Veraltetes AKW Borssele soll länger laufen Protest gegen niederländischen Atommeiler

Von Martin Teigeler

In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossen. Aber im niederländischen Borssele, nur 200 Kilometer von Düsseldorf entfernt, soll die Laufzeit eines veralteten Meilers verlängert werden. Wird der Atomausstieg unterwandert?


In dem kleinen Ort Borssele in den Niederlanden soll die Laufzeit des Atomkraftwerks bis 2033 verlängert werden. Im Rahmen der EU-weiten Beteiligungsrechte können auch NRW-Bürger schriftlich gegen die vom niederländischen Staat geplante Laufzeitverlängerung Einspruch einlegen. "Die Frist läuft am 5. Dezember ab", sagte ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Anti-Atom-Initiativen und Grüne mobilisieren im Internet gegen Borssele. Ob sich die Niederlande vom Widerstand aus Deutschland von ihren Plänen abbringen lassen, erscheint zweifelhaft. Das zuständige Ministerium in Den Haag nannte auf Anfrage zunächst nicht die Zahl der bisher eingegangenen Protestbriefe aus NRW.

Ganz persönlich argumentiert Grünen-Landeschefin Monika Düker in ihrer Protestnote an die niederländische Regierung: "Ich selbst mache jedes Jahr Urlaub in Domburg, also etwa 20 Kilometer vom AKW Borssele entfernt. Sollten die Verlängerungspläne tatsächlich realisiert werden, würde ich mir einen anderen Urlaubsort suchen müssen." Aber auch an ihrem Wohnort in Düsseldorf sei sie nicht sicher vor radioaktiven Stoffen aus den Niederlanden.

Aus Kreisen der NRW-Landesregierung verlautete, man sei irritiert über das Vorgehen der niederländischen Regierung. Den Haag habe Düsseldorf beim Thema Laufzeitverlängerung bislang überhaupt nicht konsultiert, hieß es. Offiziell gab es dazu bis Ende November keine Stellungnahme.

RWE noch nicht ganz weg von Atomkraft


Karte mit NRW, Belgien und Niederlande mit Standort Borssele
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Von Borssele nach NRW sind es gut 200 Kilometer Luftlinie

Eine 30-prozentige Beteiligung an Borssele hält nach wie vor der Essener Energiekonzern RWE. Dabei hatte sich das RWE nach dem deutschen Atomausstiegs-Beschluss vom Geschäft mit der Atomkraft abgewendet. Überlegungen zum Bau eines zweiten Blocks an dem Standort in Borssele hat der RWE-Konzern gemeinsam mit den niederländischen Partnern mit Verweis auf unsichere politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf Eis gelegt. Mehrheitlich kontrolliert wird Borssele vom dortigen kommunalen Energieversorger Delta.

RWE teilte auf WDR.de-Anfrage mit, man habe "erklärt, keine neuen Kernkraftwerke mehr zu bauen - die bestehenden Kraftwerke werden wir aber dort, wo es politisch und gesellschaftlich gewollt ist, mit den bekannt hohen Sicherheitsstandards weiterbetreiben". Die Entscheidung für eine Laufzeitverlängerung sei zudem "bereits vor fünf Jahren" getroffen worden.


Erst im Oktober 2012 hatte der EU-Stresstest für Atomkraftwerke Schwachstellen des seit 1973 laufenden AKW Borssele aufgedeckt. Es gebe Verbesserungsbedarf beim Hochwasserschutz. Laut Landesregierung könnte ein Störfall in Borssele schnell NRW treffen. "Ein Worst-Case-Fall mit Kernschmelze ähnlich wie in Fukushima hätte schwerwiegende Auswirkungen auch auf Nordrhein-Westfalen", hieß es in einer Mitteilung des Umweltministeriums aus dem Januar 2012. Eine radioaktiv verseuchte Wolke "könnte auf Grund der Nähe bereits nach etwa sechs Stunden den Niederrhein oder auch das Ruhrgebiet erreichen".


Stand: 03.12.2012, 10.14 Uhr


Kommentare zum Thema (54)

letzter Kommentar: 04.12.2012, 17:37 Uhr

@Jessica schrieb am 04.12.2012, 17:37 Uhr:
In den Niederlande gibt es offensichtlich massiven Widerstand gegen ein neues AKW sonst hätte man diese Neubaupläne nicht verworfen. Und wer gegen ein neues AKW ist der ist garantiert nicht für die Laufzeitverlängerung eines alten unsicheren AKW. In Frankreich sind mehr als zweidrittel der Bürger für einen Atomausstieg. Das heißt in Frankreich wird es jedenfalls keine neuen AKWs mehr geben. Das heißt: Die Niederlande werden wohl noch vor uns aus der Atomenergie aussteigen. Und in Frankreich wird, wenn die ersten AKWs ihre Laufzeit hinter sich haben, ganz schnell der Ausstieg beginnen.
der Eulenspiegel schrieb am 04.12.2012, 17:13 Uhr:
Anonym Ihr Kommentar steht doch in keinem Widerspruch zu meinen Äußerungen. Natürlich wäre es besser gewesen wenn ROT/GRÜN gleich die Förderung von Speicheranlagen geplant hätten. Bedenken sie aber: 1. Wir haben keine Planwirtschaft. 2. Eine Energiewende ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Die kann man nicht von vorne bis hinten durchplanen. Man muss immer wieder überprüfen und steuernd eingreifen. Dies ist aber, zumindest in Sachen Speichermöglichkeiten, von der Merkel-Regierung nicht geschehen. Weiter ist es einfach eine Tatsache, was immer die Grünen bis Ende 20005 für Fehler in der Energiewende gemacht haben sollten für die Fehler nach dem Ende 20005 sind die Grünen nicht verantwortlich.
Grenzgänger schrieb am 04.12.2012, 15:41 Uhr:
Noch bis einschl. Mittwoch, 5.12., können Einsprüche gegen die Laufzeitverlängerung des AKW Borssele eingereicht werden. Das geht auch morgen noch per Mail und auch sogar telefonisch. Leider können hier keine passenden Links angegeben werden. Aber Infos dazu findet man auf der Homepage des BBU - Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (Startseite, Button Einwendungen ...). Einfach bei Google eingeben. Der BBU kümmert sich als Dachverband zahlreicher örtlicher Bürgerinitiativen übrigens um viele Probleme: Fracking, CO2-Endlagerung, Fluglärm, Artenschutz ...
Horst schrieb am 04.12.2012, 15:41 Uhr:
Aber hauptsache wir schalten unsere ab
Jessica schrieb am 04.12.2012, 15:19 Uhr:
In keinem unserer Nachbarländer spielen die Menschen in Sachen Kernenergie so verrückt wie in Deutschland. Selbst in einem Land wie Frankreich, wo das Protestieren sonst eine beliebtes Ritual ist, bleibt man in Sachen Atomenergie gelassen und das bei über 70 % Stromerzeugung aus Atommeilern. Wir Deutschen wollen immer die Musterknaben sein und die Welt vor ihrem Untergang bewahren. Was für eine German - Arroganz, die uns im Ausland immer wieder unbeliebt macht.

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