Warnungen vor Gewalt Revierderby überschattet Anhörung im Landtag

Von Martin Teigeler

Beim Derby zwischen Schalke und Dortmund am kommenden Wochenende fürchtet die Gewerkschaft der Polizei neue Ausschreitungen. Angeblich rekrutieren gewaltbereite Schalker Ultras Unterstützung aus Südosteuropa. Ein Gelsenkirchener Ultra-Sprecher bestreitet dies.


Nicht zum ersten Mal schlägt ein Polizeivertreter in der Debatte um die Sicherheit beim Fußball Alarm. "Kleinkriminelle Organisationen" planten offenbar Ausschreitungen beim Revierderby am kommenden Samstag (09.03.2013) zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, am Donnerstag (07.03.2013) bei einer Expertenanhörung im Düsseldorfer Landtag. Bei seinen Kollegen in Uniform herrsche "Alarmstufe Rot", sagte der Polizist weiter.


Der Vorsitzende Arnold Plickert der Polizeigwerkschaft NRW
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Arnold Plickert von der Polizeigwerkschaft NRW

Es sei doch "kein Zufall", sagte Plickert weiter, dass kurz vor dem Derby mazedonische Fußballfans aus Skopje auf Einladung von gewaltbereiten Schalke-Anhängern im Ruhrgebiet eingetroffen seien. Es liefen ganz offenbar gemeinsame "Vorbereitungen" für Ausschreitungen. Plickert forderte, dass derartige Besucher mit Stadionverboten und Meldeauflagen "aus dem Verkehr gezogen werden". Bereits am Mittwochabend war es nach der Ankunft der Fußballfans am Flughafen Dortmund-Wickede laut Polizei zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fans gekommen.

Ultra-Vertreter spricht von Unterstellung

Ein Vertreter der Schalker Fanszene, der ebenfalls bei der Expertenanhörung zur Gewalt im Fußball im Landtag anwesend war, wies die Vorwürfe Plickerts scharf zurück. Nur weil befreundete Fans aus Mazedonien zu Gast seien, heiße das nicht, dass Gewalt angestrebt werde, sagte Stephan Kleier von den Ultras Gelsenkirchen. Durch die Polizeigewerkschaft werde etwas "unterstellt", was "schlicht und ergreifend falsch" sei. Ein Gelsenkirchener Polizeisprecher sagte zu WDR.de: "Wir haben bisher keine Erkenntnisse über Vorbereitungen von Krawallen."

Rund ums Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 war es am 20. Oktober 2012 zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei berichtete von 180 Festnahmen und elf Verletzten. Fanvertreter hatten den Ordnungshüter im Gegenzug schwere Fehler bei den Einsätzen am Derbytag vorgeworfen. Laut GdP-Landeschef Plickert werden am kommenden Samstag bis zu 1.500 Polizisten am Rande des Spiels in Gelsenkirchen eingesetzt. Es handele sich um einen "Großkampftag" für die Polizei, da in anderen Städten wie unter anderem Düsseldorf Demonstrationen stattfinden. Hinzu komme das ebenfalls problematische Drittliga-Derby zwischen Bielefeld und Münster, sagte Plickert.

Vision eines "Fanparlaments"

Bei der Expertenanhörung im Parlament forderten Fanvertreter mehr Dialog zwischen Politik und Ultras. "Wie wollen Sie mit jungen Leuten ins Gespräch kommen, wenn Sie von vornherein sagen, die Gruppe ist höchst kriminell und muss entfernt werden", sagte der Schalker Ultra Kleier. Die gesamte Szene könne nicht "über einen Kamm geschoren" werden. Ähnlich äußerten sich die Fan-Vertreter aus Düsseldorf und Köln. Sozialarbeit in Fanprojekten sei unterfinanziert. Hier müssten sich auch Länder und Kommunen stärker finanziell engagieren.

Am Rande der Anhörung erneuerte Innenminister Ralf Jäger (SPD) seine Forderung an die Bundesliga-Clubs, mehr für die Sicherheit zu tun. Es könne nicht sein, dass die Bereitschaftspolizei etwa 30 Prozent ihrer Einsatzzeiten beim Fußball verbringe. Bundesliga-Geschäftsführer Andreas Rettig entwarf derweil die Vision eines "Fanparlaments". Die Clubs wollten mehr Austausch mit den Fans und eine stärkere Beteiligung der friedlichen Stadiongänger.

