Warnstreiks in AWO-Einrichtungen Arbeitgeberverband: Es trifft die Falschen

Beschäftigte von Kindertagesstätten, Altenheimen und anderen Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in NRW sind am Dienstag (16.10.2012) in den Warnstreik getreten. Der Arbeitgeberverband moniert, dass der Ausstand die Falschen treffe.


AWO-Mitarbeiter demonstrieren in Rheinberg
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AWO-Mitarbeiter demonstrieren in Rheinberg

Mit der Frühschicht legten zuerst die Mitarbeiter in Altenheimen ihre Arbeit nieder. Nach Schätzungen von Verdi beteiligen sich in NRW insgesamt 1.500 AWO-Angestellte am Dienstag (16.10.2012) an den Warnstreiks. Bei drei zentralen Kundgebungen in Recklinghausen, Rheinberg und Bielefeld verliehen die Gewerkschafter ihren Forderungen Nachdruck. In Recklinghausen nahmen laut Gewerkschaftsangaben etwa 800 Beschäftigte an der Kundgebung teil. Insgesamt sind rund 2.000 Awo-Mitarbeiter in den Ausstand getreten.

Notdienste in Altenheimen

Neben Seniorenzentren waren Kitas, Beratungsstellen, Küchen der offenen Ganztagsbetreuung, der Verwaltung und der ambulanten Pflegedienste betroffen. Nur wenige Kitas blieben tatsächlich geschlossen, andere richteten Notgruppen für Kinder von Eltern ein, die keine alternative Betreuung organisieren konnten. Altenheime wurden natürlich nicht geschlossen. "Dort gibt es Notdienste für die Bewohner", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvia Bühler WDR.de. Der Ausstand sei "ein Warnschuss für die Arbeitgeber" unter dem Motto "Das Schweigen der Lämmer hat ein Ende".

Arbeitgeberverband einigungsbereit

Der Arbeitgeberverband der AWO reagierte mit Unverständnis. "Der Streik trifft die Falschen. Wenn Kindertageseinrichtungen bestreikt werden, geht das zu Lasten berufstätiger Eltern", sagte Verhandlungsführer Gero Kettler. Er signalisierte Bereitschaft zur Einigung mit den Arbeitnehmern. Verdi will mit dem ganztägigen Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen - noch vor der dritten Verhandlungsrunde für die rund 30.000 Tarifbeschäftigten am 21. und 22. Oktober.

Orientierung am öffentlichen Dienst


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Mit ihren Tarifforderungen will die Gewerkschaft Anschluss an den öffentlichen Dienst halten. "Es gibt keine Erklärung dafür, warum eine AWO-Erzieherin weniger verdient als eine an einer kommunalen Kita. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Beschäftigten in den Altenpflegeheimen", sagte Bühler. So würden Erzieherinnen an kommunalen Einrichtungen im Schnitt pro Monat 80 Euro mehr verdienen. "Wenn man will, dass auch künftig junge Menschen soziale Berufe ergreifen, dann muss man gute Bedingungen schaffen", ergänzte die Gewerkschafterin.

Verdi will 6,5 Prozent mehr Gehalt

Das Angebot der Arbeitgeber sei "nur ein Trippelschritt Richtung Abschluss" und bleibe daher deutlich hinter dem gültigen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zurück, kritisierte Bühler. Verdi fordert eine Erhöhung der Entgelte um 6,5 Prozent für zwölf Monate. Auszubildende sollen 100 Euro monatlich mehr und eine Übernahmegarantie bekommen.

Nach dem Willen der Arbeitgeber sollen die Beschäftigten nach drei Nullmonaten ab 1. Oktober zwei Prozent plus 120 Euro Einmalzahlung sowie ab Juli 2013 und Januar 2014 je 1,5 Prozent mehr bekommen. Das Angebot soll für zwei Jahre gelten. Den Auszubildenden haben die AWO-Arbeitgeber ab Oktober zusätzlich 50 Euro und ein Jahr später noch einmal 40 Euro in Aussicht gestellt. Dieses Angebot sei "nicht so weit von den Forderungen der Arbeitnehmer entfernt", sagte Mona Finder, Sprecherin des AWO-Bundesverbandes.


