Soziale Lage in NRW Jeder Sechste ist armutsgefährdet

In NRW gilt jeder Sechste als armutgefährdet. Im Ruhrgebiet hat sich die Armut sogar weiter verfestigt. Die Städte kommen dort nur langsam aus den Schulden raus - wegen hoher Sozialausgaben und Kreditzinsen.


Die Armut in NRW nimmt nach einer Untersuchung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes weiter zu. Innerhalb eines Jahres habe sich der Anteil der von Armut bedrohten Menschen an der Gesamtbevölkerung von 15,4 Prozent (2010) auf 16,6 Prozent (2011) erhöht, heißt es in der am Donnerstag (20.12.2012) vorgestellten Untersuchung. Bundesweit beträgt die Quote 15,1 Prozent.

Für den Anstieg der Armut macht der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, "Armutslöhne" sowie die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse verantwortlich, aber auch Einschränkungen bisheriger Sozialleistungen für Wohnen und Heizen. "Viele Menschen haben Arbeit, aber immer weniger können von ihrer Arbeit leben", sagte Schneider. Als armutsgefährdet gilt, wer für seine Lebensführung weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Bei einem Single-Haushalt sind dies weniger als 848 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren weniger als 1.781 Euro.

Im Ruhrgebiet besonders besorgniserregend

Besonders schwierig sei die Lage im Ruhrgebiet, wo sich die Armut weiter verfestigt hat. Mittlerweile sei dort fast jeder fünfte Einwohner von Armut bedroht. Im Revier beträgt die Armutsquote inzwischen 18,9 Prozent. Spitzenreiter ist Dortmund mit einer Quote von 24,2 Prozent, in Duisburg beträgt sie 23,5 Prozent und in Essen 19,9 Prozent. Zusammen mit Berlin sei das Ruhrgebiet bei der Armutsentwicklung die besorgniserregendste Region in Deutschland, heißt es in der Studie.


Dies zeige auch die Entwicklung bei den Hartz-IV-Empfängern. So seien im Juli 2011 in Dortmund und Duisburg jeweils 17,8 Prozent der Einwohner bis 65 Jahre auf Hartz IV angewiesen gewesen. In Essen seien es 18,2 Prozent gewesen, in Gelsenkirchen sogar 21,6 Prozent. Aber auch in den Großstädten am Rhein hat die Armut laut Studie zugenommen. In Köln stieg die Quote von 17,3 Prozent auf 20,0 Prozent, in Düsseldorf von 15,4 Prozent auf 19,2 Prozent.

Überproportionale Sozialausgaben

Auch die finanzielle Lage der Kommunen im Ruhrgebiet ist nicht rosig. Trotz wirtschaftlich guter Entwicklung und dem Hilfsprogramm "Stärkungspakt Stadtfinanzen" müssen Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet weiter deutlich sparen. Diese Botschaft geht aus dem Finanzbericht Ruhr hervor, den der Regionalverband Ruhr (RVR) ebenfalls am Donnerstag in Essen vorgelegt hat. Leicht gestiegenen Steuereinnahmen im Jahr 2011 stehen in den Ruhrgebietsstädten demnach überproportional hohe Sozialausgaben gegenüber.

Die Pro-Kopf-Steuereinnahmen im Ruhrgebiet liegen 190 Euro unter dem, was die Kommunen an Sozialausgaben schultern müssen. Im Ruhrgebiet schlagen diese mit 687 Euro viel stärker zu Buche als im Landesschnitt (598 Euro). Dass die Ruhrgebietsstädte ihr Gesamtdefizit dennoch um etwa ein Drittel auf 713 Millionen Euro verringern konnten, verdanken sie nach Ansicht von Finanzwissenschaftlern vor allem dem Stärkungspakt, der klamme Kommunen unter Sparauflagen unterstützt. Dennoch: "Da ist noch einiges an schwierigem Weg vor dem Ruhrgebiet", sagte Martin Junkernheinrich von der Technischen Universität Kaiserslautern. Gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft für Raumfinanzpolitik legt seine Hochschule regelmäßig den Bericht vor.

Sparen und weitere Unterstützung

Sorgen bereiten dem Finanzwissenschaftler auch die hohen Schulden in einigen Städten: Etwa 45 Prozent des Defizits im Ruhrgebiet gehen auf Zinsen und Finanzierungskosten für Kassenkredite zurück. Steigen die Zinsen nur wenig, droht die Kreditfalle, warnte Junkernheinrich. Der Weg aus dem Defizit führt seiner Ansicht nach nur über eisernes Sparen.

Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des RVR, sprach von einem schwierigen Spagat zwischen Sparanstrengungen der Kommunen einerseits und den Bemühungen, das Ruhrgebiet attraktiv zu erhalten. "Wir müssen von den Schulden runter", sagte sie. Neben den Einsparbemühungen der Kommune, bedürfe es auch weiterer Unterstützung von Bund und Land. Kosten ließen sich auch durch stärkere Zusammenarbeit zwischen den Kommunen senken.


