Faire Metropole Ruhr: Knappe Kassen und trotzdem fair?
Seit 2010 hat das Ruhrgebiet ein ehrgeiziges Ziel: Es will faire Metropole werden. Rund die Hälfte der 53 Städte und Kommunen sind auf dem Weg zur "Fairtrade-Stadt" – doch einige können sich das 'saubere Image' nicht leisten.

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Kaffe, O-Saft und Co: Im Ruhrgebiet bald nur noch fair im Rathaus
Fairtrade – das sind kein bitterer Kaffe oder knochenharte Schokolade, die noch immer viele damit in Verbindung bringen. Nein, hinter Fairtrade steht ein buntes Sortiment an Lebensmitteln, Blumen, Textilien und sogar Pflastersteinen. Die fair gehandelte Produktkette geht mittlerweile so weit, dass auch Städte in vielen Bereichen auf nachhaltige Produkte setzen können. Deswegen gibt es seit 2001 auch den Titel "Fairtrade-Stadt", der Städten, die bestimmte Kriterien erfüllen, verliehen wird.
Das Ruhrgebiet soll fair werden
Weltweit gibt es insgesamt 1.000 "Fairtrade-Städte", 92 davon sind in Deutschland. Seit fast zwei Jahren bemüht sich das "Netzwerk Faire Metropole Ruhr" darum, auch das Ruhrgebiet "fair" zu machen. Zwischen Xanten und Hagen, zwischen Duisburg und Hamm soll bald nur noch fairer Kaffee in den Rathäusern fließen und auf den Vorplätzen sollen faire Pflastersteine liegen: die nicht aus Steinbrüchen mit Kinderarbeit stammen. Ein ehrgeiziges Ziel, wenn man sich die Kriterien für "Fairtrade-Städte" einmal genauer anschaut:
Zunächst muss es einen Beschluss vom Stadtrat geben, "Fairtrade-Stadt" werden zu wollen. Blumen und Kaffee im Rathaus sollten fair gehandelt sein, öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen beteiligen sich und Händler und Gastronomen führen dauerhaft Produkte mit fairem Siegel im Sortiment. Eine lokale Steuerungsgruppe soll die Aktionen koordinieren.
Gastronomen sind schwerz zu überzeugen

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Vera Dwors bei der Fair 2011 - sie koordiniert die Faire Metropole Ruhr
Gerade bei Gastronomietrieben ist es jedoch schwierig, sie von fairen Produkten zu überzeugen, weiß Vera Dwors vom Verein Exile Kulturkoordination: "Bei fairem Kaffee wird immer noch dieser bittere Nicaragua-Kaffee von vor zehn Jahren zitiert. Die Negativbeispiele bleiben unheimlich lange im Gedächtnis der Leute."
In Dortmund haben sich die Gastronomen nicht abschrecken lassen; bereits 2009 hat die Stadt als erste in NRW den Titel "Fairtrade-Stadt" erhalten. Castrop-Rauxel und Dinslaken folgten noch im selben Jahr. Bis Ende 2012 soll die gesamte Region des Ruhrgebiets den Titel tragen. Passend zur Messe Fair in Dortmund dieses Wochenende (07.-09.09.12) feiert das "Netzwerk Faire Metropole Ruhr" Bergfest: Mittlerweile haben 27 Städte und Gemeinden ihren Antrag auf "Fairtrade-Stadt" gestellt. Dabei fällt eine Zertifizierung nicht immer leicht.
Faire Projekte kosten
Ein Beispiel: Haltern am See. Die Kleinstadt im Kreis Recklinghausen hat ganz andere Sorgen, als sich um eine faire Zertifizierung zu kümmern. "Momentan ringen wir um jeden Euro, da bleibt kein Geld für eine halbe Stelle in der Stadtverwaltung, die faire Projekte koordiniert." sagt Georg Bockey von der Stadt. Die Aufsichtsbehörde genehmigte es nicht, den Prozess, eine faire Stadt zu werden, in Gang zu setzen.
Ähnlich sieht es in Hattingen aus: Im Stadtrat wird fairer Kaffee ausgeschenkt, Pflastersteine werden nur verwendet, wenn keine Kinderarbeit dahinter steckt, aber für eine Koordinationsstelle in der Stadtverwaltung, die die Projekte vor Ort lenkt, gibt es keine Kapazitäten. „Wenn schon 100 Stellen abgebaut werden, bleiben keine Mittel für eine faire Kampagne“, sagt Susanne Wegemann aus dem Pressebüro der Stadt.
"Engagement ist wichtig"

