Hockey-Brüder Timo und Benjamin Wess : Eine Karriere fast im Gleichschritt
Die Brüder Timo und Benjamin Wess haben bei den vergangenen Olympischen Spielen mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft Gold gewonnen. In London wollen sie wieder gemeinsam für Deutschland um eine Medaille kämpfen.

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Hockey-Brüder Timo (l.) und Benjamin Weß
Angefangen hat die Erfolgsgeschichte der Brüder Wess im Keller des Elternhauses in Moers. Eins-gegen-eins. Immer wieder. Auf engstem Raum. "Der Keller war vielleicht 16 Quadratmeter groß", sagt Timo Wess. "Maximal", ergänzt sein Bruder Benjamin, den alle nur Benni rufen. Die beiden sitzen ganz entspannt im Foyer des Hockey- und Judozentrums an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Nicht nur auf dem Feld, auch im Gespräch spielen sie sich die Bälle zu.
"Ich würde ihn mitnehmen"
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- Audio: Portrait von Hockey-Nationalspieler Timo Wess [WDR 2] Ariana Gordjani, WDR 2 Morgenmagazin
Dabei sind Timo, 29 Jahre, und sein drei Jahre jüngerer Bruder Benni eigentlich Konkurrenten. Denn noch steht der Kader der deutschen Hockey-Nationalmannschaft für das olympische Turnier in London nicht. Bundestrainer Markus Weise will erst noch das Masters in Düsseldorf (21. bis 24. Juni) abwarten. Ein Vier-Nationen-Turnier mit Belgien, den Niederlanden, Spanien und Deutschland.
Die beiden Brüder bewerben sich um einen Platz in der Abwehr des deutschen Teams. Gut möglich, dass beide mitfahren. Möglich aber auch, dass nur einer den Sprung zu den Spielen 2012 schafft. Oder keiner von beiden? "Ich würde Timo mitnehmen", sagt Benjamin. "Für mich bist du aber der sichere Kandidat", sagt Timo. Und was sagt der Bundestrainer Markus Weise? Natürlich sagt er noch nichts. Zumindest nichts zur Nominierung. Außer, dass beide gute Chancen hätten. Aber das würde er wohl auch zu jedem anderen Spieler sagen. Beide Sportler haben ein erstaunliches Comeback hinter sich. Jeder auf seine Art. Timo nach einer Auszeit und Benni nach einer Verletzung.
Vertrauensperson im Team

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Gemeinsam erfolgreich: Benjamin (l.) und Timo Wess
Timo Wess hatte nach dem Erfolg bei den Olympischen Spielen in Peking seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Etwa drei Jahre lang war er nicht dabei. Im Mai 2011 fasste er dann den Entschluss, es noch einmal zu versuchen. Nach Gesprächen mit dem Bundestrainer. Aber auch mit seinem jüngeren Bruder. "Benni war ja die ganze Zeit bei der Mannschaft. Mit ihm habe ich darüber gesprochen, wie er meine Chancen sieht, zurück ins Team zu kommen", sagt Timo. Ein kleiner Rollentausch. Denn 2006 war Timo der Mentor für seinen jüngeren Bruder.
"Als ich neu in die Nationalmannschaft gekommen bin, war es schön einen Vertrauten zu haben", sagt Benni. Für seinen Bruder war es eine emotional schwierige Zeit. "Vor allem als es für Benni beim ersten Turnier nicht gereicht hat", sagt Timo. Auch 2008 vor den Olympischen Spielen war es schwierig. Bei Timo war relativ früh klar, dass er dabei sein würde. Benni musste bis zum Schluss zittern. Beide haben damals diesen Druck gespürt, erzählen sie.
Zurück nach Verletzung
Bennis Comeback in diesem Jahr ist ebenso erstaunlich. Vor neun Wochen fiel er nach einem Foul in einem Ligaspiel so unglücklich, dass er sich das Schlüsselbein brach. "Ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist", sagt Benni. Die Sorge, die Olympischen Spiele verpassen zu können, kam nur wenige Minuten später auf. Im Gespräch mit dem Arzt. "Der hat mir gesagt, dass ich nach einer solchen Verletzung neun bis zwölf Wochen benötigen würde, um wieder auf dem Platz zu stehen", sagt Benni. Das hätte nicht gereicht, um die entscheidenden Lehrgänge mitzumachen.
Die Diagnose war auch für Timo niederschmetternd. "Natürlich fühlt man da als Bruder besonders mit", sagt er. Erst als klar war, dass die Operation und die anschließenden Reha-Maßnahmen einen optimalen Heilungsverlauf eingeleitet hatten, wuchs die Zuversicht. "Benni ist in allem extrem. Er spielt mit extrem hohem Einsatz und genauso hat er sich auch in die Reha gestürzt", sagt Timo. Mit Erfolg. Benni Wess ist rechtzeitig fit geworden.
Ehrgeizig und zielstrebig

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Brüder im Turnier
Dieser Einsatz und der Ehrgeiz, mit dem sie ihre Ziele verfolgen, ist für Bundestrainer Weise auch ein ganz typisches Wess-Merkmal. "Darin sind sich beide – wenn auch auf ihre eigene Art – sehr ähnlich", sagt er. 22 Spieler hat er vor dem Turnier in Düsseldorf noch zusammen. Auf 16 plus zwei weitere Ersatzspieler muss er sein Aufgebot noch reduzieren. Die Wess-Brüder hoffen natürlich, dass sie dabei sein werden und ihr zweites Olympisches Turnier nach 2008 gemeinsam spielen können. Wie sie schon so vieles zusammen erlebt haben. Denn die meiste Zeit haben sie auch in den gleichen Clubs gespielt. Wie derzeit für den KTHC Stadion Rot-Weiß in Köln. Vom Keller und dem elterlichen Garten in Moers über verschiedene Clubs, bei denen sie gemeinsam gespielt haben, bis hin zu den Olympischen Spielen – eine Karriere fast im Gleichschritt.
"Wir wollen beide dabei sein"
Ob die beiden Brüder ihrer Erfolgsgeschichte noch ein weiteres Kapitel hinzufügen können, wird sich spätestens am Sonntag entscheiden. Nach dem Turnier in Düsseldorf wird Bundestrainer Markus Weise seine Nominierungsempfehlungen bekannt geben. "Wir wollen dabei sein", sagt Timo. "Beide", fügt Benni noch an. Dann verschwinden sie. Eine weitere Trainingseinheit und damit die nächste Etappe auf dem Weg nach London steht an.
Stand: 21.06.2012, 00.00 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 21.06.2012, 09:12 Uhr
- Ein Vertrauter schrieb am 21.06.2012, 09:12 Uhr:
- Gelungener Beitrag,... Auch ich würde mich freuen, wenn beide in London auflaufen würden. Ich wünsche euch gute Spiele und natürlich auch viel Glück bei euren Aktionen gemeinsam mit der Mannschaft, denn zum Erfolg gehört Können und Glück
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