Zughersteller schließt Werk Bombardier gibt Fabrik in Aachen auf

Der Zughersteller Bombardier schließt sein traditionsreiches Werk in Aachen. 600 Arbeitsplätze fallen an dem Standort weg. Grund für die Schließung ist laut Bombardier eine zu geringe Auslastung der Fabrik.

Mitarbeiter des Waggonherstellers Bombardier Transportation arbeiten in Aachen auf dem Werksgelaende an der Fertigstellung von Triebzuegen Video Zughersteller schließt Werk in Aachen (01:09 Min.) Sendung vom 19.10.2012

Zughersteller schließt Werk in Aachen

Der Waggonbauer Bombardier will sein Aachener Werk schließen. "Wir bedauern dies zutiefst, gerade weil es sich um ein traditionsreiches Werk handelt", sagte Bombardier-Sprecher Immo von Fallois am Donnerstag (18.10.2012) zu WDR.de. 400 festangestellte Beschäftigte und 200 Leiharbeiter seien betroffen. Bis voraussichtlich Mitte 2013 würden zunächst noch laufende Aufträge abgewickelt.

Fabrik in Aachen seit 1838


Die Mitarbeiter wurden am Donnerstagvormittag über die Hintergründe der Entscheidung auf einer Betriebsversammlung informiert. Seit 1838 gibt es die Fabrik in Aachen. Das Werk ist auf die Endmontage und Prüfung von Schienenfahrzeugen spezialisiert. Unter anderem wurden in Aachen S-Bahnwaggons für Köln und Krefeld sowie Elektrotriebzüge hergestellt.

Das Aachener Werk hänge von dem derzeit stagnierenden niederländischen Markt ab. "Aachen hat gute Arbeit gemacht, aber zu wenig Aufträge", sagte von Fallois. Der Konzern habe versucht, die geringe Arbeitsauslastung durch Übertragung von Aufträgen aus anderen Werken zu kompensieren. "Aber wir müssen feststellen, dass diese Maßnahmen nicht zu Verbesserung der Gesamtsituation beigetragen haben", sagte der Sprecher.

Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat hatten zu einer Mahnwache vor dem Werksgelände an der Jülicher Straße aufgerufen. Firmensprecher von Fallois betonte, man wolle möglichst vielen Beschäftigten eine Stelle in einem anderen Werk anbieten. "Dazu laufen aber gerade erst die Gespräche an." Bombardier hat in NRW auch noch eine Produktionsstätte in Siegen.

Jobabbau schon vor zwei Jahren


Mitarbeiter des Waggonherstellers Bombardier Transportation arbeiten in Aachen auf dem Werksgelaende an der Fertigstellung von Triebzuegen
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Die Auslastung des Aachener Werks stimmte angeblich nicht

Bereits 2010 hatte Bombardier in seinem Aachener Werk 150 Arbeitsplätze gestrichen und eine Neuausrichtung des Standorts angekündigt. Mit einer Investition in Millionenhöhe sollte das Werk zukunftsfähig gemacht, hieß es damals. Mit neuer Technik sollten in Aachen in Zukunft Elektrotriebzüge gebaut werden. Großaufträge für die S-Bahn Stuttgart und die Stadtbahnen im Rhein-Main-Gebiet reichten aber offenbar nicht aus, um das Werk dauerhaft zu erhalten. Die Belegschaft hatte damals zum Erhalt der Jobs auf Sonderzahlungen verzichtet und täglich eine halbe Stunde mehr gearbeitet.

Der kanadische Flugzeug- und Zughersteller litt zuletzt unter einer Durststrecke in seinem Bahngeschäft. Weil mehrere Großaufträge abgearbeitet sind und neue Projekte erst langsam anlaufen, brach der Umsatz der Sparte im zweiten Quartal 2012 um 28 Prozent ein. Dagegen lief es im Geschäft mit Flugzeugen wieder deutlich besser.


