Gutachten sieht zu viele Risiken: Keine Fracking-Bohrungen in NRW
Zu risikoreich - das Ergebnis, der am Freitag (07.09.2012) vorgestellten Fracking-Studie für NRW war schon vorab durchgesickert. Neu ist die politische Konsequenz: Rot-Grün erteilt der umstrittenen Erdgas-Förderung eine Absage auf unbestimmte Zeit.

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Johannes Remmel und Gerralt Duin stellten das Fracking-Gutachten vor
"Bohrungen mit giftigen Chemikalien wird es mit der rot-grünen Landesregierung nicht geben", lautete NRW-Umweltminister Johannes Remmels (Grüne) Fazit der am Freitag (07.09.2012) vorgestellten Risikostudie zum Fracking. "Nicht nur auf absehbare Zeit - sondern grundsätzlich." Nicht auszuschließende Umweltrisiken und eine unsichere Datenlage beim Fracking ließen keinen anderen Entschluss zu. Bei dem Verfahren wird unter hohem Druck ein Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisch in den Boden gepresst. Diese Flüssigkeiten haben nach Ansicht der Gutachter hohes Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt.
"NRW ist ein Industrie- und Energieland - wir sollten die Tür zur Gewinnung von unkonventionellem Erdgas nicht zu schlagen", ergänzte Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) die Warnungen des Umweltministers. So sollen Forschungsbohrungen ohne die Fracking-Methode, also konventionelle Bohrungen, im Einzelfall überprüft und erlaubt werden können. "Es geht darum, weitere Daten und Erkenntnisse zu sammeln und offene Fragen zu beantworten", so Duin. Viele Erkenntnisse über Bodenschätze und Bodenbeschaffenheit seien auch ohne Fracking zu gewinnen.
Der NRW-Erlass zum Fracking bleibt bestehen
Im Grunde bleibt damit die Situation in NRW, wie sie vor der Veröffentlichung des Gutachtens war. Ein Erlass vom 18. November 2011 verbietet der zuständigen Bezirksbehörde in Arnsberg schon jetzt Unternehmen in NRW Fracking zu erlauben. Dieser Erlass gilt nach Aussage von Duin weiter. 23 Erlaubnisse für die Suche nach Erdgas hat Arnsberg bislang erteilt. Dabei geht es aber lediglich um das Recht, die vermutete Lagerstätte zu erkunden, nicht darum Gas zu gewinnen.

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Sand, Wasser und Chemikalien werden in das Gestein gepresst
Nordrhein-Westfalen besitzt Kohleflözgas- und Schiefergas-Vorkommen. Lagerstätten werden in den Bereichen Münsterländer Becken, nördlicher und südlicher Niederrhein, Ibbenbüren, Weserbergland, Osnabrücker Bergland und Rheinisches Schiefergebirge vermutet. Dieses Erdgas nutzbar zu machen, ist sowohl für Energieunternehmen als auch für die Politik reizvoll.
Balanceakt zwischen Wirtschaft und Ökologie
Doch ob Parteien und Politiker, Umweltverbände oder Bürger - alle scheinen gegen die umstrittene Gasförderung zu sein. Das Thema Fracking bedeutet für die Politik allerdings einen Balanceakt zwischen Verbraucher- und Naturschutz einerseits und Wirtschaftsinteressen andererseits. Genau deswegen demonstrierten Duin und Remmel bei der Vorstellung demonstrative Einigkeit. Beide forderten zudem CDU und FDP auf, der Bundesratsinitiative NRWs für eine verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung für die Suche nach unkonventionellem Erdgas und dessen Gewinnung zu zustimmen.
Die Haltung der CDU ist dagegen eher uneinheitlich. Während der stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion, Josef Hovenjürgen, laut gegen das Fracking trommelt und der Landesregierung vorwirft, die Risiken herunterzuspielen, lehnt sein Parteivorsitzender in NRW, Armin Laschet, die Methode nicht grundsätzlich ab. Man müsse "sorgsam prüfen, was ökologisch verantwortbar und was wirtschaftlich von Nutzen für die Menschen in Nordrhein-Westfalen ist", lässt sich Laschet in der Rheinischen Post zitieren. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) warnte hingegen noch am Donnerstag (06.09.2012) vor Eile. Er will ein Verbot zunächst nur in Trinkwassergebieten und ansonsten das Verfahren weiter prüfen.
