Ausbildungsreport 2012: Schlechtes Zeugnis für NRW-Berufsschulen
An den Berufsschulen in NRW gibt es laut einer am Dienstag (11.09.2012) veröffentlichten DGB-Studie erhebliche Mängel. Knapp 20 Prozent der mehr als 3.000 befragten Azubis bewerten den Unterricht mit ausreichend oder mangelhaft. Besonders unzufrieden sind angehende Hotelfachleute und Friseure.
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Viele NRW-Azubis sind unzufrieden mit den Berufsschulen
Die Qualität des Unterrichts machten die Schüler aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen bei ihrer Beurteilung nicht allein an den Lehrern fest. "Sie kritisieren die Rahmenbedingungen und die schlechte Infrastruktur an den Berufskollegs", erläuterte DGB-Bezirksjugendsekretärin Anke Unger bei der Vorstellung des Ausbildungsreports 2012 am Dienstag (11.09.12) in Düsseldorf. Besonders im gewerblich-technischen Bereich seien die Lernwerkstätten oft schlecht ausgestattet, teilweise seien auch zu wenig Materialien vorhanden oder die Übungsgeräte veraltet. Gut jeder zweite befragte Auszubildende fühlt sich demnach "höchstens befriedigend" auf die Abschlussprüfung vorbereitet.
Fast jeder zweite hat noch nie einen Ausbildungsplan gesehen
Neben dem Schwerpunkt Berufsschule ging es bei der Befragung auch um Ausbildungspläne, Arbeitszeiten und Jugendschutz. Dass für rund 39 Prozent der Befragten bei ihrem Arbeitgeber kein Ausbildungsplan existiert, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist, ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Und selbst dort, wo einer vorhanden ist, geben 34 Prozent der Befragten an, "überhaupt nicht" oder "nur etwas" mit ihm vertraut zu sein.
Viele Betriebe verstoßen gegen Jugendarbeitsschutz
Wie in den Jahren zuvor verstoßen nach Angaben der Befragten auch 2012 viele Ausbildungsbetriebe gegen den Jugendarbeitsschutz: Jeder fünfte Azubi unter 18 Jahren gibt an, mehr als 40 Stunden die Woche zu arbeiten und 28 Prozent der minderjährigen Azubis leisten regelmäßig Überstunden. Aus Sicht der DGB-Jugend gefährde diese Praxis nicht nur die Gesundheit der Auszubildenden, sondern auch die schulische Ausbildung. "Obwohl wir das immer wieder aufzeigen, ändert sich nichts daran", kritisierte Bezirksjugendsekretärin Unger.
Stichworte
- Berufskolleg
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Als Berufskolleg werden in NRW alle beruflichen Schulen des Landes bezeichnet. Dazu gehören: Berufsschulen, Berufsfachschulen, Höhere Berufsfachschulen, Berufliche Gymnasien, Fachoberschulen und Fachschulen. Diese Schulform ist Ende der 1990er Jahre aus den berufsbildenden Schulen und den Kollegschulen hervorgegangen. Sie kombiniert die schulische mit der beruflichen Ausbildung.
Stand: 11.09.2012, 17.20 Uhr
Kommentare zum Thema (10)
letzter Kommentar: 13.09.2012, 17:16 Uhr
- norbert schrieb am 13.09.2012, 17:16 Uhr:
- 4 Jahre Rüttgers CDU und FDP hinter lassen Spuren,das fing schon unter der Kohl Äera an,die kein Studium der unteren Bildungsschichten wollten .
