Kristof Wilke vom Deutschlandachter: Der Kapitän von der Uni Bochum
Kristof Wilke ist so etwas wie der Kapitän des Deutschlandachters. Der Student aus Bochum gibt als Schlagmann den Rhythmus vor. In den letzten Trainingswochen vor den Olympischen Spielen sprach er mit WDR.de über das gesetzte Ziel seiner Mannschaft: Gold.

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Gibt im Achter den Schlag vor: Kristof Wilke
Kristof Wilke gähnt – der 1,90-Meter-Hüne ist müde. Kein Wunder. Wilke und seine Kollegen vom Deutschlandachter absolvieren gerade ihre letzten Wochen intensiver Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Und die haben es in sich. Morgens um sieben Uhr geht es zum ersten Training ins Wasser, was zumindest bei Wilke ein ganz frühes Aufstehen bedeutet. "Ohne Frühstück kann ich nicht trainieren. Sonst wird mir irgendwann flau. Also muss ich noch früher aufstehen als andere", erzählt der 91-Kilogramm-Mann, der im deutschen Team der so genannten Ruder-Königsklasse so etwas wie der Teamkapitän ist. Wilke sitzt seit Anfang 2011 auf der Position des Schlagmanns. An erster Stelle im Boot, gleich hinter dem Steuermann, der mit seiner Flüstertüte die Taktik ansagt. Wilke gibt dann die Schlagfrequenz vor. Der seine sieben Teamkollegen zu folgen haben. Wilke ist der wichtigste Mann im Boot.
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- Audio: Der deutsche Ruderachter greift nach Gold [WDR 2] Jan Wochner, WDR 2 Sportzeit
"Ich bin schon stolz, dass mir der Trainer und die Mannschaft vertrauen", sagt Wilke, dem es sichtlich unangenehm ist, sich in den Vordergrund zu schieben. Dennoch weiß der 27-Jährige natürlich um seine Bedeutung fürs Team. "Ich gebe unseren Rhythmus vor, das stimmt schon. Aber Achter-Fahren ist ein absoluter Teamsport. Das Zusammenspiel zwischen allen acht Mann muss passen. Und das tut es im Moment bei uns", findet Wilke.
Haushoher Favorit auf die Goldmedaille

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Wacklige Angelegenheit: Einstieg ins Boot
Der Deutschlandachter ist nicht nur das Flaggschiff im deutschen Rudersport, er ist für die Olympischen Spiele in London auch haushoher Favorit auf die Goldmedaille. Seit der Blamage von Peking 2008, als das deutsche Team Letzter wurde, ist die anschließend neuformierte Mannschaft bereits ungeschlagen. Es folgten die WM-Titel 2009 und 2010, schließlich auch der Sieg bei der WM 2011 in Bled mit Wilke auf der Schlagmannposition. "Klar wollen wir auch das Rennen in London gewinnen. Wäre ja albern, wenn nicht, wir sind ja schon so lange unbesiegt. Aber ich sehe uns dennoch nicht als Top-Favoriten. Die Briten im eigenen Land und die Kanadier werden sehr, sehr stark sein", erwartet der U23-Weltmeister im Zweier von 2006.
Bewegungstalent vom Bodensee
Dass Wilke einmal Leistungssport betreiben würde, war früh klar. Angefeuert von den Eltern – beide Sportlehrer – probierte er als Kind gleich mehrere Sportarten gleichzeitig aus. "Ich hab' Basketball und Badminton gespielt und war auch im Schwimmverein. Am liebsten habe ich allerdings Fußball gespielt. Das wollten meine Eltern aber nicht", erinnert sich Wilke, der schließlich im Ruderboot landete. Weil seine Schule das so wollte. "Rudern war bei uns am Bodensee im achten Schuljahr Pflichtfach." Also landete Wilke im Boot und verließ es nicht mehr. Als sich abzeichnete, dass er dort Karrierechancen haben würde, wechselte er zum Sport- und Biologie-Lehramts-Studium nach Bochum ins Ruhrgebiet. Allerdings weniger, um dort zu studieren. Entscheidend war die Nähe zum Ruder-Stützpunkt in Dortmund. "Wenn man ehrlich ist, geht rudern und studieren nicht nebeneinander. In den letzten vier Jahren war ich kaum an der Uni zu sehen", räumt Wilke ein.
Rudern hat derzeit Vorrang, die Olympischen Spiele in London sollen Wilkes Karriere-Höhepunkt werden. Dafür tun Wilke und seine Kollegen aus dem Achter derzeit alles. Und sie leiden. "Wir sind froh, wenn es endlich soweit ist", sagt Wilke, der den Trainingsalltag schon "verdammt eintönig" findet. Dabei belasten sich die Ruderer über Wochen in einer Intensität, die für Normalbürger kaum vorstellbar ist. Nach dem zweistündigen Frühtraining von sieben bis neun Uhr steht nach einem ausgiebigen zweiten Frühstück eine zweite Vormittags-Einheit auf dem Programm, ehe es spätnachmittags nach Mittagessen, Mittagspause und Kaffeetrinken ein drittes Mal an die Plackerei geht.
"Motorverbrauch" - 6.000 Kalorien am Tag
Wie man das aushält? "Mit viel Schlaf und gutem Essen", erklärt Wilke. Etwa 6.000 Kalorien verbrauchen Ruderer in einer solchen Trainingsphase am Tag. Kalorien, die zwingend wieder zugeführt werden müssen, sonst ist der Motor bald leergelaufen. "So vier Brötchen müssen es beim zweiten Frühstück schon sein", erklärt Wilke grinsend, um anschließend auf die Ruderer-Technik beim Mittagessen zu sprechen zu kommen: "Da wird der Teller hoch aufgetürmt. Damit man nicht so oft laufen muss."
Aber gutes Essen und genügend Schlaf führen natürlich nicht allein zum angestrebten Olympiasieg. Gegen die starken Gegner brauchen Wilke und seine Jungs auch die richtige Taktik, um gewinnen zu können. "Natürlich wissen wir schon so einigermaßen, wie wir es angehen werden", sagt Wilke. Allzuviel will er zwar nicht verraten, schließlich sollen die Gegner auch nicht alles schon vorher wissen. Eines aber ist für Wilke auf dem Weg zum Olympiasieg in London klar: "Wir wollen von Anfang an vorn sein. Das wäre der sicherste Weg zum Sieg."
Stand: 07.07.2012, 06.00 Uhr
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