Drei Olympiastützpunkte betreuen Athleten Letzter Feinschliff für Sportler aus NRW

Von Simone Maurer

Die letzten Salti werden im Training geturnt und die letzten Bahnen im Wasser gezogen: Für die Olympiateilnehmer aus NRW geht eine lange Vorbereitungszeit zu Ende. Unterstützt wurden sie dabei von den drei Olympiastützpunkten im Land.


Eine Trurnerin schlägt einen Salto
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Bei den Vorbereitungen werden die Athleten von den Olympiastützpunkten unterstützt

Degen-Fechterin Britta Heidemann lächelt, genauso wie Leichtathlet Wojtek Czyz und die Turnerin Oksana Chusovitina, während Fünfkämpferin Lena Schöneborn mit dem Siegerstrauß winkt und Judoka Ole Bischof die Faust reckt. Wer den Olympiastützpunkt (OSP) Rheinland in Köln betritt, bewegt sich im Schatten der besten Athleten. Die Porträts der Olympia- und Paralympicssieger 2008 in Peking zieren die Wände des engen Flurs. Im ersten Stock liegt das Büro von Michael Scharf. Seit acht Jahren leitet er den Olympiastützpunkt Rheinland. "Im Olympiajahr gibt es für uns viel zu tun", sagt Scharf.

Drei Olympiastützpunkte in NRW


Schild OSP Rheinland
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Der Olympiastützpunkt in Köln

Nur wenige Mitarbeiter streifen noch durch die Flure. Derzeit sind sie ausgeflogen und verpassen den Olympioniken den letzten Feinschliff. Andere reisen mit Kameras, Laptops und weiteren Hightech-Geräten zu den Trainingsstätten der Paralympicsteilnehmer und führen noch die letzten Messungen durch. Köln ist einer von drei Olympiastützpunkten im Land - neben Rhein-Ruhr (Essen) und Westfalen (Dortmund). Bundesweit gibt es 19 solcher vom Bund und den Ländern geförderten Einrichtungen, die einst wegen der schlechten Medaillenbilanz nach den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gegründet wurden. Die Stützpunkte arbeiten als Dienstleister im Hintergrund. Ihr Angebot umfasst in erster Linie Service- und Betreuungsangebote für Kaderathleten und deren Trainer. So werden zum Beispiel Fußstellungen für den optimalen Absprung analysiert oder Bewegungen der Sportler digitalisiert und ausgewertet. Neben der Leistungsoptimierung zählen Massagen, Physiotherapie, psychologische Betreuung und Hilfe bei der Berufswahl und im Studium zum weiteren Angebot.

Comeback dank Rehatraining

Wie wichtig das sein kann, hat Hockey-Spieler Benjamin Weß erfahren. Mitte April hatte sich der Europameister und Olympiasieger von 2008 in einem Meisterschaftsspiel seines Klubs Rot-Weiss Köln einen Schlüsselbeinbruch zugezogen und musste mehrere Wochen pausieren. Statt zu den entscheidenden Lehrgängen für die Olympia-Qualifikation zu fahren, absolvierte er das Rehatraining am OSP und schaffte trotz allem den Sprung ins Olympiateam.


Turnerin Oksana Chusovitina ließ sich in den vergangenen Monaten ebenfalls immer wieder von den Physiotherapeuten behandeln. Die gebürtige Usbekin tritt mit 37 Jahren in London bei ihren sechsten Olympischen Spielen an und will eine weitere Medaille. "Oksana fußt ganz stark auf unser medizinisches System. Wenn eine Athletin in dem Alter noch immer starten kann, dann ist das bei einem gewissen Verschleiß, den die Sportart Turnen mitbringt, eine hochgradige medizinische Leistung", sagt Michael Scharf.

Volle Konzentration auf den Leistungssport


Eine Frau in einem Judoanzug jubelt während die Gegnerin am Boden auf dem Rücken liegt
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Miryam Roper freut sich auf ihre ersten Olympischen Spiele

"Die Betreuung ist super, ich habe fast alle Angebote genutzt", lobt Judoka Miryam Roper und Teamkollege Andreas Tölzer stimmt mit einem Kopfnicken zu. Viele Stunden haben sie während der Vorbereitung im Kraftraum des Leistungszentrums Gewichte gestemmt. Im Gegensatz zu Tölzer ist die Kämpferin vom TSV Bayer Leverkusen eine Spätstarterin und nimmt mit 30 Jahren erstmals an den Olympischen Spielen teil. Im Moment konzentriert sie sich voll auf den Leistungssport. Doch das war nicht immer so. Bevor sie zur Sportfördergruppe der Bundeswehr kam, arbeitet sie neben Studium und Training bis spät in die Nacht als Kellnerin. Das kostete viel Kraft.

Mit Hightech zum Erfolg


Ein Stabhochspringer überquert bei einem Sprung die Latte
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Hoch hinaus will Stabhochspringer Björn Otto

Stabhochspringer Björn Otto liebt das Fliegen und will so hoch wie möglich hinaus. Dazu nutzt er die biomechanische Leistungsdiagnostik bereits während des Wettkampfs. Von OSP-Mitarbeiter Falk Schade bekommt er genaue Angaben zur Griffhöhe, Anlaufgeschwindigkeit oder der maximalen Sprunghöhe zugespielt. Letztere hatte beispielsweise während eines 5,88-Meter-Sprungs bei der Europameisterschaft in Helsinki das Potenzial von 6,05 Metern. Solche Rückmeldungen sind für die Auswahl der Stäbe letztlich entscheidend: Denn wer die Latte hochlegt, muss einen härteren Stab springen.

Am Ende entscheiden Zentimeter und Sekunden

In diesem Jahr erfüllen sich 111 NRW-Athleten der drei Olympiastützpunkte Rheinland, Rhein-Ruhr und Westfalen den Traum von Olympia. Mit 57 Teilnehmern stellt der OSP Rheinland das größte Kontingent in der deutschen Olympia-Mannschaft. "Nordrhein-Westfalen hat sich unabhängig von der Regierung seit 2000 immer klar zum Leistungssport bekannt und ihn entsprechend gefördert. Die Erfolge machen sich jetzt bemerkbar", sagt Michael Scharf. Und die Messlatte liegt hoch: Vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 holten die Athleten vom OSP Rheinland fünf Goldmedaillen, zwei Mal Silber, ein Mal Bronze – das waren rund 20 Prozent der deutschen Medaillen. Natürlich sei das Kriterium zu schauen, wie erfolgreich man ist. Olympia, Welt- und Europameisterschaften seien die Faktoren, an denen die Arbeit der Olympiastützpunkte bewertet wird, sagt Scharf.

Am Freitag wird er seine Athleten offiziell nach London verabschieden und ihnen sagen: dass sie das Beste geben sollen. Am Ende sind es Zentimeter und Sekunden, die über Sieg oder Niederlage entscheiden – und auch darüber, welches Porträt die kommenden vier Jahre im Flur vor seinem Büro hängen wird.


Stand: 19.07.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 19.07.2012, 08:28 Uhr

Dirk Festerling schrieb am 19.07.2012, 08:28 Uhr:
Liest eigentlich irgendjemand noch mal Korrektur?