Schalke-Friedhof eröffnet Blau und Weiß über den Tod hinaus

Von Jörg Strohschein

Ein Friedhof nur für Schalke-Fans, gestaltet wie ein Fußballfeld, in den Farben blau und weiß: Das Schalker "FanFeld" ist am Freitag (07.12.2012) in Gelsenkirchen eröffnet worden. 1.904 Anhänger des Gelsenkirchener Traditionsklubs können dort ihre letzte Ruhe finden.


Auch der plötzliche Wintereinbruch kann Markus Kotowski nicht aufhalten. Der 45-Jährige schlendert gut gelaunt im Trikot und mit Fanschals über das "Schalke FanFeld". Es ist der erste Friedhof für Anhänger des Traditionsklubs aus dem Ruhrgebiet. Dieses bundesweit einmalige Gelände liegt in Sichtweite zur Schalke-Arena, mitten im Gelsenkirchener Stadtteil Beckhausen-Sutum.


Schalke ist für seine Anhänger ohnehin seit langem eine Art himmlische Instanz. Seit vielen Jahren gibt es das von Fans herausgegebene Magazin "Schalke Unser". Jetzt also ein Friedhof. "Blau und Weiß ein Leben lang", sagen und singen sie in Schalke. Nun darf es auch ein bisschen länger dauern.

80.000 blau-weiße Blumen


Blau-weiße Blumen zieren das Gelände, rund 80.000 teils farblich umgespritzte Pflanzen, wurden in die Erde eingebracht. In der Mitte stehen zwei Tore, dazwischen ist das Vereinslogo zu sehen. Der Schnee schluckt an diesem Morgen allerdings die Intensität der Farben.

Das Grab mit der Nummer 620 hat sich Kotowski reserviert. "Es ist doch schön zu wissen, dass man irgendwann bei seinesgleichen liegt", sagt Kotowski, der 1975 erstmals von seinem Vater mit ins Stadion genommen wurde und seitdem sein Herz an den Klub verloren hat.

1.904 Plätze sind zu vergeben

Am Freitagmorgen (07.12.2012) ist diese spezielle letzte Ruhestätte mit einer ersten Beisetzung eines Schalkes-Fans und dessen Frau eröffnet worden. 1.904 Plätze, ganz in der Tradition des Gründungsdatums des Vereins, sind auf dem Friedhof zu vergeben. 1.250 Euro kostet die Reservierung, jedes Jahr werden nochmal 125 Euro fällig für die Pflege. Beim Tod muss eine weitere Gebühr gezahlt werden - ab rund 6.500 Euro. Über 700 Plätze sind bereits vergeben. Der Verein verdient jedoch nichts an dieser Einrichtung. Das Gelände liegt am Rande eines städtischen Friedhofs und gehört auch der Stadt.

"Irgendwo muss man ja liegen"


Einer der ebenfalls schon genau weiß, dass er auf diesem Platz seine letzte Ruhe finden wird, ist Rolf Rojek. Der Verein hat das ganze Leben des 59-Jährigen bestimmt. Er ist im Vorstand des Schalker Fan-Club Verbandes und sitzt auch im Aufsichtsrat des Vereins. Für ihn ist es keine Frage, dass er diese Möglichkeit nutzt. Rojek hat sich das Grab mit der Nummer 04 reserviert - was sonst. Und seine Frau wird irgendwann gleich neben ihm ruhen. "Irgendwo muss man ja liegen. Sonst hätte ich versucht, mich im Stadtteil Schalke beerdigen zu lassen", sagt Rojek. "Allerdings hoffe ich, dass ich noch lange brauche, bis ich dort liegen muss."

"Schalke ist keine Religion"

Mit etwas mehr Skepsis beäugt Hans-Joachim Dohm, Pfarrer der Schalker Stadionkapelle, diese letzte Ruhestätte der Schalker. "Gemeinschaftsfelder gibt es ja bereits viele. Nur das Thema Schalke ist einmalig. Dass der Verein nun in eine Beerdigung eingebettet ist, ist aber zweitrangig", sagt Dohm. Der Gottesdienst findet noch immer im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes statt - und nicht im Namen des FC Schalke 04. So weit geht die Liebe dann doch nicht: "Schalke ist keine Religion."

"Als Schalker wirst du geboren, als Schalker stirbst du auch"


Markus Kotowski kann sich jedenfalls trotz eisiger Kälte und ständigen Schneefalls kaum von diesem Ort trennen. "Ich habe einer Freundin heute Morgen eine SMS geschrieben, darin stand: ,Ich besuche jetzt mein Grab'", sagt Kotowski.

Erst sei ihm das schon etwas komisch vorgekommen. Aber dann habe er sich einfach gedacht. "Als Schalker wirst du geboren, als Schalker stirbst du auch. Alles ganz normal."


Stand: 07.12.2012, 15.38 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 09.12.2012, 02.34 Uhr

Faxen dicke schrieb am 09.12.2012, 02.34 Uhr:
Mein Opa ging mit der Bismark unter und ich bin auch zur See gefahren. Ich möchte da auch meine Asche verstreut oder versenkt wissen und nicht auf so einen 08/15 Friedhof liegen. Wo so verkappte Scheinheilige rumrennen und hier was von Moral und sonstigem antiquiertem Mist erzählen. Sollen sich die Schalker dort begraben lassen, mich störts nicht. Mich würde stören, wenn ich neben solchen altbackenen Moralaposteln liegen müsste, die meinen, die Weisheit und Moral mit Löffeln gefressen zu haben.
Pitter schrieb am 08.12.2012, 10.56 Uhr:
Wer sonst nichts hat, der hat den Fußball und seinen Verein! Das läuft unter der Kategorie der Dinge die diese Welt nicht braucht und ist ein Zeichen von Dekadenz. Wer sich das Verhalten von bestimmten Fangruppen anschaut kann den Verfall der Zivilisation bei dieser Art von Menschen nicht mehr ignorieren. Herzliches Beileid!
Anonym schrieb am 08.12.2012, 07.04 Uhr:
Und vor einiger Zeit wurde einem kleinen Jungen der Wunsch verwehrt das eine Stehle mit einem Fußball sein Grab zieren darf?
Thomas schrieb am 07.12.2012, 22.13 Uhr:
Nun sollten es auch die begreifen, die es bisher immer abgestritten haben: Fußballfans sind geisteskrank!
Anonym schrieb am 07.12.2012, 18.06 Uhr:
wie blöde muss man eigentlich sein!?

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