Fans richten freie Tage nach Verein aus Im Urlaub mit dem FC Schalke 04

Von Jörg Strohschein

Wenn der FC Schalke 04 im Trainingslager ist, kann sich der Ruhrgebietsklub auf Unterstützung seiner Fans verlassen. Viele richten ihre gesamte Urlaubsplanung auf den Klub aus. Wie gerade im österreichischen Klagenfurt.


Die Begeisterung ist bereits in ihren strahlenden Augen zu erkennen. Nur noch wenige Augenblicke und sie werden ihren Lieblingen ganz nah sein. Rolf Weigel (49) und seine Frau Gundi (52) warten bereits seit 20 Minuten am schmucklosen Trainingsplatz neben dem Klagenfurter Stadion. Die Sonne brennt erbarmunglos vom wolkenlosen Himmel und es ist kein Fleckchen Schatten zu finden.

Der Wörthersee, der ein wunderbares Panorama, Abkühlung und erholsame Freizeit verspricht, ist nur wenige Meter entfernt. Doch das alles interessiert das Ehepaar Weigel in diesem Moment überhaupt nicht. Es will keinesfalls eine Sekunde verpassen, in der es den Fußballprofis aus Gelsenkirchen, die in Österreich einen Teil ihrer Saisonvorbereitung absolvieren, zumindest aus unmittelbarer Nähe begegnen kann. Es ist schließlich ihr erster Urlaub ohne Kinder seit 24 Jahren - und den haben sie voll und ganz ihrer zweiten großen Liebe, dem FC Schalke 04, gewidmet. "Wir wollen die Mannschaft unterstützen. Und so bekommen wir auch ein wenig mit, was so innerhalb des Teams los ist", sagt Rolf Weigel, dem der Schweiß nur so von der Stirn rinnt.

"Wir leben Schalke"


Rolf und Gundi Weigel mit ihrem Fanklub-Banner.
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Rolf und Gundi Weigel mit ihrem Fanklub-Banner

Die 780 Kilometer von  Hessen nach Kärnten in Österreich sind beide gefahren, weil "wir Schalke leben", sagt Gundi Weigel. Zuhause in Philippsthal haben sie vor einigen Jahren den Fan-Klub Werratalknappen gegründet, in ihrem Garten haben sie sogar die Schalker Arena nachgebaut. Die von ihrem Wohnort 300 Kilometer entfernten Bundesliga-Heimspiele besuchen sie so oft es geht. Nun haben sich die Weigels auch diesen (Urlaubs-)Wunsch erfüllt. "Ich würde schon sagen, dass wir Schalke-bekloppt sind", sagt Rolf Weigel.     

Als die ersten Profis mit dem Fahrrad zum Trainingsplatz gefahren kommen, ist das Gespräch recht schnell beendet und die Aufmerksamkeit gilt nur noch den Spielern. Das Ehepaar Weigel mischt sich unter die rund 200 Fans, die sich ebenfalls nichts Schöneres vorstellen können, als die Schalker bei über 30 Grad Celsius bei ihrer schweißtreibenden Trainingsarbeit zu beobachten. Auch die Familie Stotz hat sich wie viele andere über die Brüstung am Spielfeldrand gelehnt und verfolgt minutiös, wie die Mannschaft die Vorgaben von Trainer Huub Stevens umsetzt.   

"Der Verein ist unser Hobby"


Familie Stotz lässt sich keine Sekunde des Trainings entgehen.
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Familie Stotz lässt sich keine Sekunde des Trainings entgehen

Vater Harald (44), Mutter Isabelle (42), Tochter Jennifer (25) und Sohn Kevin (14) sind eigens die 700 Kilometer aus dem badischen Walldorf angereist, um ihre Lieblinge hautnah zu erleben. Bereits seit dem Jahr 2007 richten sie ihre Urlaubspläne ganz und gar nach den Königsblauen aus. "Das ist unser Hobby", sagt Isabelle Stotz, die gemeinsam mit ihrer Familie im Fanklub Sportfreunde Kurpfalz organisiert ist. "Alles, was außerhalb des Berufs ist, wird rund um Schalke geplant."

