Diskussion an der Kölner Sporthochschule Ein Fußballstar für sieben Minuten

Von Christian Steigels

Timo Heinze war als Nachwuchskicker des FC Bayern München ganz dicht dran am großen Traum vieler Fußballer. Am Mittwoch (28.11.2012) hat er sein Buch über diese Zeit in der Kölner Sporthochschule vorgestellt. Die Diskussionsrunde über den Weg zum Profi blieb aber meist flach.


Es waren nur sieben Minuten. Aber diese sieben Minuten wird Timo Heinze nie vergessen. Am 2. September 2008 war das, beim Abschiedsspiel des früheren Nationaltorhüters Oliver Kahn, zwischen Bayern München und der Nationalmannschaft (Endstand 1:1). Kurz vor dem Ende wurde der junge Rechtsverteidiger von Trainer Jürgen Klinsmann eingewechselt. Sein Einsatz im ausverkauften Münchener Stadion sollte der Höhepunkt in der Karriere des damals 22-Jährigen bleiben.

Mehr als vier Jahre später sitzt Timo Heinze in der Deutschen Sporthochschule Köln. Ganz so viele Zuschauer wie damals bei Oliver Kahns Abschiedspartie sind nicht gekommen, aber Hörsaal Eins ist mit 700 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben Heinze sitzen im größten Vorlesungssaal Jens Kleinert, ein Psychologe von der Sporthochschule Köln, und der Dortmunder Verteidiger Mats Hummels auf dem Podium. Hummels und Heinze spielten einst gemeinsam in der Reserve des FC Bayern München. Heute ist Hummels Stammspieler in der Nationalmannschaft, Heinze studiert im fünften Semester Sport und sagt: "Zu mehr hat es nicht gereicht. Aber diese sieben Minuten haben mir sehr viel bedeutet. Irgendwie hat sich dafür dann doch alles gelohnt."

Kapitän des FC Bayern München

"Traumberuf Fußballprofi. Ein Blick hinter die Kulissen" heißt die Veranstaltung, moderiert von ZDF-Moderator Sven Voss. Im Mittelpunkt steht Timo Heinze mit seinem Buch über seine Zeit bei den großen Bayern: "Nachspielzeit. Eine unvollendete Fußballkarriere". Der 26-Jährige galt einst als großes Talent.


Rückblick: Mit zwölf Jahren kommt er aus Rosenheim zum Rekordmeister, durchläuft dort alle Jugendmannschaften, wird deutscher Meister mit der A-Jugend und gibt mit 18 Jahren sein Debüt in der Reserve der Bayern, wo er sogar Kapitän wird. Doch während viele seiner einstigen Kollegen von damals heute in der Bundesliga spielen, schafft Heinze den Sprung nicht. Mit 19 hat er einen doppelten Leistenbruch. Er muss ein Jahr pausieren. Heinze kämpft sich zwar zurück, aber mental ist er "nie mehr der Alte", wie er heute sagt. Trainer Hermann Gerland setzt nicht mehr auf ihn, Heinze wird vom Kapitän zum Pendler zwischen Bank und Startelf. Er wechselt nach Unterhaching, kann sich auch dort nicht durchsetzen und beendet schließlich mit 24 Jahren seine Karriere.

Heinze braucht eine Weile, um die Enttäuschung zu verarbeiten. "So richtig weiß ich bis heute nicht, warum es nicht geklappt hat", sagt er in rückblickend. Er reist ein Jahr um die Welt und schreibt auf, was er in seiner Zeit als zukünftiger Fußball-Profi erlebt hat. Herausgekommen ist dabei ein Fußballbuch, dass anders ist als vergleichbare Werke. Heinze tritt nicht nach, er erinnert sich ohne Groll und sucht nach Erklärungen für sein Scheitern.

Freunde statt Konkurrenten

Ein solches Buch ist eigentlich keine schlechte Steilvorlage für eine spannende Diskussion. Doch wie jungen Sportlern geholfen werden kann mit dem Scheitern, mit dem Misserfolg umzugehen oder welche soziale Verantwortung die Vereine gegenüber Kindern und Jugendlichen in einem Geschäft haben, in dem mittlerweile bereits Achtjährige von großen Vereinen verpflichtet werden - diese Fragen werden am Mittwoch (28.11.2012) im Audimax nicht beantwortet.

Es gibt zwar interessante und durchaus berührende Momente, wenn Heinze zum Beispiel von seiner Verletzung erzählt, und davon, wie ihn keiner seiner Kollegen besuchen kam. Da bekommt man eine Ahnung davon, dass Fußballmannschaften bei allem Zusammenhalt und aller "Elf-Freunde"-Rhetorik vor allem Zweckgemeinschaften und vermeintliche Freunde auch Konkurrenten sind - und dass eben dieser Zustand von den Verantwortlichen befeuert wird.

Von angeblichen Träumen eines jeden Jungen

Doch die interessanten Momente bleiben rar. Psychologe Jens Kleinert, BVB-Star Mats Hummels und Timo Heinze sprechen mit Moderator Sven Voss lieber darüber, dass es doch der Traum eines jeden Jungen sei, Fußballprofi zu werden. Oder wie es ist, für die Bayern zu spielen. Dazu ein paar alte Schwänke, wie Heinze Hummels einst im Badminton vernichtend besiegte. Oder war es beim Squash? So genau können sie sich nicht mehr erinnern. Jens Kleinert kommt selten zu Wort, dabei hätte der vermutlich am meisten zu sagen. Der Psychologe engagiert sich in der Initiative "Mental gestärkt", die sich für psychische Gesundheit im Leistungssport einsetzt.

Am Ende des Abends kommt schließlich die gute Nachricht: Timo Heinze hat mittlerweile seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht. "Ich hatte immer Spaß am Fußball, aber am Ende nicht mehr. Da habe ich gemerkt, dass ich aufhören sollte. Und das war die richtige Entscheidung. Es könnte mir nicht besser gehen heute."


Stand: 29.11.2012, 11.03 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 04.12.2012, 16.27 Uhr

Chris schrieb am 04.12.2012, 16.27 Uhr:
Noch so ein überflüssiges Buch welches niemand gebrauchen kann...
spacedrummer schrieb am 30.11.2012, 08.15 Uhr:
Heute schreibt jeder Wichtigtuer ein Buch und wenn es dazu beiträgt, die Wahrheit zu beschönigen und die Menschen von den wirklich wichtigen Dingen abzulenken, darf er sich der schmierigen Unterstützung durch die Medien sicher sein!
Friedlicher Fan schrieb am 29.11.2012, 17.23 Uhr:
Wahrscheinlich ist Heinze in der Netto-Liga unterwegs.
King Blue schrieb am 29.11.2012, 16.12 Uhr:
SCHAAAAAALKE!
peter schrieb am 29.11.2012, 14.31 Uhr:
ist doch eine simple rechnung - max 800plätze für profikicker (1+2bundesliga) -für topkicker vielleicht 300. und jahr für jahr versuchen vieleicht 50.000 "neue" es zu schaffen. der regelfall ist also , das man es nicht schafft, aus welchen gründen auch immer- anderes wid wichtiger, verletzungen... und das alle davon träumen es zu werden, das darf bezweifelt werden- ich und viele andere träumen ganz sicher nicht davon.

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