Messe "Fair" in Dortmund Entwicklungshilfe mit dem Einkaufswagen

Von Claudia Kracht

Kaffee, Rosen oder Kleidung kaufen – und den Arbeitern gerechte Löhne garantieren. Das nennt sich "Fair-Trade"- gerechter Handel. Was bedeutet das genau und wo erhält man gerechte Ware? Antworten gibt die Messe "Fair Handeln", die am Freitag (07.09.2012) in Dortmund beginnt.


Faire Mode hilft gegen Armut
Bild 1 vergrößern +

Andrea von der Heydt

Ein kleines Geschäft nahe der Dortmunder Innenstadt. In den weißen Holz-Regalen reihen sich gelbe, blaue und rote Strick-Pullover neben Taschen aus Baumwolle. In jedes Kleidungsstück ist ein kleines Stoff-Emblem eingenäht: das Fair-Trade-Siegel. Inhaberin Andrea von der Heydt verkauft hier Bio-Mode aus fairem Handel. Die junge Unternehmerin wirbt nicht für ihre Ware. Bei ihr kaufen überwiegend Stammkunden. Werbung verschlingt ihrer Ansicht nach Millionen. Sie will, dass das Geld da hingeht, wo es auch hingehört. Zu den Verkäuferinnen, den Herstellern, den Zuschneidern und den Bauern, die in schwerer Arbeit die Baumwolle ernten.

Kontrollierte Mindestpreise


Zwei Besucherinnen schauen sich die Kleidung an
Bild 2 vergrößern +

Ohne Gift und Lohndumping produziert

Die Stoffe sind nicht nur frei von giftigen Chemikalien, sondern sie sind auch fair gehandelt. Das bedeutet: Die Kleinbauern und Baumwoll-Pflücker in den ärmsten Ländern erhalten einen kleinen Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Kleidung. Deshalb müssen Baumwollhändler einem Mindestpreis zustimmen, unabhängig von dem oft stark schwankenden Weltmarkt-Preis. Ob sich die Firmen daran halten, wird von "Trans-Fair" kontrolliert. Die gemeinnützige Organisation achtet darauf, wie die Rohstoffe angebaut werden und unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Menschen arbeiten. Und: ob sie letztendlich von ihrem Lohn auch leben können.

Gesicherte Sozial-Standards


Eine Tüte aus Papier mit dem Logo der Aktion Fairtrade enthält einen Blumenstrauße aus fair gehandelten Rosen
Bild 3 vergrößern +

Lebensmittel, Teppiche, Kleidung und auch Blumen gibt es Fairtrade

Jeder Unternehmer kann faire Produkte herstellen lassen und verkaufen, solange er sich an die Spielregeln hält und lange Lieferverträge sowie eine Vorfinanzierung der Ernte garantiert. Erst dann darf er das Siegel auch auf seine Ware drucken. Die Kleinbauern in Indien, Asien oder Südamerika sollen von dem Geld ihre Existenz sichern und so aus der Armut herausfinden. Denn: "Egal, ob Bananen, Tee, Kaffee oder Möbel: Am Weltmarkt regiert der niedrigste Preis, ohne Rücksicht auf soziale oder ökologische Ausbeutung", erläutert Günter Schulz vom "Zentrum Dritte Welt" in Dortmund. Er sieht den Vorteil des fairen Handels darin, dass die Menschen in der Dritten Welt mit gesicherten Sozial-Standards arbeiten: Arbeitsschutz, gerechte Löhne, Gesundheitsvorsorge und Bildung. "Alles, was bei uns in Deutschland normal ist, ist bei 'Fair Trade' Voraussetzung."

Umsatz stark gestiegen

Viele Menschen verbinden mit "Fair-Trade"-Produkten immer noch Jute-Taschen, Räucherstäbchen und bitter gebrannten Nicaragua-Kaffee aus Dritte-Welt-Läden. "So war das auch mal", betont Günter Schulz: "Anfang der Siebziger gab es einen Kaffee, der hatte das Aroma der Selbstbefreiung. Den konnte man nur mit politischer Überzeugung trinken." Heute bietet der "faire Handel" hochwertige Produkte, deren Qualität jeden Vergleich aushält. Der Umsatz fair gehandelter Waren stieg im vergangenen Jahr nach Angaben des "Forums Fairer Handel" weltweit um 16 Prozent auf fast 500 Millionen Euro. Mehr als eine Million Bauern, Arbeiter und Verkäufer sicherten dadurch ihre Existenz. Allein durch den Umsatz fair gehandelter Produkte in Dortmund konnten etwa 2.000 Familien in den Armuts-Ländern in ihren Dörfern Brunnen und Schulen bauen.

Breite Angebots-Palette


Orangensaft, Schokolade, Kaffee und Honig mit der Kennzeichnung Fairtrade
Bild 4 vergrößern +

Fairtrade: am Siegel zu erkennen

Heute liegt faire Ware im Trend. Die Dortmunder Messe beweist es: Die Palette reicht von Gewürzen über Kaffee, Kakao, Zucker, Früchten bis hin zu Trikots, Sportschuhen und Bällen. Die Produkte selbst sind in der Regel etwas teuer als üblich. Ein Pfund Kaffee kostet etwa bis zu einem Euro, ein Kilo Bananen etwa 50 Cent mehr. Umweltberater Volker Mahlich von der Verbraucherzentrale in Dortmund meint, dass jedes dritte Pfund beim Einkauf aus fairem Handel stammen sollte. Und auch Geschenke mit dem Fair-Trade-Siegel machten sich gut.