Stichworte

Ultras

Sogenannte Ultras dominieren seit gut zehn Jahren die Fankurven in den deutschen Stadien. Die Ursprünge der Bewegung liegen in Italien. Hier hatten sich bereits vor Jahrzehnten besonders fanatische Anhänger organisiert, um ihre Klubs zu unterstützen. Ultra-Gruppierungen wollen sich von den normalen Fans bewusst abheben. Oft sind sie politisch eher links ausgerichtet. Einige Gruppen organisieren beispielsweise Aktionen gegen Homophobie. Ultras fallen durch teils uniforme Kleidung, Choreographien und Dauergesänge auf. Sie lehnen die Kommerzialisierung des modernen Fußballs ab und sehen sich als Vorkämpfer für den Erhalt der Tradition in diesem Sport. In der Regel tragen sie zum Beispiel keine offiziellen Merchandise-Produkte ihrer Vereine, sondern selbst gewählte Outfits. Im Jahresbericht 2012/2013 der Zentralen Informationsstelle Sport (ZIS) der NRW-Polizei heißt es, der "überwiegende Teil der Ultras" sei friedlich. Gleichwohl gebe es bei Teilen der Ultras ein "gewaltbereites Potenzial".


Stand: 07.03.2013, 15.00 Uhr


Kommentare zum Thema (35)

letzter Kommentar: 09.03.2013, 07.00 Uhr

Schiballa schrieb am 09.03.2013, 07.00 Uhr:
Einfach nur lächerlich. wer besser recherchiert hätte weiß das fans aus skopjie immer wieder zu heim und auswärtsspielen von s04 anreisen. so eine hetze tut keinem gut und fördert krawalle in meinen aigen noch viel mehr. vielleicht darüber mal nachdenken
Ewald 41 schrieb am 08.03.2013, 16.31 Uhr:
Früher habe ich immer gedacht. Die Polizei benehmen sich wie Herrgötter. Nun sage ich. Es sind arme Schweine. Die Politik tut zu wenig um die Taugenichtse hart zu bestrafen. Was Ultras anbelangt. Bei harten Vergehen sofort bis auf ??? Stadionverbot. Die Vereine müssen sich im hohen Maße finanziel an der Stadionüberwachung beteiligen. Denn sie sind die Verursacher.
zeigefinger schrieb am 08.03.2013, 15.44 Uhr:
friedlicher! Fan. Sie sind weder friedlich noch sind sie Fan. Sie haben vom Stadionfeeling überhaupt keine Ahnung. Sie sind für mich einfach nur ein Provokateur. Hauptsache seinen Senf dazu geben.
Klaus Lohmann schrieb am 08.03.2013, 14.28 Uhr:
@Lolly: Auch wenn es so wäre - zu einer Auseinandersetzung mit derartiger Intensität und diesen immer wiederkehrenden Folgen gehören zwei Parteien. Und die sind innerhalb und außerhalb des Stadions derart gut auszumachen, dass sich Niemand, der aus reiner Freude am Fußball ein Spiel besucht, in der unmittelbaren Nähe dieser nach Deiner Ansicht gewaltsuchenden Parteien aufhalten muss. Wer es doch tut und sich danach in einer Art Litanei permanent über angebliche Polizei-Übergriffe beschwert, sucht geradezu diesen "Nervenkitzel" oder lügt uns dick einen vor. Wenn ich in fast jedem Vereinsforum von Fans lesen muss, dass das Ganze "doch kein Kindergeburtstag" oder "früher noch viel schlimmer" oder "gehört doch irgendwie dazu" sei, dann ist Deine sehr einseitige Betrachtung für'n Popo.
Klaus Lohmann schrieb am 08.03.2013, 14.17 Uhr:
@friedlicher! Fan: Nochmal, auch für Sie - die Verwendung von Pyrotechnik ohne Erlaubnis ist schon lange eine Straftat nach §40 SprengG, siehe Kommentar von 13:40. Die Märchen, die sich Fangruppen oder sog. "Fan-Anwälte" darüber zusammenträumen, dienen höchstens der eigenen Popularität, nicht aber einer Versachlichung.

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