Fachkräftemangel in NRW: Programmierer dringend gesucht
Strengen sich deutsche Firmen zu wenig an, um ausländische Fachkräfte ins Land zu holen? Zu dem Schluss kam jüngst eine Studie der OECD. Drei Beispiele aus NRW zeigen, woran es wirklich mangelt - und wie Unternehmen damit fertig werden.

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Deutsche Firmen sind oft auf ausländische Fachkräfte angewiesen
Viele Unternehmen stöhnten zwar über einen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften, doch im Ausland suchen wollten sie nicht, heißt es in einer am Montag (04.02.2013) veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach bestünden vor allem kleine und mittelgroße Betriebe häufig noch auf Deutschkenntnissen und sehr spezifischen Qualifikationen, die im Ausland schwer zu finden seien.
Ob sich das in der Praxis bewahrheitet und wie sich Firmen auf den immer härter werdenden Fachkräftemangel einstellen, zeigen drei Beispiele aus NRW.
Programmierer händeringend gesucht
"Wir könnten aus dem Stand drei bis vier erfahrene Software-Entwickler einstellen", sagt Christian Mahnke, Gründer und CEO von "billiger-mietwagen.de", einem Internetportal auf dem man die Preise von Leihwagen vergleichen kann. Das Kölner Unternehmen ist längst kein Start-up mehr, sondern beschäftigt zehn Jahre nach seiner Gründung bereits knapp 100 Mitarbeiter - darunter sind viele hochqualifizierte Jobs aus dem IT-Bereich, wie etwa Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung oder Fachinformatiker.

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Auf der Suche nach Software-Entwicklern: Christian Mahnke
Viele dieser Berufe zählen in Deutschland zu den klassischen "Engpass-Berufen", das bedeutet, es gibt insgesamt mehr Stellen im Angebot als passende Bewerber. Vor allem kleinere Firmen haben dann oft das Nachsehen: "Für die großen Unternehmen ist es durch die Bekanntheit sicherlich einfacher, Bewerber auf sich aufmerksam zu machen", sagt Mahnke. Seine Firma hat sich längst darauf eingestellt, dass der Bedarf auf dem heimischen Stellenmarkt allein nicht gedeckt werden kann und rekrutiert gezielt auch Hochqualifizierte aus anderen Ländern. "Wir sind seit vielen Jahren verschiedene Kulturen gewöhnt, bei uns arbeiten Franzosen, Kroaten, Italiener, Bulgaren, Belgier, Polen, Kameruner, Türken und Ukrainer", sagt der Chef nicht ohne Stolz. Rund ein Drittel seiner Mitarbeiter kommen aus dem Ausland.
Keine bürokratischen Hürden für EU-Bürger
Dass Firmen relativ leicht Bewerber aus anderen Ländern nach Deutschland holen können, liegt auch an der Freizügigkeit innerhalb der EU. "Bei 25 der 27 EU-Staaten gibt es dank dem Freizügigkeitsgesetz der EU keine bürokratischen Hürden mehr. EU-Bürger können in ein anderes EU-Land auswandern und dort arbeiten", sagt Arbeitsmarktexperte Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Lediglich für Rumänien und Bulgarien gilt diese Regelung erst ab 2014.
Bei besonders hart umkämpften Berufen wie Softwareentwicklern reicht das allerdings trotzdem nicht - der Bedarf bei den Unternehmen ist immer noch viel größer als das Angebot. "Unsere wichtigsten Projekte schaffen wir trotzdem", sagt Mahnke. "Aber wir mussten auch einige unwichtigere Projekte und Ideen hinten anstellen, die uns sicherlich einiges mehr an Umsatz und besseren Kundenservice bringen würden", erklärt er.
