Minden - ein Zentrum für Racketlon Vier Schläger – eine Sportart

Von Jürgen Bröker

Kommende Woche beginnen in Stockholm die Weltmeisterschaften im Racketlon. Einer der größten deutschen Vereine, die diese außergewöhnliche Sportart praktizieren, ist in Minden zu Hause. Doch was ist das eigentlich, Racketlon?


Racketlon, Stephan Frenkel
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Stephan Frenkel und die vier Sportgeräte

Eigentlich ist Oliver Grau ein entspannter Typ. 32 Jahre alt, Informatiker, Ostwestfale. Aber wehe, wenn er einen Schläger in der Hand hat und damit auf Punktejagd geht. Dann hört das Entspanntsein auf. "Auf dem Platz gibt es nur dich und deine Schläger", sagt Grau. Dabei sitzt er in schwarzem T-Shirt und weißen Tennisshorts auf einem Bistrostuhl in einem riesigen Sportcenter in Löhne. Hier trainiert sein Verein jeden Mittwoch.

Grau hat gerade ein Badmintonmatch hinter sich. Schweiß läuft ihm über die Stirn. Gleich geht er auf den Squash-Court, um sich dort mit Jörn zu duellieren. Die beiden spielen Racketlon. Das sind vier Sportarten in einer: Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis. Hintereinander. Ohne große Pause. Gespielt wird vom kleinsten zum größten Schläger jeweils ein Satz bis 21. "Wer am Ende die meisten gewonnen Punkte hat, ist der Sieger", erklärt Grau. Der Sport erfordert Ballgefühl, Ausdauer und gutes Geschick mit Schlägern in unterschiedlicher Größe. Und er macht offensichtlich einen Riesenspaß.

Minden meisterlich


Racketlon, Oliver Grau, Jörn Sültrup
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Oliver Grau (r.) beim Squash mit Jörn Sültrup

In Deutschland gibt es gut 500 aktive Racketlon-Spieler. In NRW sind es nach Angaben des Deutschen Rackelton Verbands zwischen 100 und 150. Von den bundesweit 26 Vereinen sind drei in NRW zu Hause. Der Mindener Club hat vier Mannschaften zum Liga-Spielbetrieb gemeldet. Vier Mannschaften hat der dortige Club zum Liga-Spielbetrieb gemeldet. Die beste spielt in der Bundesliga regelmäßig um den Meistertitel mit. Ein Mal schaffte es der Club sogar ganz nach oben aufs Treppchen. Und auch international haben Spieler aus Minden schon auf sich aufmerksam gemacht. Achim Berkemeier zum Beispiel war in der Weltrangliste einmal auf Position 15. "Wer im Racketlon in den oberen Ligen mitspielen möchte, der sollte im Durchschnitt in allen Sportarten etwa Bezirksliganiveau haben", sagt der 43 Jahre alte Lehrer. Wer in einer Sportart aber deutlich höher gespielt hat, kann Schwächen in anderen Disziplinen kompensieren. Eigentlich hätten einige Mindener in diesem Jahr zur Racketlon-Weltmeisterschaft nach Stockholm fahren sollen. Aber irgendwie war bei allen der Wurm drin. Einige sind verletzt, andere haben berufliche Zwänge, der nächste baut gerade ein Haus.

Früher gehörte Minigolf zu den Disziplinen


Racketlon, Tischtennis, Badminton, Squash, Tennis
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Alle Schläger und Bälle auf einen Blick

Oliver Grau spielt seit 2007 Racketlon. Bis dahin hatte er hauptsächlich Tennis gespielt, dann aber das Interesse verloren. Das ist ganz typisch. Die meisten Racketlon-Spieler sind mit ihren ursprünglichen Sportarten fertig, ehe sie zum Schläger-Vierkampf wechseln. "Im Tennis kam bei mir nichts mehr. Die Motivation war weg", sagt Grau. Also suchte er eine neue Herausforderung und fand sie im Racketlon. Einer der Gründer des Vereins ist Stephan Frenkel. Der 1. Vorsitzende hat vor gut 15 Jahren mit einigen Freunden angefangen, Racketlon zu spielen. "Damals gehörte auch Minigolf noch zu den Disziplinen", erinnert er sich. Frenkel kommt eigentlich vom Tischtennis und Badminton. Die anderen beiden Sportarten hat er sich nach und nach angeeignet.

Mal richtig Dampf ablassen


Racketlon, Stephan Frenkel
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Stephan Frenkel beim Tischtennis

In der Zwischenzeit ist das Squash-Duell zwischen Jörn und Oliver in vollem Gange. Immer wieder tönt ein langgezogenes und lautes "Maaaannnn!" herüber. Indiz dafür, dass man sich in Sportarten, in denen Schläger und Ball im Spiel sind, herrlich über sich selbst ärgern kann. Racketlon ist deshalb auch ein gutes Ventil für den Stress am Tag. "Hier kann man richtig Dampf ablassen", sagt Frenkel. Trotzdem sind die Männer und Frauen in Minden eine sehr harmonische Truppe. Die meisten kennen sich seit vielen Jahren. Es geht locker und lustig zu. Auch wenn um jeden Punkt gekämpft wird.

"Im Racketlon dreht sich alles ums Profil, das ein Spieler mitbringt", sagt Grau. Er hat sein Squash-Match beendet. In welchen Sportarten ist man richtig gut? In welchen muss man kämpfen? Und wie passt das Profil des Gegners zum eigenen? Treffen zwei Spieler aufeinander, die in den gleichen Sportarten ihre Stärken oder Schwächen haben, dauern die Duelle sehr lange. Sind die Stärken unterschiedlich verteilt, verkürzt das meistens die Gesamtspieldauer. Im Durchschnitt dauern die Spiele eine bis anderthalb Stunden.

Jeder Punkt zählt


Racketlon, Tischtennis, Badminton, Squash, Tennis
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Die verschiedenen Bälle beim Racketlon

In den seltensten Fällen kann man aber wirklich voraussagen, wie ein Spiel ausgehen wird. "Das macht Racketlon auch für die Zuschauer sehr interessant", sagt Grau. Jeder Punkt zählt in der Endabrechnung. Spieler, die im Tischtennis, Badminton und Squash knapp verloren haben, können durch einen deutlichen Sieg im Tennis noch die Partie zu ihren Gunsten entscheiden. "Deshalb muss man die ganze Zeit voll konzentriert sein", sagt Grau. Anders als bei einer hohen Führung in einem Tennismatch, dürfe man sich nie eine Auszeit nehmen. "Mützenstress" nennt er die permanente Anstrengung fürs Gehirn. Dann nimmt er seinen nächsten Schläger und geht auf den Platz. Diesmal ist es Tennis. Fertigmachen zum Ärgern.


Stand: 24.11.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 26.11.2012, 11:12 Uhr

pete schrieb am 26.11.2012, 11:12 Uhr:
habe in Fürth mal bei der WM zusehen dürfen; beeindruckende Sportart...erinnert fast ein bisschen an Biathlon
Atze schrieb am 25.11.2012, 13:01 Uhr:
Ein interessanter Beitrag des WDR, endlich mal etwas anderes als Fussball. Davon würde ich gerne mal etwas im TV sehen. Lobenswert auch der WDR, der in OWL etwas berichtenswertes fand und die Rackletonis nicht nunter dem Kölner Dom verortet sind.