Stand: 16.10.2012, 13.47 Uhr


Kommentare zum Thema (34)

letzter Kommentar: 19.10.2012, 11:11 Uhr

Auf den Kopf gestellt schrieb am 19.10.2012, 11:11 Uhr:
Conny schrieb heute, 10:41 Uhr: Jede Wette, dass sie im ÖD tätig sind und mit ver.di oder DBB bestens dort vertreten? Wenn alle so wie sie denken, hätten wir griechische Zustände und die werden ja von einem Steinbrück auch als finanzierenswert betrachtet, also auch von ;wie sie meinen; "doofen" AWO- Mitarbeiter. Die abgehobene politische Gesellschaft trägt schon lange nichts mehr zu den BRD-Werten bei? Liebe Conny, schon mal bedacht was der Name AWO bedeutet? Ein Akronym der Arbeiterbewegung wird von ihnen so in den Staub der Geschichte getreten? Aber vielleicht hätten sie recht, wenn sie die Kritik auf die "Oberen" reduzierten, die sie aber ausdrücklich freistellen, obwohl die Fehler dort in AWO-Spitze also den Funktionären auch von SPD, Grünen und ver.di zu wenig diskutiert werden.
Conny schrieb am 19.10.2012, 10:41 Uhr:
@Unglaublich: Das ganze System funktioniert nur so lange wie es Menschen gibt die sich für einen Apfel und ein Ei für solche Jobs hergeben. Es wird doch niemand gezwungen zu solchen Konditionen zu arbeiten, Knebelverträge oder Zeitverträge zu unterschreiben! Und seit wann gibt es für Praktika eine Entlohnung! Unglaublich ist es aber in der Tat, die Schuld immer auf die das Oben zu schieben. Es ist doch jeder selbst der sich in solche Arbeitssituationen begibt. Wer solche Verträge unterschreibt zeigt sich einverstanden und hat dann keinen Grund und kein Recht mehr sich zu beschweren. Mir scheint einige Mitarbeiter der AWO brauchen selbst wohl eine Betreuung!
Anonym schrieb am 18.10.2012, 14:17 Uhr:
Wer die AWO kennt weiß wo es brennt! Wenn diejenigen, die den Laden zusammenhalten mal streiken, dann werden die Familienmitglieder in den Führungsetagen ganz nervös, da sie nicht wissen wer dann die Arbeit erledigen soll, da sie es leider absolut nicht können. Noch lebt der Verein von alten Meriten , wie ein Orchester ohne Dirigent noch jahrelang spielen kann, wenn es mal gut eingeübt gewesen war. Der Verein benötigt dringenst neues Personal oben wie unten(da v.a. mehr!)?
Unglaublich schrieb am 18.10.2012, 14:07 Uhr:
Also einige hier ticken nicht richtig! Hals nicht voll? Woher wollen Sie den Wissen, wieviel die Menschen dort verdienen? Die bekommen auch immer mehr Knebelverträge, Zeitverträge, Praktika zum Hungerlohn! Aber sich teilweise von Patienten übelst beschimpfen lassen etc. das muss trotzdem drin sein! Sie können ja mal gerne tagtäglich besch....Hintern säubern und sich ansabbern lassen für nen Appel und ein Ei! Dann haben wir bald überhaupt keine Pflegekräft mehr!
ts schrieb am 18.10.2012, 14:02 Uhr:
Genau Klameng, alles nur Gier! Sie würden natürlich gerne auf Lohn verzichten und wohltätig arbeiten gehen! Diese Menschen haben auch ein Recht auf Lohnerhöhung! Gerade weil sie einen WICHTIGEN Beruf ausüben! Vorstände erhöhen sich ständig ihre Gehälter ohne andere zu fragen! Wenn der kleine Mann mal für mehr auf die Strasse geht sprechen hier wieder einige von Gier! Nachdenken würde manchen gut tun!

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