Internetsicherheit Surfen ohne Schaden

Sie finden, speichern und verkaufen Informationen über Alter, politische Überzeugung und Gesundheit: Viele Firmen leben davon, dass sie die "digitale Identität" der Internet-Nutzer kennen. Autor Steffan Heuer gibt Tipps, wie man sich schützen kann.


Google, Facebook, Twitter - die Nutzung all dieser Dienste ist kostenlos. Zumindest bezahlen wir sie nicht mit Geld. Wohl aber mit unseren Daten. Dem Autor Steffan Heuer zufolge sind diese Daten die Währung unserer Tage. Mit der Journalistin Pernille Tranberg zusammen zeigt er in dem Buch "Mich kriegt ihr nicht!", was man tun muss, um sich vor unerwünschtem Datenklau zu schützen. Seine Tipps:

Steffan Heuer

Steffan Heuer hat Geschichte und Volkswirtschaft in Berlin und New Orleans studiert und die Journalistenschule der Columbia University in New York absolviert. Seit 1995 ist er US-Korrespondent verschiedener deutschsprachiger Medien, unter anderem des Wirtschaftsmagazins brand eins und des Technology Review Deutschland. Er lebt in San Francisco.

Soziale Netzwerke


Passen Sie die Privatsphäre-Einstellungen aller Dienste, die Sie nutzen, genau Ihren Bedürfnissen an und kontrollieren Sie die Einstellungen regelmäßig. Pflegen Sie Ihre Kontaktliste in sozialen Netzwerken regelmäßig, damit Sie immer wissen, wer zu sehen bekommt, was Sie veröffentlichen. Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Kontakte in Gruppen zu unterteilen, damit nur echte Freunde wirklich Privates zu sehen bekommen.

Lassen Sie sich vom sozialen Netzwerk Ihrer Wahl benachrichtigen, wenn Sie jemand auf einem Foto markiert. Schreiben Sie auf öffentlich zugänglichen Seiten wie Twitter, Blogs oder Foren immer mit Bedacht.

Internetidentität überprüfen


Symbolbild Person vor Tastatur, Klarname-Pseudonym
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Googeln Sie regelmäßig Ihren eigenen Namen

Googeln Sie regelmäßig Ihren eigenen Namen, beachten Sie dabei auch die Resultate in der Bildsuche. Überprüfen Sie die Resultate, die eine spezielle Personensuche wie 123people.ch über Sie anzeigt. Wenn Ihr Name einzigartig genug ist: Richten Sie einen Google Alert ein, damit Sie eine Nachricht erhalten, wann immer Google einen neuen Eintrag zu Ihrem Namen im Netz findet.

Veröffentlichen Sie keine Privatfotos auf öffentlich zugänglichen, von Suchmaschinen erfassten Seiten.

Imagepflege

Bestücken Sie eine eigene Website oder das Profil bei einem berufsorientierten Netzwerk wie Xing und LinkedIn mit genau jenen Informationen, die man über Sie im Netz finden soll, und verlinken Sie wo immer möglich auf diese Seiten, damit sie in den Suchresultaten prominent erscheinen.

Kontaktieren Sie Personen, die Inhalte im Netz veröffentlicht haben, die Ihnen schaden könnten, mit der Bitte, die Inhalte zu entfernen.


Beauftragen Sie einen professionellen Anbieter wie Reputation Defender, Ihren Ruf im Netz zu pflegen.

Digitale Selbstverteidigung


Verwenden Sie mehrere Browser, wechseln Sie zwischen mehreren Browsern ohne dabei die Einstellungen zu importieren. Firefox ist nach Expertenmeinungen der beste Browser, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht. Sie haben weiterhin unter anderem die Wahl zwischen Chrome, Internet Explorer, Safari, Opera und Terra. Alle Browser haben Privatsphäre-Optionen in ihren Einstellungen. Sie sind aber gut beraten, zusätzlich Cookies zu blockieren und zu löschen, Blocking-Werkzeuge zu installieren und Ihr Webprotokoll zu bereinigen.

Verwenden Sie Blocking-Werkzeuge in ihrem Browser

Cookies können manuell gelöscht werden – mittels Blockadewerkzeugen für die Browser (als PlugIns gratis erhältlich für alle Browser) geht das aber automatisch und besser.  Bei privacyscore.com finden sich Listen der fleißigsten Datensammler.

So entfernen Sie Cookies manuell

Im Internet Explorer gehen Sie im Menü auf "Extras", ziehen die Internet-Optionen herunter, und wählen unter dem "Allgemein"-Tab: "Optionen zum Löschen aller Cookies". Möglicherweise gibt es Hunderte davon, es könnte also am einfachsten sein, alle zu löschen.

Im Firefox gehen Sie auf "Einstellungen", dann auf "Privatsphäre". Hier können Sie Ihre Geschichte, aber nur einige der Cookies löschen.