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Daniel Caspari vom Transfair e.V. berät Städte und Kommunen
Sind etwa volle Kassen eine wichtige Voraussetzung, um faire Stadt zu werden? Vera Dwors widerspricht: „Es mag sein, dass es Gemeinden mit wenig Geld gibt, aber man braucht keine halbe Stelle in der Stadtverwaltung, sondern Engagement von vielen verschiedenen Seiten.“ Ziel sei, Bürger zusammen zu bringen und neu für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.
Mittlerweile kennen knapp zwei Drittel aller Deutschen das Fairtrade-Siegel – Tendenz steigend. "Die 'Fairtrade-Städte' werden die Welt nicht verändern, aber es entsteht Bewegung in der Gesellschaft" betont Daniel Caspari von Verein Transfair in Köln. Vera Dwors hält das Ziel, bis Ende 2012 Fairtrade Metropole zu sein, nicht für realistisch. Aber "am 12. Juni 2013 laden wir zum Tag gegen ausbeuterische Kinderarbeit ein – und es wäre ja schön, wenn das noch einmal viele Gemeinden zum Anlass nehmen, um sich zertifizieren zu lassen."
Stand: 08.09.2012, 09.30 Uhr
Kommentare zum Thema (7)
letzter Kommentar: 11.09.2012, 13:22 Uhr
- Das Zentralorgan schrieb am 11.09.2012, 13:22 Uhr:
- Klar doch! Die Bundesbuerger tun immer so, als waeren sie "knapp bei Kasse". Dabei geht`s Denen noch viel zu gut, verschwenden ihre freie Zeit(!) mit Gutmenschentum und Haustieren fremder Herkunft. Die sind in Wirklichkeit nur geizig. S` wird schon noch teurer werden!
- Piraten werden kommen schrieb am 11.09.2012, 12:36 Uhr:
- Knappe Kassen, nicht mit SPD und Grüne, da diese Eurozone mit den Kassen der Kommunen und deren Bürger finanzieren, ist das noch fair. NEIN!
- norbert schrieb am 10.09.2012, 12:56 Uhr:
- Hätten die Ruhr Städte nicht auf Teufel komm raus auf alles gezockt,wären die Kassen nicht leer,man hat vergessen diese Sradtbonzen zur Kasse zu bitten.Beispiele finden sie in NRW genug,aber es wird wie immer alles auf die dämlichen Bürger abgewälzt.
- RechtsDaumenLinks schrieb am 10.09.2012, 03:19 Uhr:
- Pflastersteine? Wusste nicht das in deutschen Betonwerken Kinder arbeiten. Oder sind diese Steine nicht gut genug für den Vorplatz eines Rathauses? Fairer Kaffee im Rathaus? Lasst die Bediensteten für den Kaffee zahlen dann wird sich schon zeigen welcher Kaffee gekocht wird. Im übrigen finde ich es absoluten Nonsens derartige Zertifikate Städten oder ganzen Regionen zu verleihen. Wer soll denn bitteschön über die Einhaltung solcher Richtlinien wachen? Und wer gararntiert denn überhaupt dafür das die Produkte wirklich Fair gehandelt werden? Klar gibt es Inspektoren die vor Ort darauf achten das alles mit rechten Dingen zu geht, aber das sind auch nur Menschen und sicher auch anfällig für kleine Zuwendungen um ein Auge zuzudrücken, vor allem wenn Sie aus ärmeren Ländern stammen und deren Gehälter an den Landesschnitt angepasst sind. Da man mit Fair-Trade als Marke gutes Geld verdienen kann sind sicher auch schon die ersten Fälschungen im Umlauf die sicher gar nicht so fair sind.
- Und morgen.. schrieb am 09.09.2012, 09:44 Uhr:
- Den Ruhrpottstädten geht es doch finanziell gar nicht so schlecht , muss man jetzt annehmen?? Aber leider ist das Ruhrgebiet auf dem Weg zum Ghetto Nr. 1 in Deutschland und es keinerlei Aufwärtstendenz feststellbar. Hauptsache der Bürgermeister kann leckeren Kaffee schlürfen bevor in seinem Dienst-BMW steigt und 200m ins Rathaus fährt.
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