150 Jahre Sozialdemokratie Glückwunsch, SPD!

Von Wolfram Goetz

Die deutsche Sozialdemokratie wird am Donnerstag (23.05.2013) 150 Jahre alt. Gegründet wurde sie in Leipzig, doch das Herz der SPD schlug lange im Ruhrgebiet. Auch heute noch? Im Dortmunder Stadtteil Hörde ist die SPD zwar stärkste Partei, leidet aber auch an Überalterung und Mitgliederschwund.


Herbert Wehner, Heinz Kühn, Willy Brandt
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Die Sozialdemokratie kann 150-jährigen Geburtstag feiern

Ortstermin im Dortmunder Stadtteil Hörde. Hier stand früher ein Stahlwerk, in dem die meisten Menschen arbeiteten. Und die meisten, die dort arbeiteten, wählten SPD. Und stärkste Partei sind die Sozialdemokraten in Hörde auch heute noch. Der SPD-Ortsverein Hörde-Süd trifft sich, ganz klassisch, im Hinterzimmer einer Kneipe. Paul Saecker ist seit fast 40 Jahren dabei. "Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Und für einen Arbeiter gab es nichts anderes, als die SPD zu wählen", so Saecker. "Ich fühle mich hier aufgenommen und wohl in der Partei. Und mit den Themen kann ich mich anfreunden."

Gefeiert wird - trotz Streitereien


Ferdinand Lassalle
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Ferdinand Lassalle, Mitbegründer der Sozialdemokratie

Aktuell geht es im Ortsverein darum, dass der Stadtbezirk bei der nächsten Kommunalwahl einen Wahlkreis verlieren soll. Das will die Dortmunder SPD-Spitze so. Die Genossen an der Basis fühlen sich übergangen. Trotz solcher alltäglichen Streitereien sind für den Ortsverein 150 Jahre SPD ein Grund zu feiern, auch für den Vorsitzenden Bernhard Klösel: "Die SPD steht seit ihrer Gründung für soziale Gerechtigkeit und für Veränderungen im Interesse der kleinen Leute. Ich bin niemand, der im nachhinein sagt, alles an der Agenda-Politik war schlecht. Ich habe ihr damals zugestimmt, aber wir hätten sehr viel früher die Auswüchse von Leiharbeit ein Stückt weit eindämmen müssen."

Soziale Gerechtigkeit, das ist auch für die anderen im Raum immer noch das wichtigste Stichwort. So auch für Sebastian Rath, der sich als Historiker mit der Geschichte seiner Partei beschäftigt hat. Er verweist unter anderem darauf, dass die SPD für das Frauenwahlrecht verantwortlich sei. "Seit 1919 gibt es das Frauenwahlrecht. Und die SPD war die Partei, die die zentrale Rolle in der Revolution 1919 gespielt hat", so Rath.

Unterstützung für Peer Steinbrück


In der jüngeren Geschichte sorgte vor allem die Agenda 2010 für heftige Diskussionen in der Dortmunder SPD. Auch der heutige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück steht für die umstrittenen Sozialreformen. Die Genossen im Ortsverein Hörde-Süd stehen dennoch hinter ihm. Auch der arbeitslose Sebastian Rath hält Steinbrück für den richtigen Kandidaten. "Ich gehöre vielleicht einem anderen Flügel der Partei an, aber er ist unser gewählter Kandidat", bekräftigt Rath. Und schließlich könne Steinbrück gut Reden halten. "Deshalb ist er so teuer. Dass das nicht immer vorteilhaft war, das sehe ich ein, das weiß dieser Mann auch. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit Peer Steinbrück eine gute Wahl haben und auch noch ordentlich Stimmen einfangen werden", gibt sich der Historiker kämpferisch.

Überalterung und Mitgliederschwund

Das sehen die anderen Ortsvereinsmitglieder ähnlich. Miriam Hütsch und Leif Schmidt finden die Diskussion um Steinbrücks bisherige verbale Fehltritte etwas unfair. "Ich finde das ein bisschen unglücklich, wie er sich teilweise geäußert hat. Aber ich finde, man sollte das, was er vertritt, hervorheben", so Hütsch. Und Leif Schmidt ergänzt: "Ich finde, dass es bestimmte Wahrheiten gibt, die auch ausgesprochen gehören." Peer Steinbrück sei da sehr direkt. "Das mag nicht jedermanns Sache sein. Aber vieles von dem, was er sagt, wird ja hinterher auch wieder aufgegriffen. Und ich würde mir wünschen, dass da ein positiveres Echo kommt, wenn inhaltlich richtige Sachen gesagt werden."


Schmidt ist mit 40 Jahren noch einer der Jüngeren im SPD-Ortsverein Hörde-Süd. Die Partei leidet unter Überalterung und Mitgliederschwund, auch in Dortmund. Alles kein Grund zur Verzweiflung, meint aber Paul Saecker. Die Gesellschaft habe sich eben gewandelt: "Die Jüngeren lassen sich nicht mehr so einbinden. Für spontane Aktionen kann man den einen oder anderen sicherlich gewinnen", so Saecker. Doch letztendlich hätte alle Vereinigungen heute die gleichen Probleme. Aber der SPD-Veteran gibt sich optimistisch: "Ich glaube, ganz so schlecht sieht es bei uns gar nicht einmal aus."


Stand: 23.05.2013, 07.32 Uhr



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