Interview - NRW-Botschafter bei Olympia Zweimal London und zurück

Lukas Beuting setzt sich in London für die Inklusion im Sport ein - er ist Betreuer für Sportler mit Behinderung. Mit WDR.de sprach der 21-Jährige vor seiner zweiten Londonreise zu den Paralympics in zwei Wochen über das Olympia-Fieber und besondere Momente in London.


Sven Ritschar und Lukas Beuting (rechts) (Beide Botschafter)
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Olympia-Botschafter Sven Ritschar (l.) und Lukas Beuting vor der Tower Bridge

Als einer von zwanzig Olympia-Botschaftern des Sportbundes Nordrhein-Westfalen war Lukas Beuting bei den Olympischen Spielen in London. Unter dem Motto "Bridging the Gap" hat sich der 21-Jährige aus dem westfälischen Emsdetten dort für gelebte Inklusion im Sport eingesetzt. Er hat Workshops zum Thema gegeben und Menschen mit Behinderung betreut. Für die Paralympics reist er in gut zwei Wochen noch einmal nach London. Im Gespräch mit WDR.de erzählt er, was ihn an des Spielen in London fasziniert und warum die Paralympics so wichtig sind.

WDR.de: Sie sind gerade aus London zurück – was bleibt hängen?

Lukas Beuting: Die Stimmung vor Ort. Man hat dieses Olympia-Fieber gespürt. Und natürlich so hautnah dabei zu sein. Man kennt das Ganze sonst nur aus dem Fernsehen. Die bekannten Athleten in der U-Bahn zu treffen war toll – ich habe da plötzlich neben den britischen Schwimmern Liam Tancock und Caitlin McClatchey gesessen. Auch die Medaillen der deutschen Ruderinnen des Doppelvierers aus der Nähe zu sehen war ein besonderer Moment.

WDR.de: Sie waren für den Sportbund Nordrhein-Westfalens als einer von zwanzig Olympia-Botschaftern bei den Olympischen Spielen.


Lukas Beuting (Botschafter)
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Lukas Beuting beim Handballspiel Kroatien – Ungarn

Lukas Beuting: Ja, so heißt das offiziell. Dafür bewerben konnte ich mich, da ich im letzten Jahr beim TV Emsdetten (2. Handball-Bundesliga) ein freiwilliges soziales Jahr gemacht habe. Ich war total überwältigt, als ich die Zusage bekam. Damit hatte ich niemals gerechnet. Vor Ort habe ich jetzt zum Beispiel einen Praxis-Workshop gegeben. Da ging es um den Versuch Handball so umzuschreiben, dass wirklich jeder mitmachen kann. Rollstuhlfahrer, Leute die eine geistige Behinderung haben - also Inklusion im Handball. Das war so mein Aufgabenfeld.

WDR.de: Für die Paralympics reisen Sie Ende August erneut als Botschafter nach London.


Lukas Grolms(Botschafter), Marie Vallerius (Teilnehmerin Sportjugend goes London Rollifahrerin) und Lukas Beuting (rechts) (Botschafter)
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Botschafter Lukas Grolms und Lukas Beuting (r.) mit Teilnehmerin

Beuting: Genau. Da geht es dann aber mehr um die Betreuung. Wir sind sogenannte Buddys. Uns werden behinderte Menschen zugeteilt, um die wir uns Tag und Nacht kümmern müssen. Wir sind der erste Anlaufpunkt, wenn sie Fragen oder Probleme haben und wir sorgen dafür, dass sie auch mal live bei einer Veranstaltung dabei sein können. Für die Wettkämpfe haben wir dieses Mal sehr gute Tickets. Da sind wir noch näher dran als jetzt bei Olympia. Wir haben auch einige Sportler dabei, die auch bei den Spielen antreten. Insgesamt werden wir mit rund 50 Personen anreisen - Leute mit Behinderung, Athleten, medizinisches Personal und Buddys.

WDR.de: Stichwort Inklusion – bei Olympia ist mit dem Südafrikaner Oscar Pistorius in diesem Jahr erstmals ein doppelt unterschenkelamputierter Läufer gestartet. Wie finden Sie das?


vlnr : Nadine Müller(Teamerin) , Lars Hohlbein(Botschafter),Britta Oppelt(Kanu Vierer) ,Sarah Born(Teilnehmerin Sportjugend goes London), Lukas
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Lukas Beuting (r.) mit Silbermedaillen-Gewinnerin Britta Oppelt

Beuting: Auf der einen Seite finde ich das gut. Da merken die Leute mal, dass auch solche Sportler Top-Leistungen erbringen und dass das sehenswert ist. Andererseits muss man natürlich auch ein bisschen den Aspekt der Abwertung der paralympischen Spiele sehen. Nicht dass das Ganze dann nach dem Motto läuft "Die Athleten der Paralympics sind mir zu schlecht, da werde ich sowieso Erster." Ich denke, dass man da ein bisschen einen Mittelweg finden muss. Aber generell finde ich das super, dass der da mitgelaufen ist. Auf jeden Fall macht Pistorius so Werbung für den Behindertensport.

WDR.de: Werden die Paralympics deswegen im Vergleich mit den regulären Spielen weniger beachtet, weil die Werbung fehlt?

Beuting: Das ist eine schwierige Frage. Ich denke einfach, dass sie weniger beachtet werden, weil vielleicht nicht diese extremen Rekorde erreicht werden, wie jetzt einen 100 Meter Lauf unter 10 Sekunden zu laufen. Das ist bei den Paralympischen Spielen nicht möglich. Dass diese Athleten aber auch unglaubliche Leistungen erbringen ist vielleicht in der ganzen Welt noch nicht so angesehen. Aber ich denke, dass da in Zukunft ein immer größerer Aufwand betrieben werden wird, damit auch diese Spiele mehr im Fokus stehen.

Das Interview führte Daniela Herrmann


Stand: 13.08.2012, 09.00 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 13.08.2012, 13:02 Uhr

Frau Bratbecker schrieb am 13.08.2012, 13:02 Uhr:
Hallo Apfel, wieso "normale Olympiade"? ;) Für mich sind die wahren Sporthelden die TeilnehmerInnen der Paralympics und ich beneide Beuting um die Gelegenheit, dabei hinter die Kulissen zu schauen.
Apfel schrieb am 13.08.2012, 12:24 Uhr:
Vielen Dank an Herr Beuting für seine Mission in London! Solche Unterstützer, Helfer und Botschafter sind immens wichtig für den Sport und das gesammte Zusammenleben. Sein Einsatz für Menschen mit Behinderung ist lobenswert und wenn er wieder zu den Paralympics nach London fährt wird er sicherlich auch ein großartiges Erlebenis haben wie jetzt bei der normalen Olympiade. Für ihn springen großartige Momente und Erinnerungen raus und dafür hilft er Menschen im leben, man kann dabei nicht verlieren!