Stand: 18.10.2012, 14.24 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 19.10.2012, 16:35 Uhr

Subventionierte Bereiche schrieb am 19.10.2012, 16:35 Uhr:
Werner A. schrieb heute, 10:17 Uhr: Nur gut, dass das bei den Beamten nicht gilt?
Werner A. schrieb am 19.10.2012, 10:17 Uhr:
Und schon wieder schreien manchen Leute völlig unreflektiert nach Konsequenzen um Arbeitsplätze zu erhalten. Leute , Arbeitsplätze sind durch Subventionen jedweder Art nur temorär zu halten. Das macht keien Sinn weil die Kosten dafür letztlich nicht vertretbar sind. Es ist vom Grundsatz her schlicht und einfach falsch alles irgendwelchen Arbeitsplätzen unterzuordnen. Das gilt für diese 600 Arbeitsplätze bei genauso wie für alle anderen auch. Arbeitsplätze die nicht durch einen funktionierenden Markt gesichert sind und subventioniert werden müssen kommen uns teuerer zu stehen als die Arbeitslosigkeit der Betroffenen.
schwarzer Martin schrieb am 19.10.2012, 09:12 Uhr:
Das Leihschwein-- Klasse Kommentar, vollkommen Richtig. Sie haben aber noch die ganzen im ÖD vergessen, die alles kontrollieren, reglementieren und verwalten müssen. Oder ein Arzt oder Polizist braucht genauso viel Zeit für Berichte und Protokolle als für seine eigentliche Tätigkeit.
Das Leihschwein schrieb am 19.10.2012, 08:45 Uhr:
@ Ulla: Ob Schiffbau, Foto-, Digitalkameras, PC, Fernsehern, HiFi-Video überall wurden die Deutschen seit den 1970 Jahren mit ihren titelgeilen, promovierten Akademikern von den fleißigen, motivierten und intelligenten Asiaten gnadenlos überrollt und das dürfte bei den Autos in einigen Jahren auch der Fall sein. Unser Problem, in Konzernen sitzen zu viele gesättigte, unkündbare besitzstandswahrer denen nichts neues einfällt, als nur die Zeit absitzen. Gehen sie mal in die Entwicklungsbüros deutscher Autokonzerne, da geht es zu wie in einer Behörde, mit zuviel Personal, die auch noch gegeneinander arbeiten. Was Chinesen noch fehlt ist die Erfahrung. Dafür gibt es bei uns reichlich Arbeitsplätze für Anwälte, Richter, Beamte, Insolvenzverwalter, Heilpraktiker, Esoteriker, Politiker, Kommunikations-, Medien-, Steuer -, Unternehmensberater, Wissenschaftsinstitute, Wirtschaftweisen, Umfrageinstitute, Soziologen, Psychologen. Alle direkt oder indirekt vom Steuerzahler finanziert.
Thebuli schrieb am 19.10.2012, 07:32 Uhr:
Die Übernahme der renomierten Waggonfabrik Talbot durch Bombardier im Jahr 1995 war schon der Anfang vom Ende. Damals standen der Erwerb von Know How (der Talent-Triebwagen war ein Jahr vorher in Aachen entwickelt worden) und das Aufkaufen lästiger Konkurrenz im Vordergrund. Wie das ausgehen würde war damals schon klar. Wissen mitnehmen, die Belegschaft arbeiten lassen solange Aufträge da sind und Geld verdient wird und bei nächstbester Gelegenheit die aufgekaufte Firma schließen und die ursprünglich eigenen Standorte damit sichern. Oder die Arbeitsplätze in den Osten verlagern wo die Löhne niedriger sind und mehr Geld zu verdienen ist. Was steht im Artikel? Vor einigen Jahren wurden schon mal 150 Mitarbeiter entlassen? Weil es schlecht lief? Haha, dafür sind dann 200 Leiharbeiter eingestellt worden! So geht Wirtschaft heute! Billig und Dumping. Die Aachener Politik steht völlig unbeteiligt und ratlos daneben. Es gibt hier keine Anstrengungen neue Industriearbeitsplätze zu schaffen.

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