In Chrome gehen Sie auf "Einstellungen", "Datenschutz", "Inhaltseinstellungen". Hier sehen Sie all Ihre Cookies. Löschen Sie diese und Ihre Geschichte.

In Safari gehen Sie auf "Einstellungen" und die Registerkarte "Datenschutz".

So löschen Sie das Webprotokoll von Google


Google sammelt detaillierte Informationen über das Suchverhalten seiner Nutzer im Webprotokoll. Sie können Ihr Webprotokoll hier einsehen und löschen: google.de/history. Nach dem Einloggen klicken Sie auf "Gesamtes Webprotokoll entfernen". Damit sind nicht nur Ihre bisherigen Suchabfragen gelöscht, sondern werden auch neue künftig nicht mehr gesammelt. Google sammelt jedoch die Daten weiterhin zur eigenen Verwendung.

Verwenden Sie nicht zu viele Google-Dienste gleichzeitig

Wenn Sie viele Ihrer alltäglichen Aktivitäten bei Google erledigen – E-Mail, Suche, Picasa-Bilder, Translate, Maps und Dokumente –, händigen Sie Google zu viele Teile Ihres Identitätspuzzles aus. Das Unternehmen kann alle diese Datenpunkte in seiner weltumspannenden ID-Datenbank speichern und sich ein immer detaillierteres Bild von Ihnen machen. Wenn Sie das nicht möchten, sollten Sie sich nach alternativen Diensten umsehen, etwa:

Suchmaschinen wie Duckduckgo.com, blekko.com, startpage.com und ixquick.com für die anonyme Suche, die entweder keine Daten über ihre Nutzer und deren Suchabfragen sammeln oder sie en masse anonymisieren, wenn sie auf die großen Dienste zugreifen.

Benutzen Sie private E-Mail-Dienste wie Hushmail anstelle von Gmail, da sie den Inhalt Ihrer Korrespondenz nicht automatisch scannen.

Für Ihre Bilder können Sie einen Dienst wie Flickr – gehört zu Yahoo – benutzen.

Apples iCloud etwa erlaubt, bis zu 1.000 Fotos kostenlos zu speichern und sie als Streams mit einem Kreis ausgesuchter Empfänger zu teilen.

Wenn Sie eine eigene Webseite betreiben, verwenden Sie einen Analysedienst wie das Open-Source-Projekt Piwik statt Google Analytics, bei dem das Unternehmen mitliest.

Verschlüsseln Sie den Cloud-Speicher


Auch Daten bei Cloud-Diensten wie Google Drive, Skydrive oder Dropbox lassen sich via Verschlüsselung sichern. Dienste sind zum Beispiel Boxcryptor.com oder Cloudfogger.com. Aber besser noch: Verwahren Sie Ihre Daten und Backups auf einem sicheren Server.

Verwenden Sie Pseudonyme für Ihr privates Ich

Vermeiden Sie, Ihr privates Ich mit Ihrem professionellen Ich zu vermischen – eine verlockende Falle, die Netzwerke von Facebook bis Xing nur zu gerne nutzen.

Tun Sie so, als ob, wenn es um Ihr privates Ich geht: Benutzen Sie einen falschen Namen und andere falsche Angaben zur Person. Halten Sie die berufliche und die private Identität so gut wie möglich auseinander.

Ihre Freunde sollten natürlich Ihr Pseudonym wissen und umgekehrt. Denken Sie daran, bevor Sie sich an Diskussionen auf der Pinnwand eines Freundes beteiligen. Es verstößt zwar gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook oder Google, einen anderen Namen als den eigenen Klarnamen zu verwenden. Aber Ihre Privatsphäre sollte Ihnen wichtiger sein als eine Bestimmung, die nach Meinung von Fachleuten ohnehin gegen das deutsche Telemediengesetz verstößt.

Digitaler Tod


Finger tippen auf einer Computer-Tastatur.
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Daten existieren auch nach dem realen Tod weiter

Denken Sie daran, dass alle Informationen, Daten und Metadaten auch nach Ihrem realen Tod weiterhin existieren werden und eventuell ein Eigenleben entwickeln können. Sorgfalt bei der Datenpflege ist also auch in Bezug auf das digitale Vermächtnis gefragt.

Wenn sie sich für einen digitalen Tod entscheiden, können Sie bei Facebook über diesen Link ihr Konto löschen. Bei Twitter liegt der Link bei den Einstellungen unter "Konto deaktivieren". Die Nachrichten werden nach 30 Tagen gelöscht – wenn man sich unterdessen nicht wieder eingeloggt hat. Das Programm twitwipe.com löscht alle Kommentare auf einen Schlag, ohne dabei Konto und Follower anzutasten.


Stand: 15.04.2013, 13.17 Uhr



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