Immer mehr Geringverdiener "Arbeiten wie ein Pferd - Geld wie ein Pony"

Von Marion Feldkamp

Schon seit langem hat der Kreis Coesfeld die geringste Arbeitslosenquote in ganz NRW. Doch gibt es dort auch vergleichsweise viele Geringverdiener. Einer von ihnen ist Harald W. mit 8,95 Euro pro Stunde, viel Stress und wenig Perspektive.


 Ein Headset liegt auf der Tastatur eines Computers
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Stundenlohn 8,35 Euro

Rund jeder fünfte Beschäftigte in NRW war im Jahr 2010 ein sogenannter Geringverdiener. Der Kreis Coesfeld liegt in einem landesweiten Ranking auf Platz sechs, hier sind es fast 26 Prozent der Arbeitnehmer. Nach dem Arbeitsmarktreport der landeseigenen Gesellschaft für innovative Beschäftigung, G.I.B.nrw, die die Zahlen veröffentlicht hat, gilt als Geringverdiener, wer weniger als 1.890 Euro brutto monatlich verdient.

"8,35 Euro pro Stunde für hochkomplexe Arbeit"

Harald W. (Name geändert) aus Lüdinghausen ist 60, lebt alleine und arbeitet in einem Call-Center in Münster. "Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll. Sie verlangt hochkomplexes Wissen und ich muss mich ständig auf neue Anrufer einstellen, was mir persönlich allerdings keine Schwierigkeiten bereitet", beschreibt er seinen Job. Stundenlohn 8,35 Euro, das ergibt im Monat etwa 1430 Euro brutto, je nach Überstunden. "Ich arbeite wie ein Pferd und bekomme Geld wie ein Pony". Gelernt hat W. ursprünglich Industriekaufmann, dann folgte eine Meisterausbildung in der Lebensmittelbranche. Er leitete viele Jahre eine eigene Firma. "Die musste sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Leben verabschieden", sagt er. Harald W. wurde arbeitslos, landete nach einem Jahr schließlich im Hartz IV-Bezug. Einfach fällt es ihm nicht, über seine Situation zu sprechen. Fotografieren lassen möchte er sich nicht.

Auto lässt sich nicht finanzieren


Mitarbeiter eines Callcenters im Großraumbüro
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"Für ein Bierchen in der Kneipe reicht es hin und wieder"

Aber er will sich nicht unterkriegen lassen. Er engagiert sich in der örtlichen ökumenischen Kirchengemeinde und ist aktiv beim Kontakt seiner Heimatstadt mit Partnergemeinden, etwa in Frankreich. Im Ort kann er solche Aktivitäten zu Fuß oder mit dem Fahrrad wahrnehmen. "Geblieben ist mir aus meiner Zeit zuvor mein Motorrad. Ein Auto habe ich nicht, das lässt sich nicht finanzieren", sagt er. Im Winter will W. auf den Bus umsteigen. Seine Grundbedürfnisse, Dach über dem Kopf, Essen und Trinken, könne er mit seinem Verdienst durchaus decken. Luxus geht nicht, für einen Kaffee oder ein Bierchen in der Kneipe reicht es hin und wieder noch so gerade.

"Hoffe auf höher dotierte Stelle"

Bei der Arbeitsagentur in Coesfeld heißt es, es gebe dort vergleichsweise viele Geringverdiener, weil eine hohe Anzahl von Menschen unter anderem in der Nahrungsmittelbranche oder der Landwirtschaft tätig seien. Das belege schließlich die Studie der G.I.B.nrw. Näher will sich in der Agentur niemand zu der Situation äußern. Den geringsten Teil der Geringverdiener hat, laut Untersuchung, übrigens die Stadt Leverkusen (14,4 Prozent). Am höchsten ist ihr Anteil im Kreis Kleve mit fast 28 Prozent.

