Aus für Lufthansa-Hauptverwaltung Hiobsbotschaft auf dem Weg zur Arbeit

Von Ulrike Völler

Die Art und Weise, wie die Lufthansa am Mittwoch (20.02.2013) über die Schließung der Hauptverwaltung in Köln informierte, macht viele Mitarbeiter wütend. Die Entscheidung selbst bleibt für sie schwer nachvollziehbar, auch nachdem der Vorstandvorsitzende vor die Belegschaft getreten war.


Die Lufthansa will im Zuge ihres Sparprogramms die Kölner Hauptverwaltung schließen
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Viele Mitarbeiter erfuhren erst am Morgen von der Schließung

Enttäuschung, Niedergeschlagenheit aber auch Wut spiegeln sich in den Gesichtern der Lufthansa-Mitarbeiter, als sie am Mittwoch (20.02.2013) die Belegschaftsversammlung in der Hauptverwaltung der Lufthansa in Köln verlassen. Dort hat ihnen Chistoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, die Entscheidung des Konzerns erläutert, die Kölner Hauptverwaltung bis Ende 2017 zu schließen. Eine Entscheidung, von der die Belegschaft am Abend zuvor per E-Mail in Kenntnis gesetzt worden war. Diese Art und Weise macht die Mitarbeiter wütend. "Viele haben es schon gestern über die Medien erfahren oder wurden von Freunden angerufen, die fragten: ,Was ist denn bei Euch los?' ", ist Marlies Zanger noch immer fassungslos. "Die anderen haben es erst heute morgen erfahren." Die 51-Jährige ist seit 35 Jahren im Unternehmen.

"Ich fühle mich von der Politik allein gelassen"


Schliessung der Kölner Lufthansa-Hauptverwaltung
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Marlies Zanger und Hans Gierlich

Als Ohrfeige bezeichnet Hans Gierlich die Entscheidung des Konzerns - "wie alles in den letzten anderthalb Jahren". Die Lufthansa sei doch die Visitenkarte Deutschlands, so der 58-Jährige, der auf den Tag genau geboren wurde, als die Deutsche Lufthansa AG gegründet wurde: am 5. September 1954. Lufthansa, das seien auch die Menschen, die für das Unternehmen und dessen Erfolg arbeiten. Vor diesem Hintergrund empfindet er den Umgang mit den Mitarbeitern und die Entscheidung gegen Köln als noch beschämender und fühlt sich von der Politik allein gelassen. Bei dem von der Lufthansa eingeschlagenen Kurs fingen selbst die Kunden an zu zweifeln, erfährt Gierlich immer häufiger. Gierlich arbeitet im Verkauf und ist seit 36 Jahren im Unternehmen.

Die Versammlung sollte ursprünglich eine Stunde dauern, daraus wurden gut anderthalb. "Es war sehr emotional", berichtet Marietta Marquet, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. "Es wurde viel gefragt", doch Christoph Franz sei immer ausgewichen und habe auch auf konkrete Fragen keine richtigen Antworten gegeben, kritisiert sie. "Alle sind entrüstet, dass man mit uns nicht ehrlicher umgeht." Als ein Grund für die Schließung der Hauptverwaltung sei etwa die Nähe zum Kunden genannt worden. "Es gibt doch heutzutage Telefon und E-Mail, da spielt das doch kaum noch eine Rolle", sagt Marquet.

"Die Entscheidung ist nicht plausibel"


Schliessung der Kölner Lufthansa-Hauptverwaltung
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André Bustian, Betriebsratsvorsitzender bei der Lufthansa

Bereits im Oktober hatte die Fluggesellschaft angekündigt, 700 deutsche Jobs ins Ausland verlagern zu wollen. Von einer Schließung der Hauptverwaltung war bislang keine Rede gewesen. Dass etwas passieren müsse, sei allen klar gewesen, bestätigen Zanger und ihre Kolleginnen. Doch damit hätten sie nicht gerechnet. "Nur in diesem Haus sind 435 Mitarbeiter der Lufthansa, etwa 250 der Versicherungsgruppe, 150 aus dem Consulting-Bereich und etwa 20 von der Kantine betroffen", sagt André Bustian, Betriebsratsvorsitzender bei der Lufthansa. Vor allem sei die Entscheidung nicht plausibel. Die Arbeiten sollten zu 70 Prozent ins Ausland verlagert, die Standorte Köln und Norderstedt (Schleswig-Holstein) geschlossen werden. "Warum bündelt man dann nicht wenigstens die übrigen Aufgaben an einem der beiden Standorte?", fragt Bustian. Stattdessen wolle die Lufthansa einen dritten Standort im Rhein-Main-Gebiet neu aufbauen. Reine Kostengründe vermag er da nicht zu erkennen.

