Eon und RWE vor dem Umbruch Energieriesen suchen neue Strategie

Von Christoph Stehr

Am Montag (08.08.11) tagen die Aufsichtsräte von Eon und RWE. Am Mittwoch (10.08.11) legt Eon seinen Halbjahresbericht vor, einen Tag später folgt RWE. Große Neuigkeiten zeichnen sich ab: neuer Chef, neuer Investor, neue Strategie, neues Sparprogramm.


Jürgen Großmann und Peter Terium
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Jürgen Großmann und Peter Terium

Während andere Unternehmen im Sommerloch abgetaucht sind, bereiten Eon in Düsseldorf und RWE in Essen Entscheidungen vor, die den deutschen, vielleicht sogar den europäischen Energiemarkt verändern werden. Der Aufsichtsrat von RWE wird am Montag (08.08.11) einen neuen stellvertretenden Vorstandschef küren, der Jürgen Großmann im Herbst 2012 an der Spitze des Vorstands ablösen könnte. Aussichtsreichste Kandidaten sind Peter Terium, der die niederländische RWE-Tochter Essent leitet und von Aufsichtsratschef Manfred Schneider favorisiert wird, sowie Rolf Martin Schmitz, der bereits Vorstandsmitglied für das operative Geschäft ist und die kommunalen Aktionäre hinter sich weiß.

Ebenfalls am Montag trifft sich der Aufsichtsrat von Eon. Dabei geht es in erster Linie um eine neue Strategie für die Zeit nach der Atomkraft. In der vergangenen Woche waren Pläne von Vorstandschef Johannes Teyssen durchgesickert, die einen tiefgreifenden Konzernumbau vorsehen. Auf dem Prüfstand stehen die Zentralen der Tochtergesellschaften Eon Ruhrgas in Essen, Eon Energie in München und Eon Kraftwerke in Hannover: Um Kosten zu sparen, sollen Abteilungen zusammengestrichen oder an den Konzernsitz nach Düsseldorf verlagert werden. Dort arbeiten bereits 1.800 der weltweit 85.000 Eon-Beschäftigten. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag (06.08.11) könnten insgesamt bis zu 10.000 Stellen wegfallen, davon ein Drittel in Deutschland.

Gewinne brechen ein

Die Gipfeltreffen in beiden Unternehmen werden von zahlreichen Meetings auf unterschiedlichen Ebenen begleitet. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften stecken ihren Kurs ab, genauso die Anteilseigner. Expertenteams bereiten Strategiepapiere für das Topmanagement vor. Der Sitzungsmarathon zieht sich durch die ganze Woche. Am Mittwoch (10.08.11) veranstaltet Eon Telefonkonferenzen für Journalisten und Investoren - eigentlich ein Routinetermin, auf dem die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2011 präsentiert werden. Doch mit Routine werden sich die Teilnehmer nicht zufriedengeben. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) entgehen Eon durch den Atomausstieg Einnahmen von insgesamt neun Milliarden Euro. Auch die hohen Investitionen in erneuerbare Energie verhageln die Bilanz. Zudem fährt die Tochtergesellschaft Eon Ruhrgas 2011 wahrscheinlich einen Milliardenverlust ein, weil sie bei der russischen Gazprom aufgrund langfristiger Verträge teuer Gas einkaufen muss, während der Weltmarktpreis gesunken ist.

Am Donnerstag (11.08.11) dann lädt RWE zur Telefonkonferenz ein. Grund zur Freude gibt es auch dort nicht. Vincent Gilles, Analyst bei Credit Suisse, erwartet einen Gewinnrückgang um 36 Prozent. Die LBBW-Studie beziffert den Einnahmenverlust durch den Atomausstieg auf knapp sechs Milliarden Euro. Das besondere Problem der Essener ist ein Schuldenberg in Höhe von 27,5 Milliarden Euro. Um ihn abzutragen, will RWE Unternehmensteile verkaufen und eventuell eine Kapitalerhöhung beschließen, also neue Aktien herausgeben. Investoren sehen das gar nicht gern, weil sie dann auch neue Aktien kaufen müssten, damit ihr Anteil am Unternehmen nicht schrumpft. Das heißt, sie würden zusätzliches Geld auf den Tisch legen, ohne dass ihre RWE-Beteiligung wertvoller würde. Und das vor dem Hintergrund ohnehin stark sinkender Aktienkurse: Seit Jahresbeginn ist der Börsenwert der deutschen Energieversorger um rund ein Drittel abgestürzt.

Ruf nach dem Retter

Nach den glänzenden Geschäftsergebnissen des Jahres 2010 hat es Eon und RWE kalt erwischt. Dass sie in der Krise nach einem Retter rufen, liegt nahe. Gazprom zeigt schon lange Interesse an den deutschen Energieriesen. Uwe Leprich, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken, hält einen Einstieg "für sehr wahrscheinlich, da das bisherige Geschäftsmodell 'Kernenergie plus Kohlekraftwerke' zumindest in Deutschland wegbricht und die Unternehmen daher gezwungen sind, sich völlig neu zu orientieren". Gaskraftwerke böten sich als Alternative an und dafür käme als Partner Gazprom mit ihren reichen Lagerstätten wie gerufen. Leprich sieht einen weiteren Vorteil in einer solchen Allianz: "Auch für erfolgreiche Engagements im Ausland sind ausländische Partner hilfreich." Das passt zu den Plänen sowohl von Eon als auch von RWE, ihr Geschäft in Europa auszuweiten.

Andere große Stromversorger wie die französische EDF kommen nach Meinung des Wissenschaftlers nicht infrage, weil ein Zusammenschluss in den Grenzen der EU an den Brüsseler Wettbewerbshütern scheitern dürfte. Dagegen seien Finanzinvestoren oder Staatskonzerne aus fernen Öl- und Gasförderländern durchaus im Auge zu behalten. Starke Partner könnten Eon und RWE mitziehen, aber auch mitprägen. "Die Marktstellung der Energiekonzerne in Deutschland wird sich so oder so abschwächen", sagt Leprich. Das nährt die Angst vieler Stromkunden, dass ihre Abhängigkeit von Unternehmen wie Gazprom weiter zunimmt - und Strom teurer wird. Leprich gibt Entwarnung: "Die Verbraucherpreise werden bestimmt durch die Börsen, die regulierten Netzentgelte und die staatlichen Belastungen. Die Eigentumsverhältnisse der Energiekonzerne ändern daran nichts."

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Peter Terium, ein Holländer für RWE?

Peter Terium, der Wunschkandidat von Aufsichtsratschef Manfred Schneider für den Posten des RWE-Vorstandsvorsitzenden, ist seit Oktober 2009 Chef der niederländischen RWE-Tochter Essent in s'Hertogenbosch. Zuvor verantwortete er die Integration dieses niederländischen Energieversorgers in den RWE-Konzern. Der 48-jährige Wirtschaftsprüfer hat bis 1985 als Steuerexperte im niederländischen Finanzministerium gearbeitet, bevor er zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Eindhoven ging. Ab 1990 war er im Controlling des Verpackungsherstellers Schmalbach-Lubeca tätig, zuletzt als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens einer Geschäftssparte. 2003 holte ihn RWE als Chefcontroller nach Essen. Zu Vorstandsehren kam er erstmals 2004 bei RWE Umwelt, später bei weiteren Tochtergesellschaften.


Stand: 08.08.2011, 06.00 Uhr



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