Ein Bällchenbad bei Ikea hat mehr Struktur
Dieses nicht ganz einheitliche Meinungsbild riss Remmel am Freitagmittag zu dem Vergleich hin, "ein Bällchenbad bei Ikea hat mehr Struktur als die CDU" beim Thema Fracking. Der energiepolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion NRW Dietmar Brockes machte sich indessen öffentlich Sorgen um Wirtschaftsminister Duin - "der sich gegen seinen technologiefeindlichen Umweltminister nicht durchsetzen kann." Remmel wolle die Erforschung von Fracking komplett einstellen. Ein frühzeitiger Ausstieg aus der Erforschung dieser Methode lasse sich aus den Gutachten nicht ableiten.
Dieses liegt zunächst nur in der Kurzfassung vor - die kompletten 800 Seiten sollen in der kommenden Woche ins Internet gestellt werden. Das Umweltministerium hatte die Studie im vergangenen Dezember bei einem Ingenieur-Konsortium in Auftrag gegeben.
Stichworte
- Fracking
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Beim Hydraulic Fracking oder kurz Fracking handelt es sich um ein umstrittenes Verfahren für die Gewinnung von in Gestein eingeschlossenen Erdgasvorkommen. Man spricht dabei auch von "unkonventionellem Gas". Im Unterschied dazu lagern "konventionelle Gasvorräte" in großen zusammenhängenden unterirdischen Speichern, sie sind deshalb leichter zu fördern. Um an unzusammenhängende und in Gesteinsformationen eingeschlossene Gasvorkommen zu gelangen, werden beim Fracking Chemikalien, Wasser und Sand mit hohem Druck in die Erde gepumpt, bis im Gestein Risse entstehen. Dadurch wird das Erdgas freigesetzt und kann über das Bohrloch nach oben befördert werden. Umweltschützer und Kritiker befürchten, dass über die entstehenden Risse aber auch die eingesetzten Chemikalien oder das Gas selbst in Grundwasserschichten gelangen könnte. In den USA ist das nach Fracking-Maßnahmen bereits geschehen: Erdgas vermischte sich dort über die Gesteinsrisse mit dem Grundwasser und gelangte durch Wasserleitungen in Haushalte von Menschen, die nahe der Abbaustelle wohnten.
Stand: 07.09.2012, 18.50 Uhr
Kommentare zum Thema (37)
letzter Kommentar: 12.09.2012, 13:03 Uhr
- WDR.de schrieb am 12.09.2012, 13:03 Uhr:
- Wie Sie wissen, sind wir nicht irgendeiner Linie treu, sondern staatsfern. Wir entfernen ausschließlich Kommentare, die nicht unseren Kommentarregeln entsprechen, also unsachlich, beleidigend oder aus anderem Grund nicht akzeptabel sind.
- Anonym schrieb am 12.09.2012, 12:09 Uhr:
- Wie gehabt , die linke Linientreue WDR Journaille entfernt linkenkritische Beiträge lässt aber zu das das sich die Regimefreundlichen abfällig äußern dürfen .wahrscheinlich kennt man sich gut. Erbärmlich!!
- Anonym schrieb am 11.09.2012, 23:40 Uhr:
- Fakt ist eines, die Grünen und ihre Anhänger sind alle pseudolinke Heuchler und Demagogen. Links reden und kapitalistisch Leben. Für ihre eigene Gutmenschenwelt alles, für die anderen den Vorwurf der Neiddebatte.Heuchler und Pharisäer fûr die eigene verbohrte Ideologie .Sich als " Bildungsbürgertum" bezeichnen aber nicht bereit sein verquaste Ideologie zu hinterfragen. Und den Rest der Bevölkerung grundsätzlich als minderwertig betrachten .Es sei denn man kann den grünen Gutmenschen raushängen lassen. Die Grünen haben schon lange ihre Gründungsideale verraten für Geld und Pöstchen. Und es gibt nun einmal keine grünen Fachleute in Minsterpositionen sondern leider nur zum größten Teil Lehrer oder ähnliche die von ihrem Gebiet nicht den Schimmer von Ahnung haben. Und immer die Fahne in den Wind Hauptsache an der Macht egal um welchen Preis. Und kein Grüner verdient heutzutage noch den Titel Umweltschützer, es geht nur um Geld und Macht.
- anonym schrieb am 11.09.2012, 22:34 Uhr:
- Diese Absage für alle Zeit wäre vernünftiger.
- @bubu schrieb am 11.09.2012, 17:09 Uhr:
- Ich zitiere "Remmel tut sich besonders hervor und würde am liebsten das wir in Höhlen leben.Nach seiner Ideologie wäre NRW in der Vorsteinzeit da er meint er müsse von hier aus die Welt retten zu Lasten der Wirtschaft bzw. " Und das halten sie für einen sachlichen Kommentar? Ich habe bei Diskusionen so manchen GRÜNEN sagen müssen las mal die Kirche in Dorf aber einen derart verbissenen ideologischen Hetzer wie sie hab ich bei den GRÜNEN noch nicht erlebt.
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