Rollstuhlrugby - 15. Bernd-Best-Turnier : "Rollis" aus Neuseeland auf Titeljagd in Köln
Von Freitag bis Sonntag (22.3. bis 24.03.2013) findet in Köln das weltgrößte Rollstuhlrugby-Turnier statt. Beim 15. Bernd-Best-Turnier starten Teams aus 13 Nationen. Gavin Rolton und Bardy Koneferenesi sind sogar vom "anderen Ende der Welt" angereist.

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Zu Besuch in Köln: Gavin Rolton (r.) und Bardy Koneferenesi
Gavin Rolton und Bardy Koneferenesi sind durchgeschwitzt. Die beiden kommen gerade aus dem Keller des "Youth Hostel" in Köln-Riehl, wo sie vor dem Interviewtermin noch rasch eine Krafttrainings-Einheit eingelegt haben. "Rollstuhlrugby ist ein Hochleistungssport, wenn man ihn richtig betreibt", sagt Gavin. Mit "richtig" meint er in diesem Fall: "Wir trainieren normalerweise fünfmal die Woche. Vor und während wichtiger Turniere wie diesem ist es dann doppelt so viel."
Der 30-jährige Gavin und sein elf Jahre jüngerer Kumpel Bardy gehören zum neuseeländischen Nationalteam, das bei der 15. Ausgabe des Bernd-Best-Turniers in Köln an diesem Wochenende zum Favoritenkreis in der leistungsstärksten Klasse gehört. "Wir haben eine wirklich lange und anstrengende Anreise gehabt", sagt Bardy und er findet: "Dann sollten wie hier auch etwas mitnehmen." Einen Platz unter den Top-Drei-Teams des Turniers haben die Neuseeländer fest eingeplant.
48 Teams aus der ganzen Welt

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Dynamik pur: Rollstuhlrugby 2012 in Köln.
Insgesamt 48 Teams aus der ganzen Welt treten beim Bernd-Best-Turnier in vier unterschiedlichen Leistungsklassen gegeneinander an – damit ist das Kölner Event, das in drei rechtsrheinischen Sporthallen ausgetragen wird, der wichtigste Treffpunkt in der Rugbyszene. In den 70er Jahren als Rollstuhl-Basketball-Turnier gestartet, wurde es 1999 erstmals in ein Rugby-Turnier umgewandelt, das in punkto Athletik, Schnelligkeit und Spektakel seine Vorgängerveranstaltung bei weitem übertrifft.
Gleich geblieben ist indes die Bedeutung des Sports für die Aktiven. Das hochkarätige Turnier, das im WDR-Livestream übertragen wird, hilft den Rollstuhlfahrern in ihrem stetigen Kampf um Emanzipation, es pflegt die Solidarität unter den "Rollis" und verhilft ihnen zu vielen Begegnungen mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt. Nicht zuletzt spielt der Sport für die Athleten eine wichtige Rolle in Sachen Lebenshilfe.
Kopfsprung in den Fluss - das Verhängnis

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Team USA bei den Paralympics - "Rollis" geben alles für ihren Sport.
So wie bei den beiden Freunden aus Neuseeland. Während Bardy wegen einer Wirbelsäulenschädigung bereits seit seiner Geburt gelähmt ist, sitzt Gavin erst seit sieben Jahren im Rollstuhl. Ein verunglückter Kopfsprung in einen Fluss wurde dem damals 23-Jährigen aus der neuseeländischen Kleinstadt Waikanae zum Verhängnis. "Ich habe mir den Halswirbel gebrochen und bin seither ab dem Unterleib gelähmt. Im Rollstuhlrugby habe ich allerdings eine Möglichkeit gefunden, weiter wirklich harten Sport zu treiben. Das tut mir gut", sagt er.
Der Unfall vor sieben Jahren war ein extremer Einschnitt ins Leben des klassischen "Beachboys". "Direkt vor meiner Haustür liegt das Meer. Wassersport war bis dahin mein Leben", sagt er. Surfen, Wasserski, im Winter dann Snowboarding in den nahen Bergen füllten Gavins komplette Freizeit aus. "Nach dem Unfall war das alles ganz plötzlich vorbei. Das war natürlich hart", sagt er. Aber schon im ersten Jahr der Reha fand Gavin den Weg zum Rollstuhlsport, vor vier Jahren wurde er Nationalspieler im neuseeländischen Rugbyteam, das zuletzt den Meistertitel in der Asien-Ozeanien-Zone gewann. "Ich will nicht sagen, dass mein Leben mit dem Rugbysport überhaupt wieder einen Sinn bekam. Aber ich merke schon, wie er meine Unzufriedenheit extrem minimiert", beschreibt Gavin.
Im Nationalteam ein Herz und eine Seele
Seit seiner Kindheit an den Rollstuhl gewöhnt ist Gavins Kumpel Bardy. Die beiden haben sich beim Rollstuhlrugby kennengelernt und sind im Nationalteam so etwas wie eine Herz und eine Seele. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt Bardy, der von den Maori, der polynesischen Urbevölkerung Neuseelands abstammt und derzeit in Auckland Naturwissenschaften auf Lehramt studiert. "Ich hab mehr Kraft als Gavin und schiebe ihn sogar manchmal von hinten an, wenn's bergauf geht. Dafür hilft er mir beim Ausfüllen von Formularen und so weiter, weil er besser schreiben kann als ich", erklärt Bardy.
Ihren Trip nach Deutschland haben die beiden – wie alle anderen Teammitglieder auch – im übrigen zum allergrößten Teil selbst finanziert. "So verhilft uns unser Sport auch noch dazu, die Welt kennenzulernen", sagt Bardy. Zehn Tage bleiben sie in Deutschland, nach dem Turnier soll noch die Besichtigung einiger nordrhein-westfälischer Sehenswürdigkeiten in Angriff genommen werden. Priorität hat allerdings der Sport: "Beim Turnier wollen wir erst einmal den Titel gewinnen. Dafür sind wir vor allem hier", beteuert Gavin.
Stand: 23.03.2013, 06.00 Uhr
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