Anregungen bietet die Dortmunder Messe reichlich. Daneben lädt sie zu Sonderschauen ein, die weltweite Zusammenhänge des fairen Handels im Textil- und Bekleidungsmarkt zeigt. Etwa, unter welchen Bedingungen Sportartikel-Hersteller ihre Arbeiter in China, Rumänien oder Nicaragua beschäftigen: Zwangs-Überstunden, Mini-Löhne und mangelhafter Arbeitsschutz. Verbraucherschützer erklären, wie Güte-Siegel vergeben werden, wie die Waren-Produktion kontrolliert wird. Außerdem, wo faire Ware verkauft wird, und wie sie sich von anderen Produkten unterscheidet. Denn besonders bei Kleidung gibt es noch viele Fälschungen.

Faire Arbeitsbedingungen auch in Deutschland


Auch Deutschland braucht faire Löhne
Bild 5 vergrößern +

Designerin Lena Dümer (rechts) in ihrem Geschäft

"Bei Textilien allerdings ist es schwierig, alle Herstellungswege zu kontrollieren", weiß Günter Schulz. So habe beispielsweise eine in Deutschland verkaufte Jeans meist viele tausend Kilometer hinter sich: "Ihre Rohstoffe in Afrika angebaut, zur Weiter-Verarbeitung nach Asien verschifft; sie geht nach China zum Färben und weiter nach Rumänien, um die Knöpfe anzunähen, weil da die billigsten Arbeiter sitzen." Lena Dümer ist Designerin in Dortmund. Sie verkauft mit ihrer Mutter die Hofius Bio- Mode, die fair in Deutschland produziert wird. Sie kennt jeden Stricker und Näher und weiß, dass diese Mitarbeiter gut bezahlt werden. Das "Fair Trade" Siegel bekommt sie dafür allerdings nicht, weil es nur für Produzenten in der Dritten Welt vergeben wird, sagt sie. Sie würde sich wünschen, dass auch deutsche Firmen ein Siegel bekommen, die sich hier im Land für gerechtere Löhne und ökologischen Rohstoffanbau einsetzten. Denn bisher wird nur für die Ware ein Siegel vergeben - für die Unternehmen nicht.


Stand: 07.09.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (9)

letzter Kommentar: 07.09.2012, 18:08 Uhr

Ubertino da Casale schrieb am 07.09.2012, 18:08 Uhr:
Fair Trade ist ja gut und schön, aber welche Chancen habe ich denn als Verbraucher beim Einkaufen? In den meisten Fällen ist für mich nicht nachvollziehbar, woher genau die Ware kommt, und ob nicht doch irgendwelche "bösen" Dinge wie Kinderarbeit usw.. dahinter stecken. Inzwischen wird man am Regal von der Masse der selbsterfundenen Labels, die in der Regel nichts aussagen, einfach überfordert.
Anna schrieb am 07.09.2012, 16:56 Uhr:
@Horst: Sind Sie dort gewesen oder woher wissen Sie, was genau dort passiert? Ihr "Argument" ist einfach nur eine gute Ausrede, um weiter die Ausbeuter-Konzerne zu konsumieren. Schade, aber es gibt sicher andere Leute, die nicht so denken
kassemachen schrieb am 07.09.2012, 12:54 Uhr:
immer noch nicht gemerkt die Kasse machen nur die Großhändler ,ein Beispiel die Preise erhöhen sich nicht nein! nur der Inhalt in den Verpackungen wird weniger!Marmelade 450 Gramm 1,79 Euro ,Heute 325 Gramm,189 bis 2,15 Euro.Laut Statistik keine erhöhung nein!!!Es stinkt zum Himmel wie das Volk sich verarschen läßt.Gehen sie mal einkaufen!
@Marius schrieb am 07.09.2012, 10:55 Uhr:
Genau ich Konsumiere nur Ausbeuter... warum lassen sich die Menschen da denn auch Ausbeuten, es ist ja im prinzip genau wie hier alle Meckern es gibt keine Rente alles Geld geht nach Grichenland, es gibt nur noch Leiharbeit aber keiner geht auf die Strasse oder verweigert die Arbeit...
mmcoold schrieb am 07.09.2012, 10:24 Uhr:
Deutschland, das Land der Skeptiker, Weltuntergangsbeschwörer und notorischen Schwarzseher. Viele Dinge, auch wenn sie Anfangs aussichtslos erscheinen, können wachsen. Von heute auf morgen ist das selbstverständlich nicht zu machen. Wird hinter allem und jedem eine Verschwörungstheorie vermutet, kann es natürlich nicht funktioniern. Wenn jedoch niemand den Anfang macht um den Ball ins Rollen zu bringen, hat die beste Idee natürlich keine Chance. Ist ja auch einfacher und bequemer jegliche Veränderung abzulehnen, da man sich ansonsten selber etwas bewegen müsste. Sicherlich ist es nicht Jedermann möglich, die höheren Produktpreise zu bezahlen. Die Mehrheit jedoch hat diese Option. Es geht Deutschland doch offensichtlich noch sehr, sehr gut. Stöhnen auf hohem Niveau ist angesagt.

Alle Kommentare anzeigen