Es sei denn, es geht tatsächlich, wie von vielen Mitarbeitern vermutet wird, darum, langjährige Arbeitnehmer loszuwerden. "Mitarbeiter, die seit mindestens 15 Jahren beschäftigt sind, sind betriebsbedingt nicht kündbar, es sei denn, man schließt den Standort", erklärt Wilfried Schmitz, stellvertretender Konzernbetriebsratsvorsitzender der Lufthansa AG und Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Lufthansa Cityline. "Es sieht so aus, als wolle man durch den massiven Verlust an Mitarbeitern Geld einsparen, statt an Geld über den Kapitalmarkt zu gelangen." Ein Großteil der Aufgaben gehe dann nach Krakau, Mexiko und Bangkok. "Es ist gefährlich und fatal, so leichtfertig Arbeitsplätze in Deutschland zu verlieren."

"Das ist katastrophal für den Standort Deutschland"


Schliessung der Kölner Lufthansa-Hauptverwaltung
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Nach der Versammlung verlassen die Mitarbeiter das Gebäude

Nochmal 400 Arbeitsplätze in Köln sieht Schmitz gefährdet, wenn der Vorstand am 7. März die Verlagerung der Cityline nach München beschließt. "Kosten spielen da gar keine Rolle", der Umzug sei viel zu teuer. "Aber München hätte gerne eine Airline." Er rechnet damit, dass München diese auch bekommt.

"Das ist katastrophal für den Standort Deutschland", sagt Bustian. In einer Telefonkonferenz um 19.30 Uhr am Dienstagabend (19.02.2013) waren er und seine Betriebsratskollegen von der Schließung unterrichtet worden. Ob es Entlassungen geben wird, wie die Abwicklung der Hauptverwaltung geplant ist oder wer woanders eventuell eine neue Aufgabe bekommt... Er wisse noch gar nichts, sagt er und wirkt müde. "Wir wissen ja auch noch nicht, wie viele nun die Flucht ergreifen." Der Verlust der vielen jungen, gut ausgebildeten Mitarbeiter, die sich schnell neue Jobs suchen und die auch finden werden, sei für das Unternehmen nur schwer zu verkraften.


Stand: 20.02.2013, 16.07 Uhr


Kommentare zum Thema (34)

letzter Kommentar: 23.02.2013, 13:51 Uhr

DPS schrieb am 23.02.2013, 13:51 Uhr:
Bald wird es auch der verklemmteste Genosse merken, Rot/Grün ruiniert NRW. Und wenn dann alles platt ist, dann haben wir endlich die so lang ersehnte "Soziale Gerechtigkeit."
R.Hast schrieb am 23.02.2013, 09:17 Uhr:
Gut, dass hier in NRW wieder SPD/Grüne regieren.Mit dem abgewählten Schuldenkönig Herrn Rüttgers (CDU) sähe es hier leider noch viel schlechter aus.
Kölner schrieb am 22.02.2013, 08:51 Uhr:
@Volker Entweder haben Sie Ihren Kommentar unter den falschen Artikel gesetzt oder Sie haben den Artikel gar nicht gelesen. Natürlich muss diese Arbeit, die in Köln und in Norderstedt getan wird, auch weiterhin gemacht werden usw usw (aber vielleicht lesen sie einfach selber)
walter schrieb am 21.02.2013, 12:47 Uhr:
@RechtsDaumenLinks: Die Lufthansa verdient ihr Geld zum großen Teil in der Luft und dann zu 99% nicht über Deutschland. Gelle?
RechtsDaumenLinks schrieb am 21.02.2013, 10:55 Uhr:
Ach die verlegen sicher nur Ihren Firmensitz in ein Land in dem Sie weniger Steuern zahlen müssen. Hier in Deutschland ist halt einfach alles zu teuer. Ausländische Unternehmen machen es doch genau so, in Deutschland verdienen im Ausland versteuern.

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