Krasse Engpässe gibt es aber nicht nur bei IT-Fachkräften. "Mehr offene Stellen als qualifizierte Bewerber haben wir auch bei Naturwissenschaftlern, Medizinern, Pflegekräften und einer großen Zahl von Ingenieurberufen", sagt Experte Koppel. Mit diesem Mangel kämpfen große wie kleine Firmen in NRW - darunter auch "Aerodesignworks" aus Köln. Zwei Luft- und Raumfahrttechniker haben das Unternehmen, das fortschrittliche Strömungsmaschinen entwickelt, vor einem Jahr gegründet. Mit der Entwicklung der jungen Firma sind die beiden Gründer Georg Kröger und Ulrich Siller mehr als zufrieden - das Auftragsbuch ist voll. Jetzt möchten sie zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
"Von uns gibt es leider nicht so viele"

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Ingenieure gesucht: Firmengründer Siller und Kröger
"Es gibt leider einfach nicht so viele Ingenieure in unserer Fachrichtung", sagt Firmengründer Kröger. "Wir hatten zunächst einen Praktikanten gesucht und die Stelle auch auf einer weltweiten Online-Börse ausgeschrieben. Wir hatten ausdrücklich Bewerber aus der Europäischen Union gesucht, aber leider hauptsächlich Antworten aus Asien bekommen, die auch nicht auf die Anforderung passten." Aus Deutschland hatte sich gar niemand beworben - die Konkurrenz um die wenigen Ingenieure ist jetzt, wo die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich noch sehr gut da steht, groß wie nie. "Natürlich konkurrieren wir bei der Qualifikation, die wir suchen, auch noch mit großen, etablierten Unternehmen wie Siemens oder MTU, und manche Kandidaten wollen einfach nur zu den großen Adressen", sagt Kröger.
So schwarz wie manche Experten sieht der Ingenieur für seine Branche allerdings nicht: "In Italien beispielsweise ist die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung vielfach auch sehr gut - und dort sehen wir momentan definitiv keinen Mangel an Ingenieuren."
"Talente heben, die wir vorher liegen ließen"
Die Erfahrung, die kleine Unternehmen wie Aerodesignworks mit der Suche nach Mitarbeitern machen, betrifft Dax-Konzerne wie die Telekom in Bonn im großen Stil. Europas größtes Telekommunikationsunternehmen mit seinem riesigen Bedarf an IT-Berufen und Ingenieuren hat sich längst mit einer langfristigen Personalstrategie auf den immer härter werdenden Fachkräftemangel eingestellt. "Potenziale dort ausschöpfen, wo wir sie bisher nicht genutzt haben", heißt hier die Devise. "Wir suchen gezielt Bewerber, die nicht immer überall die besten sind, die vielleicht wegen schlechter Noten oder einer abgebrochenen Ausbildung durchs Raster gefallen sind", sagt Telekom-Sprecher Christian Fischer.

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Telekom: "Nicht immer nur die Besten suchen"
Das Programm heißt "Erstqualifizierungsjahr" (EQJ) und ist vergleichbar mit einem Praktikum - die rund 100 Teilnehmer pro Jahrgang kommen häufig aus der Arbeitslosigkeit und haben eigentlich gar nicht die Qualifizierung für eine duale Ausbildung. Die Bilanz nach inzwischen vier Jahren Laufzeit ist überraschend gut: "Wir konnten einen Großteil unserer EQJler in eine Ausbildung übernehmen", sagt Fischer - darunter sind auch dringend gesuchte Qualifikationen wie etwa Fachinformatiker.
Ein Erstqualifizierungsjahr oder vergleichbare Programme haben inzwischen auch viele andere Großkonzerne in NRW, wie etwa der Energieversorger RWE oder der Chemiekonzern Bayer. Denn alle wissen: Die Bevölkerungsentwicklung läuft zwangsläufig darauf hinaus, dass es irgendwann nicht mehr nur Engpässe in manchen Berufen geben wird, sondern einen flächendeckenden Mangel an Arbeitskräften. "In zehn Jahren werden uns in Deutschland fünf Millionen Menschen im Arbeitsmarkt fehlen", sagt Experte Koppel vom IW in Köln. "Bei solchen Lücken geht es nicht mehr nur um fehlende Informatiker oder Ingenieure. Es wird darum gehen, ob Firmen überhaupt noch in Deutschland produzieren können."
Stand: 08.02.2013, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (59)
letzter Kommentar: 13.02.2013, 19:18 Uhr
- wo sind die Journalisten mit Rückrat? schrieb am 13.02.2013, 19:18 Uhr:
- Erhebt eure Stimme das es nicht so wird wie in Moskau,wir sind auf den besten Weg dahin,Dank Merkel und Co.
