Leere Läden in den Zentren Der Kampf gegen die Innenstadt-Verödung

Von Marion Feldkamp

In fast jeder Stadt oder Gemeinde in Nordrhein-Westfalen gibt es sie: Ladenlokale, die leer stehen. Sie sind Schandflecken mitten im Zentrum - und das manchmal schon seit Jahren. Die Kommunen haben kaum Möglichkeiten dies zu beeinflussen, aber sie versuchen es zumindest.


Im münsterländischen Steinfurt-Borghorst möchte zum Beispiel ein Bäcker sein Haus mit Laden verkaufen. Zuvor hat er sich lange Zeit um einen Nachmieter für das Geschäft bemüht. Die jetzigen Kaufinteressenten wollen allerdings im Erdgeschoss Wohnungen einrichten. Doch das geht nicht, sagt der Technische Beigeordnete der Stadt Reinhard Niewerth: ''Dadurch würde sich eine strukturelle Veränderung in einem Gebiet ergeben, das zurzeit noch als Einkaufsstraße angenommen wird. Würde hier das Wohnen zugelassen – eine Wiederbelebung, gewünscht in einigen Jahrzehnten, wäre nicht mehr möglich''. In der bundesweiten Baunutzungsverordnung gibt es außerdem den Paragrafen 7, der besagt, dass in Kerngebieten nur Geschäfte zugelassen werden dürfen. Diese Kerngebiete, also Straßenzüge oder Fußgängerzonen, legen die Kommunen über die Bebauungspläne selbst fest.

Aus drei mach eins


Niewerths Idee: Es können sich zum Beispiel drei Inhaber, die nebeneinander liegende Läden besitzen, zusammenschließen. ''Einigen Interessenten ist die Fläche eines Geschäfts zu klein. Würden die Drei durch einen Umbau einen größeren Verkaufsraum schaffen, dann könnte das Vermieten klappen''.

Geklappt hat es mit anderen Anstrengungen in Drensteinfurt im Kreis Warendorf. In der 16.000-Einwohner-Stadt hat Wirtschaftsförderin Ute Homann die Sache in die Hand genommen und es zumindest vorübergehend geschafft, für sämtliche leere Läden wieder einen Mieter zu finden. ''Ich bin auf die Inhaber zugegangen, habe mit ihnen gemeinsam überlegt und hatte auch Glück dabei''. Existenzgründer und einige Filialisten hätte sie gewinnen können.

Nah dran an den Eigentümern


''Immobilienmanagement'' – hat es Homann genannt. Sie sei nah dran an den Besitzern und das funktioniere wie ein Frühwarnsystem, so dass sofort reagiert werden könne, wenn sich eine Schließung ankündigt. Außerdem rät sie ihren Einzelhändlern: ''In einer mittleren Stadt wie unserer ist es wichtig, Nischen zu finden. So hat sich ein Schuhgeschäft bei uns zum Beispiel auf Übergrößen spezialisiert''.

Im benachbarten Ennigerloh versucht Stadtplaner Horst Handke, gegen die derzeit ungenutzten Verkaufsflächen vorzugehen. ''Die Interessenten scharren bei uns nicht mit den Hufen und stehen Schlange''. Schließlich sei die Grundversorgung gewährleistet. Am Ort gibt es alles, was für eine Stadt in der Größenordnung (20.000 Einwohner) notwendig ist. ''Uns würde vielleicht ein Magnet helfen, also ein attraktives Geschäft, an das sich weitere andocken''. Seit mehreren Jahren steht dort ein ehemaliger Supermarkt leer, mit zu wenig Parkraum im hinteren Teil des Grundstücks. ''Da ist es wirklich schwierig, einen Nachmieter zu finden, allein weil man mit dem Auto so schlecht herankommt''.

