Paralympics 2012 in London: Gold und Gänsehaut für Steffi Nerius
Die Paralympics gingen am Sonntag (09.09.2012) zu Ende - und die Leverkusenerin Steffi Nerius hat zwei Siege im Gepäck. WDR.de hat ehemalige Speerwerferin und heutige Erfolgstrainerin in London getroffen und erfahren, dass selbst eine dreifache Olympiateilnehmerin noch zu beeindrucken ist.

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Steffi Nerius und Matthias Mester
Steffi Nerius kennt das, so ein ausverkauftes Riesenstadion, diese knisternde Atmosphäre, diese donnernden Jubelstürme. Doch dass paralympische Wettkämpfe 80.000 Stadiongäste, ja sogar eine ganze Stadt in Begeisterung versetzen, das ist auch für Steffi Nerius neu. "Meine Lieblingsspiele waren Sydney. Aber das hier kommt auf jeden Fall an Sydney heran."
In Australien hat Nerius im Jahr 2000 als Vierte eine olympische Speerwurf-Medaille knapp verpasst. Vier Jahre später gewann sie Silber in Athen, 2009 feierte sie zum perfekten Abschluss ihrer großen Karriere den Weltmeistertitel in Berlin. Ihrem Sport ist sie treu geblieben, als Trainerin beim TSV Bayer Leverkusen und beim Deutschen Behindertensportverband (DBS). Deshalb war sie nun auch in London dabei - und führte ihre Athleten zu zwei Goldmedaillen.
Rehm und Dietz triumphieren

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Markus Rehm beim Training
Den Anfang machte Weitspringer Markus Rehm, den Nerius bei Bayer Leverkusen betreut. "Richtig stolz" sei sie auf "den Jungen", der den alten Weltrekord gleich zweimal überbot. Das zweite Gold holte Diskuswerfer Sebastian Dietz, für den Nerius als Wurftrainerin des DBS zuständig ist. "Sie hat mir sehr geholfen", sagte Dietz über seine Trainerin.
"Mit meinen Athleten bin ich total zufrieden, fast alle sind an ihre Bestleistungen herangekommen", sagt die 40 Jahre alte Leverkusenerin. "Es gab zwar auch Ausreißer, aber das ist normal." So verpasste beispielsweise Matthias Mester als Siebter eine Medaille im Speerwurf. Der Mitfavorit war allerdings auch lange verletzt und hätte in dem starken Endkampf eine persönliche Bestleistung gebraucht, um überhaupt Bronze zu gewinnen. Auch Kugelstoßer Matthias Uwe Schulze blieb als Fünfter unter seinen Möglichkeiten. "Er hatte ein wenig lahme Beine", sagt Nerius, "vielleicht hat ihn die Atmosphäre beeindruckt."
"Unglaublich fachkundig"
Matthias Uwe Schulze startete am Donnerstag (06.09.12), als der Brite Jonnie Peacock gegen Oscar Pistorius Gold über 100 Meter gewann. Das Olympiastadion bebte, als hätte die englische Fußball-Nationalmannschaft gerade den WM-Titel gewonnen. Die 80.000 Zuschauer feierten jeden britischen Starter wie einen Superstar, aber auch die nicht-britischen Sportler erhielten fairen Applaus. "Gänsehaut pur", sagt selbst Nerius, die in ihrer langen Karriere schon vieles erlebt hat.

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Steffi Nerius
Bereits 2004 war Nerius bei den Paralympics von Athen als Trainerin dabei. "Damals wurden noch Scharen von Kindern in die Stadien eingeladen, um die Ränge zu füllen." 2008 waren die bombastischen Anlagen der Spiele in Peking schon deutlich besser besucht. Doch in London passierte mehr: "Das Publikum hier war unglaublich fachkundig", sagt Nerius. Nachdem sich viele Londoner die teuren Karten der Olympischen Spiele nicht leisten konnten, griffen sie begeistert bei den günstigeren Paralympics-Tickets zu. Der olympische Park war jeden Tag selbst morgens schon sehr voll, bei schönem Spätsommerwetter herrschte eine Stimmung wie bei einem Volksfest. "Es ist phänomenal, wie sich der Behindertensport in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat", sagt Nerius.
Bald Bundestrainerin der Speerwurf-Jugend
Trotz aller Begeisterung könnte die Erfolgstrainerin jedoch künftig seltener beim paralympischen Sport zu sehen sein. Aller Voraussicht nach übernimmt sie zum 1. Oktober 2012 das Speerwurf-Jugendtraining im C- und D/C-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes - zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben. "Das wird ein Test. Nach einem Jahr werde ich sehen, was mir wichtig ist. Dann werde ich eine Aufgabe streichen." Allerdings will sie ihren Job bei Bayer Leverkusen auf jeden Fall behalten. "Die Arbeit macht mir richtig Spaß, ich trainiere dort vielversprechende Athleten." Vermutlich wird sie also auch bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro dabei sein - und mitverfolgen, ob die Stimmung der Londoner Paralympics noch zu toppen ist.
Stand: 09.09.2012, 06.00 Uhr
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