Mit Bier gegen Vorurteile Frauen brauen

2013 ist ein besonderes Jahr für die Strate-Brauerei in Detmold: Das Familienunternehmen feiert sein 150-jähriges Bestehen. Geführt wird es ausschließlich von Frauen - in der Bierbranche eher ungewöhnlich. Ein Besuch vor Ort.


Das Geräusch kennt man, aber nicht als Klingelton: "Plopp. plopp" ertönt es, wenn bei Friederike Strate jemand auf dem Handy anruft. Es erinnert sie daran, dass ihre Mutter Renate Ende der 1970er auf die Idee kam, für die Hausmarken der Strate-Brauerei den eigentlich bereits eingemotteten Bügelverschluss zurück auf den Markt zu bringen.

Einige Kunden kündigten

Das Detmolder Familienunternehmen ist etwas Besonderes: Drei Frauen haben hier das Sagen. Renate Strates Mann starb 1995, die Töchter Friederike und Simone waren 31 und 26 Jahre alt. "Die Leute unkten, die drei Weiber werden sich doch nur streiten", erinnert sich die heute 77-Jährige. Einige Kunden kündigten, ebenso der Betriebselektriker: "Mit drei Frauen? Das geht nicht gut."

Dabei waren drei Damen bestens gerüstet: Friederike war mit 19 Jahren Deutschlands jüngste Braumeisterin. Schwester Simone erledigte nach Banklehre und BWL-Studium das Kaufmännische. Renate Strate brachte die Erfahrung mit. 1997 kam das Landbier ins Sortiment. Seitdem ging es steil bergauf. 1979 hatte die Brauerei einen Ausstoß von 8.000 Hektolitern, heute sind es fast 140.000 Hektoliter.

Immer mehr Kneipen-Brauereien

Damit entwickelt sich die Detmolder Brauerei gegen den Trend, demzufolge vor allem die mittelständischen Brauereien aussterben. In Deutschland gibt es zwar von Jahr zu Jahr mehr Brauereien. 2011 waren es 1341. Aber: "Wenn die Zahl unterm Strich steigt, liegt das ausschließlich an den neuen Kleinbraustätten in Gaststätten", sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Peter Hahn. "Die 921 kleinsten Braustätten (bis 5000 Hektoliter) produzieren lediglich 0,8 Prozent des 2011 in Deutschland hergestellten Bieres. Die großen zehn produzieren knapp 70 Prozent."

Einziges Sudhaus Deutschlands mit Marmor


Die Strates wollen sich bewusst von den Großbrauereien absetzen. Als der Betrieb erweitert werden musste, wurde die alte Einfahrt zu den tiefen Kellern unter dem denkmalgeschützten Haupthaus zu Lagerräumen für die riesigen Tanks umgebaut. "Ich wollte keine Silos vor dem Haus, wir wollen keine Bierfabrik sein", sagt Renate Strate. Im Erdgeschoss ist das Sudhaus, "das einzige Sudhaus Deutschlands, das mit Marmor ausgekleidet ist", sagt Friederike. Hier stehen der Maischbottich, der Läuterbottich und die Braupfanne, alle aus dem obligatorischen Kupfer mit dem schlanken, hohen Rohr. Hier beginnt der Weg von Wasser, Hopfen und Malz zum Bier.

Seele, Säule, Trendscout

Eher nüchtern ist das Ambiente unter Tage: Im Fahrstuhl geht es elf Meter tief unter die Erde, etwa zu den großen Gär- und Lagertanks, in denen das junge Bier nachgärt und abkühlt. Nach fünf bis sechs Wochen wird es filtriert und abgefüllt. Die Strates haben sich bewusst dafür entschieden, eine Regionalbrauerei zu sein. Die Rollenverteilung unter den drei Frauen ist längst klar: Friederike ist die Seele, das Aushängeschild; Simone macht das, was die anderen nicht wollen oder können, sie beherrscht die Zahlen; und Mutter Renate ist die Säule, der Trendscout. 2013 wird die Brauerei ihr 150-jähriges Bestehen feiern, die sechste Generation, die Töchter von Friederike und Simone, sind schon dabei.


Stand: 01.01.2013, 12.19 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 05.01.2013, 00.55 Uhr

wahlverweigerer schrieb am 05.01.2013, 00.55 Uhr:
Und wieder kommt die Frau, das alles könnende Superwesen als unterdrückte Minderheit daher, die ganz groß in Szene gesetzt werden muss, denn uns dem dummen Volk muss ganz dringend etwas gesagt werden.
5.Jahreszeit schrieb am 02.01.2013, 12.55 Uhr:
Einfach bemerkenswert, wenn männliche Wissenschaft das weibliche Hirn entdeckt und das alle Jahre wieder. Auch umgekehrt wird ein Schuh daraus, jedenfalls wenn weibliches Hirn vom Alkohol.....
OWL schrieb am 01.01.2013, 22.55 Uhr:
Ich lach mir einen weg. Der Hund steht doch vor den technischen Geräten, die Abfüllung geschieht nicht in den Räumlichkeiten in denen die 3 Damen fotografiert werden. Das Detmolder Bier schmeckt sehr lecker-besonders in der seltenen Freibiervariante und der Brauerei seinen die Daumen gedrückt, noch lange in Eigenständigkeit zu schaffen. Schnell gerät man in den Mainstream der Industriebiere und dann schmeckt das lecker Zeugs alles gleich. Wenn jemand das Bier wegen des abgebildeten Hundes nicht mehr trinken mag, der lässt es eben bleiben. Oder wenn man ganz pingelig ist, meldet man den Hund dem Gewerbeaufsichtsamt, die freuen sich über aufmerksame Schlaubürger.
WDR.de schrieb am 01.01.2013, 22.03 Uhr:
Kommentar gesperrt. Bitte diskutieren Sie sachlich.
KDM schrieb am 01.01.2013, 20.47 Uhr:
Ich habe nichts gegen kleine Brauereien - im Gegenteil. Natürlich habe ich auch nichts gegen Frauen als Unternehmerinnen; dementsprechende Vorurteile sind antiquiert und disqualifizieren sich selbst. Allerdings habe ich erhebliche Einwendungen gegenüber Tieren in lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Wer sich mit Hund vor dem Braukessel ablichten lässt, hat offenbar von den Grundzüge der Hygiene in solchen Betrieben keine Ahnung. Für mich kommt das Bier jetzt jedenfalls nicht mehr in Frage!

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