''Fehler liegen in der Vergangenheit''

Jens Imorde hat in Münster und Berlin Stadtplanungsbüros und schon etliche Quartiere überplant und neue Gestaltungsideen entwickelt. Er sieht die Fehler der Verödung so mancher Innenstadt in der Vergangenheit: ''Es gibt bestimmte Momente, die den Einzelhandel in der Innenstadt nicht gerade befördern. Dazu gehören Versorgungszentren am Rand der Innenstadt. Das nimmt Frequenz aus der Innenstadt heraus." Und dann beginnt eine ungünstige Entwicklung. Schließlich bleibe es häufig nicht bei einem Discounter, sondern dann siedelten sich dort noch etwa ein Getränkemarkt, ein Sonderpostenmarkt oder ein Gartencenter zusätzlich an – und schon sei ein Nebenzentrum da. Imorde empfiehlt, die Erdgeschoss-Lagen, wenn schon nicht mit einem Geschäft, dann zumindest mit Dienstleistern zu füllen, wie Arztpraxen, Rechtsanwaltsbüros oder Versicherungen – also etwas mit Kundenfrequenz. Der Städte- und Gemeindebund NRW weist darauf hin, dass sich die gesamte Verkaufsfläche seit Anfang der 1990er Jahre in etwa verdoppelt hat. Und, so Pressesprecher Martin Lehrer: ''Ketten für Drogerieartikel oder Bekleidung, die rechnen nur noch mit spitzem Bleistift und wenn da hinten herauskommt, dass es sich nicht lohnt, dann bleiben sie weg''.


Stand: 29.01.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (49)

letzter Kommentar: 03.02.2013, 13.28 Uhr

Stewwerter schrieb am 03.02.2013, 13.28 Uhr:
In Drensteinfurt sieht es aktuell aber anders aus: siehe (Link gelöscht. Anm.d.Red.) Echte „Existenzgründer“, die in den vergangenen Jahren ihr Glück in der Stadt versucht haben, gibt es weniger als die berühmte „Handvoll“. Und von „Filialisten“ fehlt in der Drensteinfurter Innenstadt nach wie vor jede Spur. Stattdessen bestimmen Leerstände wie im ehemaligen Schlecker Markt an der Hammer Straße, im ehemaligen Schlecker an der Mühlenstraße, im ehemaligen „Sonnenstübchen“, im ehemaligen Geschäft Grumann und im ehemaligen „Hotel zur Post“ das Bild. Und in der Kaufmannschaft grassiert die Furcht, dass es schon bald noch mehr leere Läden werden könnten, wenn es nicht gelingt, einen neuen Drogeriemarkt an entsprechender Stelle zu positionieren. Entsprechend heftig wird das Thema derzeit vor und hinter den Kulissen diskutiert.
@ Clown schrieb am 30.01.2013, 20.43 Uhr:
Sie fahren also für eine Kiste Mineralwasser in die Stadt.
Anonym schrieb am 30.01.2013, 13.32 Uhr:
Grüne und SPD werden die Notbremse von Altmayer bei EEG im Bundesrat wieder lösen. Das Geld wird also weiter weniger werden in den Taschen der Konsumenten und nur noch in preiswerte(n) Ketten fließen. Aldi und Lidl sind mittlerweile Garanten für auskömmlich, qualitative Versorgung. Es sind doch die Grünen und SPD, die Einkaufen beim Einzelhändler um die Ecke unmöglich machen, indem sie überall Steuern und Abgaben für ihre Bürokratie erfinden. Dann kommt in Infrastruktur nichts mehr an und das ist das Ende. Wir brauchen keinen Krieg mehr, der Euro seine Rettung und die Steruern von SPD-Grünen demnächst werden alles platt machen in BRD, wie die Innenstädte. Falls es noch keiner bemerkt haben sollte, nicht nur OPel-Bochum wird geschlossen sondern die Automobilindustrie ist auf dem Absprung(Grüne wollen jetzt Genderpolitik bei VW durchsetzen, dann gehts noch schneller?) weil die Märkte der Zukunft (auch E-Mobilität!!) in Asien und Amerika liegen!
@Clown schrieb am 30.01.2013, 11.21 Uhr:
Sehr passender nick ;) Kein OEPNV im Ort?50kg Uebergewicht und lange nicht gelaufen?Fahrrad zu teuer?"Hackenporsche"unbekannt?Mann,mann was seid ihr heute nur fuer Weicheier.
www.Sie Kaufen im Netz.de schrieb am 30.01.2013, 10.05 Uhr:
Noch fragen?

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