Harald W. bewirbt sich jetzt weiter, hofft auf eine besser dotierte Stelle. Vielleicht ja als Schulbegleiter für behinderte Kinder, die am gemeinsamen Unterricht teilnehmen. Doch auch dort werden hohe Qualifikationen verlangt. "Was mich am meistern ärgert: Meine Ausbildung, das, was ich bislang gemacht habe, spielt bei Vorstellungsgesprächen kaum eine Rolle, sondern vor allem mein Alter. Mit 60 bin ich vielen Chefs einfach zu alt." Die Kollegen im münsterschen Call-Center sind im Durchschnitt jünger als er. "Einige sagen, sie kommen mit dem Geld hin, andere meinen, es reicht vorne und hinten nicht".


Stand: 27.09.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (33)

letzter Kommentar: 01.10.2012, 09:00 Uhr

Kleiner Wicht schrieb am 01.10.2012, 09:00 Uhr:
Qualilappen und Abdul Sauber auf den Punkt gebracht. Hört auf zu meckern und wählt endlich andere Parteien. Dann und nur dann wird sich in diesem Land etwas ändern.
realist schrieb am 28.09.2012, 18:47 Uhr:
@abdul: nicht schlecht.. aber welche partei macht wirklich mal eine veränderung, keine... ich kann auch nur vor der spd warnen, das was schröder, riester, hartz eingeführt haben hat nichts mit sozial zu tun, im gegenteil, so weit wäre die cdu im leben nicht gegangen. ich bin auch nur ein normaler arbeitnehmer, aber die spd würde ich nicht mehr wählen, sorry. das hauptproblem liegt nach meiner meinung in dem euro, das habe ich schon so oft mitgeteilt. mal sehen wie der eurowahnsinn enden wird, ich denke das wird im chaos enden und die bürger der eurozone werden sich wieder die "köpfe einschlagen".
Das Leihschwein schrieb am 28.09.2012, 09:01 Uhr:
Arbeiten gar nicht - Gehalt das Maximale. Das ist die Devise der Mitarbeiter in den aufgeblähten Büros deutscher PKW Premiumhersteller. Ihnen hatte die IGM eingeimpft, ihren Besitzstand kann ihnen keiner nehmen, kündigen kann man ihnen auch nicht, solange sie nicht kriminell sind. Keine Leistung erbringen, den ganzen Tag rumgammeln oder dösen ist auch kein Kündigungsgrund, der Konzern kann seine Arbeit outsourcen. Da zahlt der Konzern die Arbeit doppelt und hat damit auch kein Problem so lange der Kunde Premiumpreise für seine Premium PKW bezahlt. Dafür stimmen Betriebsrat, IGM der Leiharbeit, Dienst-, Werksvertrag, AÜG und versteckte AÜG in den Konzern zu. Da man externen Mitarbeitern nicht so hohe Gehälter zahlen kann wie den eigenen eignen sich Dienst-/Werkvertrag am besten zum Lohndumping. Es wird ein Festpreis vereinbart, wo es dem Konzern völlig egal ist mit wie vielen Mitarbeiter die Fremdfirma den Auftrag erledigt. Juristisch absolut saubere Sache.
Qualilappen schrieb am 27.09.2012, 20:38 Uhr:
Da muß ich @Abdul zusprechen: Wähle seit Jahrzehnten konsequent nichts was wir schon seit Uhrzeiten hatten und wundere mich, dass doch immer wieder die Gleichen das große Sagen zugesprochen bekommen - das ist echt arm! Hat der Deutsche soviel Angst vor Veränderungen an denen es vielleicht mal nicht ganz soviel zu meckern gäbe?
Abdul schrieb am 27.09.2012, 20:00 Uhr:
Ich würde für diesen Lohn auch nicht arbeiten gehen. Mir geht es da zum Glück besser. Ihr deutsche solltet euch endlich mal wehren. Aber ihr seid ja selbst zum Wählen gehen zu Faul, und wenn dann wählt ihr immer die drei großen Parteien. Ihr seid selber schuld. Macht euch darüber mal Gedanken.

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