Spendenaktion "Aufrunden bitte" : Gutes tun mit Restbeträgen
"Aufrunden bitte!" Wer das beim Bezahlen sagt, spendet den Centbetrag bis zur nächsten 10-Cent-Grenze für soziale Projekte. Seit knapp einem halben Jahr läuft das Projekt. Bald soll das Aufrunden auch in Onlineshops möglich sein.

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An vielen deutschen Kassen heißt es: "Aufrunden bitte!"
18 Händler mit über 40.000 Kassen in ganz Deutschland sind beteiligt. 17 davon sind in NRW vertreten. Große Ketten wie Douglas, Penny oder die toom Baumärkte machen mit. Hinter der Aktion steht die Stiftung "Deutschland rundet auf". Seit März können Kunden durch das Aufrunden zwischen einem und zehn Cent spenden. Bei so einem kleinen Betrag sind mehr Menschen bereit zu geben – so die Idee dahinter. Die Händler rechnen die gespendeten Beträge dann raus und geben das Geld weiter an die Aktion "Deutschland rundet auf". Die wiederum wählen soziale Projekte aus, die mit den Spenden unterstützt werden.
Aufrunden auch bald in Online-Shops

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Christian Vater: Gründer von "Deutschland rundet auf"
"Wir sind mega happy über den bisherigen Verlauf des Projekts", so der Gründer und Geschäftsführer von "Deutschland rundet auf", Christian Vater. 315.000 Euro sind bis jetzt von acht Millionen Aufrundern gespendet worden. So konnte auch das erste Projekt die "Eltern-AG" finanziert werden. Sie kümmert sich um Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen und unterstützt sie bei der Erziehung.
Auch das Schuhunternehmen Reno ist Partner der Spendenstiftung. "Wir ziehen eine durchweg positive Bilanz," sagt Unternehmenssprecherin Kerstin Slawatycki. Das Projekt sei schnell von den Kunden verstanden und auch angenommen worden. Wieso die Idee so gut ankommt, darüber sind sich Stiftung und Partner einig: "Ein paar Cents hat fast jeder übrig." Aber Christian Vater will mehr: "Im nächsten Jahr wird es Deutschland rundet auf auch Online geben. Viele unserer Partner sind online extrem aktiv und wir gehen mit."
Kein Ersatz für herkömmliche Spenden
Die Menschen an den Kassen in NRW nehmen das Projekt gut an. Monika Trellert aus Bonn sieht besonders einen Vorteil gegenüber dem klassischen Spenden: "Ich finde gut, dass man nicht bedrängt wird. Wenn man aufrunden will, dann muss das aktiv von einem selbst kommen. Ich tue das dann viel lieber, als wenn ich das Gefühl habe, mir will jemand Geld aus dem Kreuz leiern."
Das Aufrunden sei aber keine Alternative zu herkömmlichen Spenden, erklärt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen, das das deutsche Spendensiegel vergibt. "Es ist eine neue und zusätzliche Art zu Spenden. Das klassische Spenden kann durch das Aufrunden nicht ersetzt werden." Vielmehr sieht Wilke in dem Projekt die Chance, neue Spenderschichten zu erschließen.
Einfach, aber fremdbestimmt
Welche Projekte unterstützt werden, entscheidet die Stiftung "Deutschland rundet auf". Vorschläge können aber auch von den Unternehmenspartnern kommen. Die Spender haben keinen Einfluss darauf. Wer also selbst entscheiden will, was mit den eigenen Spenden passiert, ist beim Aufrunden an der falschen Adresse.

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Der Kunde spendet beim Aufrunden zwischen einem und zehn Cent.
Versprochen wird, dass von den vielen Cents kein einziger für die Verwaltung drauf geht. Möglich ist das, weil die Unternehmenspartner eine Partnergebühr bezahlen und so die Verwaltungskosten decken. Diese könnten dann nur noch bei den ausgesuchten Projekten entstehen. Geprüft werden diese unter anderem von der Firma Phineo. "Phineo analysiert gemeinnützige Organisationen hinsichtlich des Wirkungspotenzials ihrer Projekte", erklärt die gemeinnützige Aktiengesellschaft auf ihrer Internetseite.
Schon ein Cent kann Großes bewirken
Neu ist diese Art des Spendens allerdings nicht. Das Ausland hat es vorgemacht. Die "Pennies Foundation" in Großbritannien gibt es seit 2010. In der Organisation "Round it up America" haben sich Gastronomen aus den USA zusammengeschlossen und sammeln in ihren Restaurants für eine runde Sache.
Und auch in Deutschland ist das Potenzial groß. Laut Handelsverband Deutschland gehen jeden Tag rund 50 Millionen Menschen einkaufen. Wenn jeder von ihnen nur einen Cent spenden würde, wären das schon 500.000 Euro täglich.
Stand: 14.08.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (69)
letzter Kommentar: 19.08.2012, 12:22 Uhr
- Jürgen Auer schrieb am 19.08.2012, 12:22 Uhr:
- Sehr geehrtes "Euer Team", leider bleibe ich wohl euer Gegner, fühle mich damit aber sehr Wohl. Wünsche aber weiterhin viel Erfolg, vielleicht kommt es ja mal echten Hilfebedürftigen zu gute.
- Karin P. schrieb am 16.08.2012, 18:06 Uhr:
- Warum spenden die nicht die Gebühren die sie für den ganzen Aufwand (Werbung usw.) bezahlen direkt? Warum muss man wieder dem "kleinen Mann" das Geld aus der Tasche ziehen? Frechheit sowas! Kein Cent gibts von mir.
- Anonym schrieb am 16.08.2012, 14:14 Uhr:
- Das sind nicht mal soziale Projekte, jedenfalls nicht für wirklich sozial Bedürftige.
- Ralph Peter schrieb am 16.08.2012, 13:19 Uhr:
- Für diese "Eltern AG's" würde ich auch nicht spenden wollen! Das ist kein Projekt welches in meinen Augen ein "Aufrunden" an der Kasse bzw. Spenden rechtfertigt. Ich betrachte die Kampangne "Aufrunden bitte" primär als Werbekampagne für die teilnehmenden Unternehmen. Echte soziale Notwendigkeiten und Projekte werden nicht untertützt. Ich sehe das genauso wie Joerg_S_, da machen Spenden an das Rote Kreuz und andere richtige bzw. echte Hilfsorganistionen deutlich mehr Sinn und kommen dann auch echten Bedürftigen und wirklich sozialen Projekten zugute. Für sozial getarnte Werbekampagnen gibt es von mir NICHTS!
- anonym schrieb am 15.08.2012, 17:12 Uhr:
- Herzlichen Dank , lieber WDR, für den informativen Artikel, ich werde nicht aufrunden, weil ich für das angegebene Projekt (Eltern...) nicht spenden würde. Sonst hätte ich das nicht gewusst. Nochmal danke.
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