Stand: 20.12.2012, 18.04 Uhr


Kommentare zum Thema (117)

letzter Kommentar: 25.12.2012, 20.58 Uhr

Bochumer schrieb am 25.12.2012, 20.58 Uhr:
@schwarzer Martin schrieb heute, 19:55 Uhr: Im "verrotteten roten Ruhrgebiet" gibt es soviel Arbeitslosigkeit, daß die Leihbuden und andere Ausbeuter für 900 Euro freie Auswahl haben und das auch praktizieren. ...................Muß dich halt mal umschauen im Land. NRW besteht nicht nur aus dem Ruhrgebiet. Da hat man in 40 Jahren SPD-Herrschaft lieber in Kohlehalden anstatt in Zukunftsarbeitsplätze investiert.
@schwarzer Martin schrieb am 25.12.2012, 19.55 Uhr:
Im "verrotteten roten Ruhrgebiet" gibt es soviel Arbeitslosigkeit, daß die Leihbuden und andere Ausbeuter für 900 Euro freie Auswahl haben und das auch praktizieren. Für die paar Kröten heißt es sich ganz schön strecken, immer wieder bewerben wo man gar nicht arbeiten will, und wenn man doch genommen wird, buckeln und knechten, wo man hingeschickt wird. Wer die zitierten 371 Euro erhält, muß dafür fiese "Eingliederungsvereinbarungen" unterschreiben und einhalten. So was wie jeden Monat mindestens 20 (erfolglose)Bewerbungen schreiben und nachweisen dazu noch die (erfolglosen) Bewerbungen auf Stellen, die das Amt schickt. Dazu der restliche Papierkram. Nicht zu vergessen, Maßnahmen zur Eingliederung, Praktika etc. Ehrlich gesagt, sie haben keine Ahnung, aber eine große Klappe. Es ist alles andere als "leicht", die 371 Euro zu erhalten.
@Bin noch nicht jeder Sechste schrieb am 25.12.2012, 19.42 Uhr:
Zitat: Ich könnte es wie die anderen Mieter nicht ertragen, wenn in unserem Hause Migranten ihr bettelndes Wesen außer Haus und wieder zurücktragen würden. Wer sind Sie, daß sie für ihr ganzes Haus, also auch für ihre Nachbarn sprechen? Sind sie zum Sprecher gewählt worden mit dem Auftrag hier im Forum, wo es um ARMUT geht, über Migranten zu stänkern? Ich vermute mal nein, dann bitte sprechen sie richtigerweise nur von sich! Ihnen geht es anscheinend noch zu gut, blicken sie doch herablassend auf die armen Teufel und beschimpfen sie. Gerade ist Weihnachten, das Fest der Liebe, laden Sie doch mal ein paar Arme (Migranten) ein statt rumzustänkern.
Maxmaran schrieb am 25.12.2012, 14.31 Uhr:
Es schrieb Einer das man wie in Frankreich die Reichen mit 75% besteuern sollte.Erstmal würde ich diese Leute nicht besteuern die laut Statistik reich sind sondern die wirklich Reichen.Das Andere ist, das man wirklich eine EU haben sollte die diese Gesetzte übernehmen. Wer kennt die Geschichte vom Wettlauf zwischen Hase und Igel und gemeinsam gegen diesen absurden Egoismus der Steuerflucht vor- gehen.Die Schweizer müssten daraus lernen das man Geld nicht essen kann und eine andere Geschichte empfehlen die des "Salzprinzen". Es geht einfach darum,das man wie im sauberen Sport gleiche Regeln und dadurch einen fairen Wettbewerb hat und falls Krisen sind sollten diese Leute zahlen die es verschmerzen können.
Maxmaran schrieb am 25.12.2012, 13.55 Uhr:
Jedenfalls lese ich von vielen"edlen" Menschen das sie den Hartzern nichts gönnen und manchmal denke ich auch das sie sogar neidisch sind auf diese Lebensweise.Nochmal ich möchte mit diesen Leuten nicht tauschen.Ich zahle auch meine Steuern aber gönne es diesen Leuten obwohl ich nicht reich bin.Was noch schlimm ist das diese "Edlen" diese Leute alle über ein Kamm scheren.Für die sind alle Hartzer ausnahmlos faul.Nicht jeder Mensch ist gleich und nicht jeder hat den gleichen Charakter oder auch die gleiche Kraft.Was hier oder in diesen Sytem gefragt ist die Ellenbogenmentalität die viele nicht haben und darum von "Stärkeren"verdrängt werden und oft ist es nicht der Schlauere.Darum sind auch viele Hartzer gebrochene Menschen.

Alle Kommentare anzeigen