- Hans schrieb am 12.09.2012, 20:01 Uhr:
- @Tatsache, was Sie da geschrieben haben bestätigt doch meinen Kommentar. Und ich verstehe Sie und Ihre Kollegen sogar. Ich habe von 1960 bis 1963 meine erste Lehre absolviert und 1963 bis 1964 meine zweite Lehre. (Jeweils 01.04 biß 30.03) Selbst zur damaligen Zeit hatten wir schon neben der Berufsschule einmal Wöchendlich Werksunterricht. Auf die Frage an unseren Werkslehrer (Auch er Berufsschullehrer) warum lernen wir hier mehr, Antwort vom ihm: Hier bekomme ich mehr Geld!! Und wenn man sieht, was die Schulabgänger heute mitbringen, dazu von mir kein weiteres Wort. u.A. Ich persönlich habe in späteren Jahren (nach Ende des Grundwehrdienstes) durch Weiterbildung meinen Ing. grad gemacht.
- Anonym schrieb am 12.09.2012, 19:04 Uhr:
- @Tatsache, da kann ich Ihnen nur zustimmen! Es kommen aus meiner Erfahrung gleich mehrere Probleme zusammen. Die Auszubildenden haben oft sehr schlechte Voraussetzungen für ihren Beruf. Die schulischen Leistungen, die sie mitbringen, sind oft sehr dürftig. Dann werden sie in den Betrieben oft für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingesetzt, da man dort schnell merkt, dass es mit der Auffassungsgabe nicht zum besten steht. Dadurch verschlechtert sich natürlich alles nur noch. Ich habe selbst erlebt, dass die Berufsschule nur als notwendiges Übel betrachtet wird, da alles was mit Schule zu tun hat, schon vorher nicht gern gemacht wurde. Lehrer können nur dann etwas bewirken, wenn die Bereitschaft zum Lernen da ist!
- Alte Frau schrieb am 12.09.2012, 18:43 Uhr:
- Als ich 1981 mit meiner Lehre anfing, wurde gearbeitet ohne murren, auch in der Schule versuchte jeder so gut es ging mitzukommen.Leider gab es zu der Zeit schon Lehrer die keinen Bock auf Schüler hatten, dementsprechend war der Unterricht, dann gab es Fächer für die fehlten damals schon die Lehrer,also lernten wir privat da das Wissen in der Abschlußprüfung abgefragt wurde,auch in der Mündlichen Prüfung wurde danach gefragt,die Ausrede, das Fach hatten wir nicht weil Lehrer fehlten, wurde nicht akzeptiert. 1992 machte ich eine Umschulung, wieder Berufsschule, als Ü30, wurde ich krum angesehen und auch meine Arbeitsweise wurde belächelt, der Erfolg war das ich nach,um 1 Jahr verkürzter Lehrzeit,die Prüfung vor der IHG bestand, gebracht hat mir das nichts,jetzt bin ich arbeitslos. Doch wenn ich die heutigen Berufschüler sehe und höre,habe genug im Freundeskreis,frage ich mich was die lernen wollen,Lust hat keiner, Wissen ist kaum vorhanden, Schule ist Mist und Arbeiten auch.
- Tatsache schrieb am 12.09.2012, 16:31 Uhr:
- Als Berufsschullehrer muss ich dazu einiges anmerken. Die Arbeitsmoral vieler Berufsschüler (ca. 30%) lässt oft zu wünschen übrig. Hinzu kommen gravierende Mängel in der Vorbildung, Haupt- und Realschulabschlüsse werden oft verschenkt ("10% von 100 ?", "Häääää?"). Allerdings sind die Betriebe oft nicht besser, in vielen Berufen findet die Ausbildung zu 100% an den Berufsschulen statt, im Betrieb wird nur gearbeitet. Und die Ausstattung an den Berufsschulen ist oft museumsreif, ich selber halte mit viel Arbeitsaufwand antike Technik am Leben, seit Jahren wird Besserung versprochen, passiert ist nicht viel. Fortbildungen für Fachlehrer sind die Ausnahme, dafür wird man mit sinnfreien pädagogischen Konzepten zugemüllt. Da die Techniklehrer genau so bezahlt werden wie der Sport- und Politikkollege ist kaum Interesse vorhanden und der Mangel an technischer Fachkompetenz wird immer größer. Die Probleme sitzten in Düsseldorf bzw. in den Rathäusern, die Berufsschulen sind nur die Leidtragen.
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