Jahreshauptversammlung bei Schalke 04 Schalkes emotionale Versammlung

Von Jörg Strohschein

Rund 10.000 Mitglieder sind am Samstag (29.06.2013) zur Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 gekommen. Emotional diskutiert wurde fast ausschließlich die umstrittene Zusammenarbeit des Klubs mit einem Online-Tickethändler.


Clemens Tönnies fuchtelte wütend mit den Händen in der Luft herum, als er zurück zu seinem Platz auf der riesigen Bühne ging. "Jetzt habt ihr mich so auf die Palme gebracht, dass ich meine Vorstandskollegen und Alexander Jobst und Horst Heldt vergessen habe", sagte der Aufsichtstratschef des FC Schalke 04 mit hochrotem Kopf, nachdem er zu früh ans Rednerpult getreten war.

Die Stimmung hatte sich bei der Jahreshauptversammlung bereits nach gut 45 Minuten ordentlich aufgeheizt. Finanzvorstand Peter Peters hatte gerade seine Saisonbilanz vorgestellt und kritische Pfiffe waren nicht zu überhören.

Rund 10.000 Mitglieder in der Schalke-Arena


Das Thema, das seit Wochen und Monaten in Schalke für intensive Ressentiments sorgt, heißt Viagogo. Eine Online-Ticketbörse, mit der der Klub einen umstrittenen Dreijahresvertrag (siehe Kasten) abgeschlossen hatte, wird von einem nicht unerheblichen Teil der Mitglieder strikt abgelehnt. Die Kritiker sehen in dieser Zusammenarbeit die Legalisierung des Schwarzmarkts.

Schalkes Vertrag mit Viagogo

Der FC Schalke 04 hat mit der Ticketbörse einen auf drei Jahre datierten Vertrag abgeschlossen, für den die Schalker 1,2 Millionen Euro jährlich überwiesen bekommen. Als Gegenleistung erhält das Unternehmen ein Kontingent von je 300 Karten für zehn ausgewählte Spiele. Betroffen sind nur Bundesliga-Partie, und keine Spitzenspiele, wie etwa gegen Dortmund oder Bayern. Viagogo darf die Karten auf seiner Online-Plattform verkaufen - und zwar maximal für den doppelten ursprünglichen Preis.

Rund 10.000 Mitglieder waren gekommen, rund ein Drittel der Besucher hatten ihren Unmut zu diesem Thema frühzeitig und lautstark zum Ausdruck gebracht. "Ich kann die Kritik verstehen, aber ich bin nicht der Erfüllungsgehilfe verschiedener Interessensgruppen", hatte Peters zuvor unnachgiebig gesagt. Es gehe auch darum, die Erlöse zu steigern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Jobst bekommt die größte Kritik ab


Alexander Jobst, der als Marketingvorstand maßgeblich an dem Zustandekommen des Vertrags beteiligt war, musste sich die weitaus größte Kritik des Teils der verärgerten Anhänger anhören. "Wir sind Schalker und du nicht", skandierten die Viagogo-Gegner. Jobst versuchte, auf die Kritiker einzugehen. "Wir sind für einige Mitglieder zu weit gegangen. Die Botschaft ist angekommen", sagte der Marketingvorstand. "Wir werden unser Leitbild in Zukunft noch genauer beachten", sagte Jobst.

Doch für Beruhigung konnten diese Einlassungen bei den Unzufriedenen nicht sorgen. Die Mitglieder, die Redeanträge gestellt hatten, kannten nur ein einziges Thema. Es drehte sich alles um Viagogo. Eindringliche Appelle an den Vorstand, der nachdrücklich geäußerte Wunsch, den „Deal“ wieder rückgängig zu machen. Die Frage nach dem Charakter des Klubs und einige Rücktrittforderungen bestimmten die Szenerie.

Barta trifft die Gefühlslage der Unzufriedenen


Mitglied Stefan Barta trifft genau die königsblaue Gefühlslage derjenigen, die Viagogo ablehnen. Er will wissen, warum der Verein 3.000 Karten in den Zweitmarkt schiebe, statt, gemäß dem Leitbild des Vereins, die Tickets an Kumpel und Malocher abzugeben. Menschen aus Gelsenkirchen, die kein Geld haben, um ein Spiel in der Arena zu besuchen. Barta hatte den emotionalen Nerv getroffen, die Begeisterung und der Beifall der Kritiker waren enorm.

