US-Stipendien für NRW-Sportler: Sprungbrett übern großen Teich
Für deutsche Leistungssportler wird es zunehmend schwierig, ihren Sport mit einer beruflichen Ausbildung zu vereinbaren. Eine Alternative bieten da Sportstipendien US-amerikanischer Unis. Zwei NRW-Sportler wagen den Sprung in die Staaten.

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Alina Königs steht vor einer neuen Herausforderung
Alina Königs nimmt noch einmal Anlauf. Mit drei kräftigen Sprüngen landet die junge Leichtathletin in der Sprunggrube des Mönchengladbacher Grenzlandstadions. Ihre Paradedisziplin, den Dreisprung, beherrscht die 19-Jährige perfekt. Demnächst wird die Mönchengladbacherin aber nicht Anlauf nehmen, um wie gewöhnlich in den Sandkasten der Leichtathletik-Anlage zu springen, sondern dann wird sie zum Sprung über den großen Teich ansetzen. Alina Königs hat ein Sportstipendium am Manhattan College in New York ergattert. Dank ihrer guten Erfolge in der Leichtathletik. So wurde sie 2010 bei den Deutschen Jugendmeisterschaften Zweite im Dreisprung.
Optimale Bedingungen, um Sport und Uni zu vereinbaren
Die ganz große Sportkarriere wird Alina sicher nicht mehr hinlegen, aber dennoch konnte sie am Ende zwischen mehreren Stipendien in den USA wählen. Mehrere US-Colleges wollten die junge Athletin gerne in ihrem Hochschulteam haben. Als Gegenleistung werden Alina fast alle Studiengebühren erlassen, sie bekommt Unterkunft und Verpflegung gestellt und kann sich neben der Leichtathletik einem Wirtschaftsstudium widmen. Für die junge Mönchengladbacherin sind das optimale Bedingungen, sie kann ihren Sport weiter betreiben und nebenher eine gute akademische Ausbildung absolvieren, und das fast kostenfrei. "Viele meiner Freunde und Bekannten beneiden mich um diese Möglichkeit und haben mich auch schon gefragt, wie ich das gemacht habe."
Im August startet das Herbstsemester in den USA
In der Innenstadt von Münster sitzt Philipp Liedgens in seinem Büro. Der Stress der letzten Wochen fällt etwas von dem groß gewachsenen Mann ab. Liedgens ist Geschäftsführer der Vermittlungsagentur sport-scholarships.com. Der August ist der anstrengendste Monat für ihn und seine Mitarbeiter. In dieser Zeit gehen die meisten Athleten von Deutschland in die USA, denn in den Staaten beginnt dann das Herbstsemester. In den letzten Wochen musste noch intensiv an den Startberechtigungen für viele Sportler gearbeitet werden. Die Drähte in die USA glühten, E-Mails wurden verschickt und Kopien per Fax angefordert. 130 Athleten vermittelt die Agentur pro Jahr in die USA. Bewerben kann man sich für fast jede Sportart - von Wasserball über Rudern bis Gewehrschießen. Dabei muss man kein absolutes Sport-Ass sein, besonders in Sportarten, in denen die Amerikaner selbst nicht über das ganz hohe Niveau verfügen, stehen die Chancen gut.
Nur Sport zu wenig

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Michael Schwinn: "Uni nimmt keine Rücksicht auf Leistungssport"
Einer, der es ebenfalls geschafft hat, ist Michael Schwinn. Bis zum Ende der Saison war er noch Ersatzkeeper der U21-Mannschaft des 1.FC Köln. Sein Abitur legte er schon im vergangenen Jahr ab. Deshalb konnte er sich in der abgelaufenen Saison komplett auf den Fußball konzentrieren. Doch auf Dauer war ihm das zu wenig. "Nur Fußball den ganzen Tag, das war nicht gut. Ich habe gemerkt, dass ich auch noch etwas für den Kopf brauche." Da Studium und Leistungssport in Deutschland nur schwierig zu vereinbaren sind, gab der 20-Jährige eine kostenlose und unverbindliche Chancenschätzung bei der Münsteraner Agentur ab. Hierbei tragen die Athleten ihre sportlichen Leistungen, Erfolge und auch ihre Schulbildung ein. Schnell bekam er aus Münster die Rückmeldung, dass die Chancen für ein Sportstipendium gut standen.
Im Februar 2012 absolvierte Schwinn dann mit anderen potentiellen Stipendiaten ein Vorspielen in Duisburg, zu dem auch diverse Coaches aus den USA einflogen. Anscheinend machte der junge Torhüter eine gute Figur, denn er ging am Ende des Tages mit einem Sportstipendium der San Jose State University vom Feld. Zwar erhielt der Kölner erst einmal nur ein Teilstipendium - das heißt, die Studiengebühren werden ihm erlassen, für seine Unterkunft muss er selbst aufkommen. Sollte er sich aber in seiner ersten Saison zum sicheren Rückhalt seiner College-Mannschaft etablieren, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sein Stipendium aufgestockt wird.
Risiken wegen Verletzung oder Abfall sportlicher Leistung
Andererseits besteht natürlich sowohl für Alina als auch für Michael das Risiko, dass ihnen ihr Stipendium reduziert oder gar ganz gestrichen wird - sollten sie beispielsweise drastisch in ihrer sportlichen Leistung einbrechen oder sich so schwer verletzen, dass sie ihren Sport nicht mehr ausüben können. Der Gefahr sind sich die beiden bewusst. Doch Philipp Liedgens erklärt auch, dass die Sportler durch entsprechende Professoren-Gremien in den USA gut geschützt sind. Sie überwachen jeden Fall eines Stipendiaten, damit es für alle gerecht zu geht. So könne ein Trainer nicht einfach eigenständig das Stipendium reduzieren. Und: "Eine Verletzung gehört zu jeder Sportlerkarriere dazu und ist einkalkuliert", sagt er. Liedgens berichtet sogar von einer deutschen Läuferin, die mit einem Sportstipendium in die USA ging und sich in ihrem ersten Rennen eine so komplizierte Knieverletzung zuzog, dass sie nie mehr ein Rennen für ihre Uni absolvieren konnte. "Dennoch hat das College ihr die vollen vier Jahre bis zum Ende ihres Abschlusses das Stipendium weiter gezahlt."
Stand: 22.08.2012, 00.00 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 22.08.2012, 08:16 Uhr
- Helmut G. schrieb am 22.08.2012, 08:16 Uhr:
- Ich wünsche den jungen Sportlern/innen viel Glück bei ihrem USA-Aufenthalt! Aber gleichzeitig hoffe ich, dass sich dieses System in Deutschland nicht etabliert. Denn ich halte es für bedenklich, wenn Hochschulen die mittelmäßige Qualität ihrer Lehre durch sportliche Leistungen einiger Studenten/innen kompensieren. Genau das aber scheint mir der Sinn dieser Sportstipendien zu sein, oder etwas plakativ gesagt: "Wir sind zwar eine nicht so tolle Uni, aber wir haben ein paar tolle Sportler unter unseren Studenten." Hilft das den Mitstudenten bei ihrer Ausbildung? Könnte man das Geld für Stipendien und Trainer nicht sinnvoller zur Verbesserung der Lehre nutzen? Von mir aus können die Amerikaner dieses System ruhig weiter betreiben, aber ich hoffe sehr, dass es in Deutschland nicht übernommen wird. Universitäten sollten sich durch Studien- und Forschungsleistungen profilieren und nicht durch ein sportliche Erfolge ihrer Studenten (Sporthochschulen ausgenommen!).
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