis. Auch sei bei mehreren teuren Flügen in gecharterten Jets, die Middelhoff Arcandor in Rechnung gestellt habe, "kein dienstlicher Anlass" zu erkennen gewesen, merkte Dickmeis an. Zudem habe Middelhoff einen Sponsoring-Vertrag mit der Universität Oxford über rund 840.000 Euro "eigenmächtig" geschlossen. Der Arcandor-Vorstand habe dem Schriftwerk nicht zugestimmt.

Auch andere ehemalige Arcandor-Manager sollen zahlen: Ein Sprecher des Insolvenzverwalters rechnet mit insgesamt rund acht Millionen Euro, die nun in die Insolvenzmasse fließen sollen.

Anwalt sieht "keine Rückzahlungspflicht"

Die Beklagten wiesen die Vorwürfe zurück. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller sagte zu dem Urteil: "Eine Rückzahlungspflicht für den Sonderbonus 2008 - hier geht es um circa 2,3 Millionen Euro - sehen wir nicht. Es stand zwar seinerzeit fest, dass Thomas Middelhoff nicht mehr Vorstandsvorsitzender bleiben werde; er sollte aber die drei für Arcandor besonders wichtigen Großprojekte als Berater weiterverfolgen." Die Bonuszahlung sei angemessen und berechtigt gewesen, eine Rückzahlungspflicht bestehe daher nicht. Nach Darstellung des Anwalts habe das Sponsoring für die Universität Oxford keines Beschlusses des Gesamtvorstands bedurft, ein formloser Beschluss jedoch vorgelegen. Er sehe auch hier keine Rückzahlungsansprüche des Insolvenzverwalters.

Notfalls bis zum Bundesgerichtshof


Middelhoffs Anwalt kündigte an, die Entscheidung des Landgerichts Essen anzufechten. "Wir werden in Berufung gehen." Er gehe davon aus, dass der Rechtsstreit bis zum Bundesgerichtshof fortgesetzt werde.

Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2004 beim Arcandor-Vorläufer Karstadt-Quelle den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. 2005 wechselte er auf den Chefsessel. Er verkaufte neben den Immobilien alle Verlustbringer wie Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer - und träumte öffentlich von einem Aktienkurs in einer Höhe von "40 Euro plus X". Arcandor schlitterte dennoch in die Pleite, der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliardär Nicolas Berggruen.


Stand: 09.09.2013, 15.18 Uhr


Kommentare zum Thema (21)

letzter Kommentar: 13.09.2013, 14.16 Uhr

Ozzy schrieb am 13.09.2013, 14.16 Uhr:
Die CDU/FDP is schwer empört. Wie kann so ein "Leistungsträger" nur zur Kasse gebeten werden . O-Ton Westerwelle "Wir brauchen in Deutschland Verhältnisse wie in Irland". Das Irland gerade unterm Rettungsschirm liegt, weiss ja inzwischen jeder
ganoven schrieb am 13.09.2013, 14.16 Uhr:
diese Leute haben hunderte Familien in den Ruin getrieben denen ist es egal wie den Familien und ihrem Nachwuchs nach der Pleite ergeht
Raffkes ziehen Kreise schrieb am 11.09.2013, 10.47 Uhr:
SPD-Grüne unter Schröderführung sorgten damals dafür, dass die Kultur der Raffkes zur "Leitkultur" in BRD wurde. Dass die Kultur schon Jahre vorher andere Länder westlich unseres Tellerrandes beherrschte, war allerdings nicht zu übersehen, nur war die SPD-Grünen_Regierung nie und nimmer dazu gezwungen worden,denn so krank wie BRD damals geschrieben worden war, war sie nie gewesen. Ein zyklisches Tief wurde zum Anlass der Agenda 2010 und der Leitkultur der Raffkes genommen, die damaligen Verantwortlichen schicken sich an, höchstpersönlich in den kommenden 4 Jahren noch mal die "Leitkultur der Raffkes" zu verfeinern. Nun, die Grünen werden schon abgestraft(<10%), wann die SPD aus dem Seeheimer Kreis?
LiFe schrieb am 10.09.2013, 17.41 Uhr:
Hans A. Pestalozzi schreibt im Buch "Auf die Bäume ihr Affen" Seite 35 “Die Manager rechtfertigen ihre horrenden Einkommen mit der ungeheuren Verantwortung, die sie tragen. Was geschieht, wenn der Manager versagt? Wer trägt die Konsequenzen des Versagens? Ausschliesslich die Arbeiter, die auf der Strasse stehen. Der Manager steht vielleicht auch auf der Strasse, erhält aber mit Sicherheit eine gute Abfindung und hat wahrscheinlich keine Schwierigkeit, eine vielleicht noch bessere Stelle zu finden. Oder, wie es die ‘Schweizerische Handelszeitung’ schreibt: Wenn ein Unternehmen Erfolg hat, wird der Chef befördert. Wenn es schief geht, die Mannschaft entlassen.” Das Buch erschien 1989. Hans A. Pestalozzi war mehr Mensch als Manager.
Friedhelm Behmenburg schrieb am 10.09.2013, 15.25 Uhr:
Das Vorstände, die ein Unternehmen in die Insolvenz führen und sich vorher noch mit Sonderboni und an andere unnötigen Ausgaben privat bereichern zur Kasse gebeten werden, ist ein gutes Signal. Diese Gelder gehörten zu diesem Zeitpunkt mittlerweile den Gläubigern der Unternehmen.

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