Nach mehr als drei Stunden hatte sich die Mono-Thematik noch immer nicht erschöpft. Der Stachel sitzt tief bei vielen Mitgliedern. Und auch nach dieser Mitgliederversammlung, die sich noch lange an diesem denkwürdigen und überaus emotionalen Tag fortsetzen sollte, wird es es in dieser speziellen Frage noch genug Redebedarf geben.


Stand: 29.06.2013, 13.35 Uhr


Kommentare zum Thema (15)

letzter Kommentar: 01.07.2013, 19.50 Uhr

Koenigsblau schrieb am 01.07.2013, 19.50 Uhr:
Der Gewinn für Viagogo liegt darin das das Schalke seine "Kartenplattform" abschaltet und die Karten die bisher darüber für "normales" Geld verkauft wurden nun alle über Viagogo laufen sollen und plötzlich sind das nicht mehr 3000 sondern 20000 oder so in den drei Jahren. Und mit den Gebühren die die nehmen rechnet sich das dann mehr als nur ein bischen. Also sollten sich Jahreskarteninhaber freuen wie die Honigkuchen, sie tun es aber nicht und das ist es was der Vorstand nicht verstanden hat. Es will nicht jeder Geld mit seiner Karte verdienen (Stichwort Schwarzmarkt), vielen reicht es den normalen Preis wieder zu bekommen und zu wissen das ein Fan im Stadion ist dafür, und nicht einer der einfach nur mehr Geld als andere hat. Herr Jobst kommt von der FIFA das sagt schon alles und die anderen Herren im Vorstand haben zu lange alles machen können ohne das dass "Stimmvieh" aufgemuckt hat. Und nun ist der Bogen überspannt. Das zu glätten wird verdammt schwer für den Vorstand.
reiniman schrieb am 01.07.2013, 11.44 Uhr:
Ich frage mich: Wo liegt denn der Gewinn für viagogo. 1,2 Millionen für 3000 Karten jährlich. Macht im Schnitt 400 Euro, die ich pro Karte nehmen muss um eine Null zu schreiben. Welche Karte auf Schalke kostet 200 Euro? Außer im VIP-Bereich können das doch keine Karten sein und bei denen sollte es dem normal sterblichen Fan egal sein, wenn die verdoppelt abgegeben werden. Im Gegenteil, wenn der Verein hier 3,6 Mios in 3 Jahren verdienen kann, wäre es ja blöd, wenn man es nicht macht.
Sozialromantiker schrieb am 30.06.2013, 18.54 Uhr:
Ach ja, "Charakter des Clubs"...gähn. Herr Jobst verwechselt in seiner Aussage das man "in Zukunft genauer darauf geachtet wird" eines: Leitbild und Image. Wer glaubt denn ernsthaft das irgendeinen Verantwortlichen (ganz gleich welchen Clubs) das Leitbild scherrt, wenn hier handfeste wirtschaftliche Interessen bedient werden...und wenn dann jemand sagt, wir passen demnächst besser auf, heisst das, man will seine Aussendarstellung optimieren - auch da stehen wirtsch. Interessen ganz vorne an. Es ist nichts weiter als knallhartes Geschäft - dieser Realität sollte sich jede(r) stellen!
0 5 schrieb am 30.06.2013, 17.42 Uhr:
Wann kämpft Schalke endlich um die Meisterschaft?
0 5 schrieb am 30.06.2013, 17.41 Uhr:
"Man kann ja darüber nachdenken, den Malochern und Kumpels, die sich die Spiele nicht leisten können, auch 3.000 Karten jährlich zur Verfügung zu stellen, und zwar kostenlos." Ach Gott. Dafür bräuchte man wieder eine Behörde, um festzustellen, wer berechtigt ist und wer nicht. Und was, wenn 10.000 Interessenten, aber nur 3.000 Karten da sind? Mord und Totschlag sind vorprogrammiert. Man stelle sich einen entsprechenden Artikel im Forum vor, etwa: "7.000 Fans gehen leer aus. Hat Schalke kein Herz und denkt nur ans Geld?" Nicht jeder freundliche Gedankengang ist umsetzbar. bzw. sorgt für Freundlichkeit. Hackt nicht immer auf eurem Vorstand rum. Die brauchen ein wenig Beinfreiheit. Unterstützt sie!

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