- Zypern braucht Kupfer? Zypern will unser Geld! schrieb am 11.02.2013, 07:07 Uhr:
- Es werden doch bald nicht mehr naturwissenschaftliche Arbeitnehmer in BRD gesucht, wenn die gesellschaftswissenschaftlichen Akademikerheere in Partei, Parlament und ÖD nach Hamstern im Laufrad fanden, die unermüdlich die Werte schaffen, welche man an die schwärzesten, aber hilfebedürftig im Bettlergewand den Hut aufhaltenden Finanzoasen der Welt "spendet". Für diese großzügige Tat stellt sich das sozialunwissenschaftliche Heer in BRD-Bürokratie dann die Spendenquittung in Form von saftigen Alimentationserhöhungen aus! Wie nicht nur Mathematikprofs annehmen, kann jedes Kind Rechnen erlernen und es bedarf schon viel PISA-Pädagogik, dieses zu verhindern. Warum diese Pädagogen aber Spitzengehälter für ihr Halbtagsunwesen erhalten, während BRD-Naturwissenschaftler gegen Lohndumping durch ausländische Kräfte ausgespielt werden, die dort besser Mathe lernen durften, da gefördert, ist unlogisch. Kupfergeld wird in Kanada eingeschmolzen, aber wir lenken unser Geld nach Zypern der Kupferinsel?
- Olaf Barheine schrieb am 10.02.2013, 08:43 Uhr:
- Da werden Projekte von vielen kleinen, mittelständischen Unternehmen eher aufgeschoben und auf Umsatz verzichtet, anstatt sie mit Hilfe von Unterauftragnehmer zu bewältigen. Das verstehe, wer will. Frischgebackene Ingenieure streben nun einmal eher in die großen Konzerne anstatt in ein KMU. Das war immer so, und das wird auch immer so sein. Laut einer Studie des Bitkom aus dem vergangenen Jahr lassen sich die deutschen Mittelständler allein im ITK-Sektor so über 11 Mrd. Euro Umsatz entgehen!
- der Eulenspiegel schrieb am 09.02.2013, 21:38 Uhr:
- Die deutsche wirtschaft ist doch ein einziger Jammerhaufen. Jammern hier und jammern da. Anstatt Probleme, wenn sie denn da sind, anzupacken wird nur gejammert. Die arbeitslosen Fachkräfte hätten gute Grund zum jammern wenn nach sie dem schreiben von hunderten von Bewerbungen immer noch keine Arbeit haben. In der Regel bekommen sie noch nicht ein Mal die Bewerbungsunterlagen zurück. Ein asoziales Verhalten das bei den Unternehmen mittlerweile üblich ist. Das man dafür was tun muss um zu einer guten Belegschaft zu kommen da kommen die Unternehmen im Leben nicht drauf. Ich weiß noch wie die Wirtschaft Sturm gelaufen ist als die damalige Regierung eine Ausbildungsabgabe einführen wollte. Diese Abgabe sollten alle Unternehmen zahlen und dieses Geld sollten dann an alle ausbildenden Betriebe verteilt werden. So sollten die Kosten der Ausbildung gerechter verteilt werden. Gescheitert am Veto der Wirtschaft. Es gibt in unserem Land mehr als genug motivierte junge Mensche die nur auf eine ...
- AKS-Gucker schrieb am 09.02.2013, 13:47 Uhr:
- Wie lang ist es her, als Ingenieure einen sehr guten Ruf bzw. Bruttoeinkommen hatten. Anstatt die arbeitslosen Ingenieure einzustellen, die sicherlich normale Gehaltsvorstellungen haben, sollen von außen neue Leute hinzukommen, die in einigen Fällen auch nur 35.000€ brutto erhalten sollen. Gleichzeitig dürfen junge Akademiker voll zu kleinem Geld (eher Aufwandsentschädigungen) arbeiten. Wie weit soll die Ausbeutung noch gehen? Es sind jetzt alle Berufsbereiche betroffen: von der Minijobberin bis hin zum hochspezialisierten Experten. Leider stößt der VDI in das gleiche Horn, dass zu wenig Ingenieure da seien. Die Arbeitslosen werden aber verschwiegen. Manchmal denke ich, dass mein Mitgliedsbeitrag beim VDI woanders investiert werden sollte. Ingenieure haben eine große Verantwortung in dem was sie tun (Brückenbau, Autos prüfen, Kaffeemaschinen- und IT-Entwicklung). Bei Fehlern stehen die Arbeitgeber beim Gerichtstermin nicht mehr hinter einem. Risiko proportional zu Entlohnung!
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