NRW-Ausbildungsmarkt 2010/2011 Mehr Lehrstellen, weniger Bewerber

Das Ausbildungsjahr 2010/2011 endet für die Arbeitsagentur in NRW mit einer erfreulichen Bilanz. Die Zahl der freien Stellen stieg, die der Bewerber sank leicht. Dennoch klafft eine Lücke: Ende September waren 3.754 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz.


Jugendliche in der Werkstatt
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Azubis zu finden, wird immer schwieriger

Die Bereitschaft der Unternehmen im Land zur Ausbildung ist offenbar gestiegen: Von Oktober 2010 bis September 2011 meldeten sie den Arbeitsagenturen insgesamt 105.854 freie Ausbildungsstellen. Das sind 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der jungen Menschen auf Lehrstellensuche. Die Berufsberatungen zählten 131.323 Bewerber, ein Rückgang um 4,2 Prozent.

"Qualitative Lücke"

Angebot und Nachfrage haben sich aus Sicht der Arbeitsagentur also angenähert. Es bleibt allerdings eine Lücke, und das gleich doppelt. Zum Stichtag Ende September galten 3.754 Bewerber als noch nicht versorgt. Hier gab es einen deutlichen Anstieg um 15,4 Prozent. Zugleich blieben 4.395 der offenen Lehrstellen bis zu diesem Datum unbesetzt. Christiane Schönefeld, Leiterin der NRW-Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur, erklärt diesen Umstand damit, "dass es unverändert strukturelle Probleme" gebe. Nicht jedem Schulabgänger könnten passende Angebote gemacht werden und nicht für jede Stelle gebe es den geeigneten Bewerber. Die Arbeitsagentur nennt das die "qualitative Lücke".


Christiane Schönefeld
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Christiane Schönefeld

Angesichts eines wachsenden Fachkräftemangels appelliert Schönefeld an die Wirtschaft, "bei den jungen Leuten die individuellen Stärken zu entdecken", statt ihre Auswahl nur anhand von Schulnoten zu treffen. Mehr als ein Drittel der Bewerber um Ausbildungsplätze war bereits in den Vorjahren bei der Berufsberatung gemeldet.  Diese "Altbewerber" seien in der Zwischenzeit allerdings weiter zur Schule gegangen, hätten ein soziales Jahr absolviert oder andere Wege der Berufsvorbereitung genutzt.

Zu wenig freie Stellen im Ruhrgebiet

Regionale Unterschiede zeigt die Ausbildungsbilanz für Nordrhein-Westfalen bei der Zahl der gemeldeten Stellen pro Bewerber: In den Agenturbezirken Düsseldorf, Köln und Münster gab es mehr freie Ausbildungsplätze als Suchende. Einen "Bewerber-Engpass" sieht die Arbeitsagentur dort allerdings nicht, da die Oberzentren generell Azubis aus dem Umland anzögen. In Gelsenkirchen und Recklinghausen hingegen bleibt das Angebot für junge Menschen aus Sicht der Vermittler kritisch.

In der Ausbildungsbilanz wird auch deutlich, dass Handwerksbetriebe in NRW offenbar vergleichsweise schnell passenden Nachwuchs finden. Zum Ende des Berichtsjahres entfielen nur knapp ein Viertel der unbesetzten Stellen auf Fertigungsberufe wie Elektriker oder Bäcker. Der große Rest betraf Dienstleistungsberufe wie Waren- oder Rechnungskaufleute. "Wir nutzen solche Klassifizierungen gar nicht", sagt Alexander Uhr, Bereichsleiter Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer in Köln. "Aber tatsächlich gibt es noch viele freie Ausbildungsplätze in den klassischen Büroberufen und im Einzelhandel." Auch in der Gastronomie sieht Uhr noch großen Bedarf an Nachwuchs, zumindest im Raum Köln. "Da können Schulabgänger jetzt noch fündig werden", wirbt er für eine späte Bewerbung.


Stand: 07.11.2011, 12.33 Uhr


Kommentare zum Thema (15)

letzter Kommentar: 10.11.2011, 21:31 Uhr

Günter schrieb am 10.11.2011, 21:31 Uhr:
Eine alte Forderung eine Ausbildungsabgabe in der alle Unternehmen einzahlen. Das Geld wird dann an die Ausbildungsbetriebe verteilt. Es ist höchste Zeit das mal um zu setzen.
R.Sommer schrieb am 10.11.2011, 08:43 Uhr:
@Thomas Reiners,@Sven Bauer in unserem Konzern (150.000 Mitarbeiter) sieht es genauso so aus.Dort setzt man die Auszubildenden gerne als billige Arbeitskräfte ein.Nach der Ausbildung bekommen nur wenige einen Arbeitsvertrag, der in der Regel dann erst mal auf ein Jahr befristet ist.und der Steuerzahler finanziert dann die sogenannten Ausbildungsplätze.
Peter schrieb am 09.11.2011, 20:13 Uhr:
Ich fordere eine Ausbildungsabgabe für die Gewerkschaften! Die haben es nicht geschaft die 3745 Suchenden auf die über 4000 offenen Stellen zu verteilen!
Hannes schrieb am 09.11.2011, 20:11 Uhr:
@Thomas Reiners: Was für ein dummer Schwachsinn! Schon mal die Lehrwerkstätten in den Konzernen gesehen? Da dürfte ein Auszubildener mindestens genauso viel kosten wie eine Fachkraft! Natürlich müssen Auszubildenen im Handwerk eventuell auch mal andere Arbeiten übernehmen, dürfte aber auch hier wohl die Ausnahme sein! Sprüche wie: Das steht nicht in meinen Ausbildungsvertrag, also muß ich das nicht machen, hört man da wohl öffters!
Thomas Reiners ,DO schrieb am 08.11.2011, 13:25 Uhr:
@Sven Bauer, so sieht es auch in unserem Unternehmen aus.möglichst viele Lehrstellen anbieteten,die jungen Leute dann als billige Arbeitskräfte ausnutzen und nach der "sogenannten Lehre" sitzen sie dann wieder auf der Strasse.

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