Die Identifikation der gesamten Familie mit dem Ruhrgebietsklub ist so groß, dass sie im vergangenen Jahr zwei Wochen ihres Jahresurlaubs im eher schmucklosen Gelsenkirchen verbracht hat, "um die Mentalität der Menschen im Ruhrgebiet und vor allem der des Arbeiter- und Malocherklubs zu erleben", sagt Harald Strotz mit sichtbarem Stolz, sich zu dieser großen Fußballfamilie zählen zu können. "So einen Zusammenhalt gibt es nur in Schalke", sagt er.    

Seit elf Jahren immer dabei


Seit elf Jahren dabei: Thomas und Sabine Knepper.
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Seit elf Jahren dabei: Thomas und Sabine Knepper

Thomas Knepper (51) und seine Frau Sabine (51) sind aus Wetter an der Ruhr nach Klagenfurt gekommen. Und man tritt ihnen wohl nicht zu nahe, sie als Routiniers in der Fan-Szene zu bezeichnen. Seit 1971 gehen sie bereits regelmäßig "Auf Schalke", seit knapp zehn Jahren lassen sie nun auch kein Trainingslager mehr aus. "Man trifft hier viele Leute immer wieder und es macht einfach Spaß, die Mannschaft zu beobachten", sagt Thomas Knepper.

Ihren Arbeitskollegen berichten sie allerdings nie ausführlich über ihre Urlaubsaktivitäten, beide sind in Dortmund beschäftigt - wo mit der dortigen Borussia der größte Rivale seine Heimat hat. Beide Klubs verbindet seit Jahrzehnten eine innige Antipathie. "Die Kollegen lassen uns aber, bis auf ein paar Sticheleien, in Ruhe", sagt Sabine Knepper. Ihre Verbundenheit zu den Schalkern ist allerdings deutlich sichtbar, ihre Fingernägel hat sie in den Vereinsfarben lackiert.

Bis zur nächsten Trainingseinheit


Als die Übungseinheit nach zwei Stunden beendet ist, versuchen die meisten Fans noch schnell ein paar Autogramme zu bekommen und einige Worte mit den Stars zu wechseln. Wie es war? "Einfach wunderbar", sagt Rolf Weigel. Dann geht der Urlaub erst einmal ohne den FC Schalke 04 weiter. Bis zur nächsten Trainingseinheit. 


Stand: 08.08.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 08.08.2012, 17:13 Uhr

Jürgen aus Düren schrieb am 08.08.2012, 17:13 Uhr:
So, blöd müsste ich sein!!!
GeFee schrieb am 08.08.2012, 16:36 Uhr:
@andrea mit dem guten Gatten: So setzt jeder seine Prioritäten - möglich, dass ihr Gatte einige ihrer Leidenschaften nicht nachvollziehen kann... Zum "Rumgezicke" Schalke / Lüdenscheid: Solche Hasslieben gibt es unter anderen Konstellationen auch. Ebenso pilgern Fans anderer (unwichtigen :-P) Vereine ebenfalls und richten ihren Urlaub nach dem Spielplan aus. Sicher wird der WDR demnächst auch mal darüber berichten um Ihnen die grooooosse weite Fußballwelt hinter ihrem Gartenzweg aufzutun. @Borusse: Schwach / Gelb is gar nich schön :-))) Aber spannend. Jeder wie er mag, gell?! Glückauf.
Borusse schrieb am 08.08.2012, 15:52 Uhr:
So viel blau! Neee... :-)
Anonym schrieb am 08.08.2012, 15:20 Uhr:
Das gibts bei vielen Hobbys und überall äussert es sich anders, jetzt im August fängt in die Köln wieder die Gamescom an (Spielemesse), mittlerweile bricht sie jedes jahr den Besucherrekord,die Leute stellen sich stundenlang in Warteschlangen nur um ein paar Minuten ein Spiel zu testen das sie interessiert.
Storm Kachelmann schrieb am 08.08.2012, 15:14 Uhr:
Das außerberufliche Leben ganz an Schalke auszurichten ist äußerst gesundheitsfördernd! Wie sonst kann man sich erklären, dass das Ehepaar Knepper mit Anfang 50 noch so dynamisch und flott geblieben sind!?

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