Bundesligastart der NRW-Clubs: Mit Hunden und Kameras gegen Zündeln im Stadion
Zum Bundesliga-Start am Freitag (23.08.2012) gehen auch die NRW-Erstligaclubs gegen Pyrotechnik im Stadion härter vor. Vereine setzen Spürhunde und Kameras gegen das illegale Feuerwerk ein. Zündelnden drohen saftige Geldstrafen. In der Fanszene herrscht Verbitterung.

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Bengalische Feuer - wie hier im BVB-Block - sind bei vielen Fans beliebt
"Die Vereine müssen deutlich mehr gegen Pyrotechnik und Chaoten in den Stadien unternehmen", teilte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) rund vier Wochen vor Saisonbeginn in der Fußball-Bundesliga mit. Die Clubs sind offenbar ganz auf der Linie von Jäger und etlichen anderen Innenpolitikern. Seit Monaten bereiten sie verstärkte Kontrollen gegen bengalische Feuer vor. Fans fühlen sich kriminalisiert wie Schwerverbrecher.
Geldbußen und Videoüberwachung
"Intensivierte" Kontrollen kündigt etwa der FC Schalke 04 an. Zudem nahm der Club Änderungen in der Stadionordnung vor. "So ist insbesondere ab sofort eine Geldbuße von 1.000 Euro zu entrichten, wenn jemand Pyrotechnik mitführt, zündet oder beim Zünden behilflich ist", sagte ein Sprecher. Bayer 04 Leverkusen baute für 200.000 Euro neue Kameras ins Stadion, um Bengalo-Fans zu überwachen. Auch andere Clubs verschärften ihre Stadionordnungen. Borussia Dortmund sprach zudem Stadionverbote gegen 50 Fans aus, die während der Meisterfeier im Mai mit Pyrotechnik aufgefallen waren. Der BVB bestreitet am Freitag (24.08.2012) das Auftaktspiel der Bundesliga-Saison gegen Bremen.
![Bildrechte: dpa/WDR[m],Wache Ralf Jäger](/themen/jaeger100_v-WDRPortraitKlein.jpg)
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Innenminister Jäger fordert mehr Härte der Vereine gegen zündelnde Fans
In der 2. Liga hat die Saison bereits Anfang August begonnen. Erstliga-Absteiger 1. FC Köln war am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit negativ aufgefallen, als enttäuschte Anhänger im Kölner Stadion schwarze Rauchbomben gezündet hatten. Man habe nun die Anzahl der Spürhunde erhöht, um versteckte Pyrotechnik zu finden, teilte der 1. FC Köln mit. Mehr Ordner setze man ebenfalls ein. "Zusätzlich wird die Kameratechnik im Stadion optimiert, so dass Personen, die Pyrotechnik zünden, in bester Qualität gefilmt und dadurch anschließend identifiziert werden können", so der FC.
Bengalos geächtet
Bei einem Sicherheitsgipfel mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatten die Proficlubs Mitte Juli in einem Verhaltenskodex erneut Bengalos geächtet. Auslöser war unter anderem des Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin im Mai 2012. Das Rückspiel in Düsseldorf stand kurz vor dem Abbruch, weil Berliner Fans Leuchtraketen auf das Spielfeld geworfen hatten. Wegen eines vorzeitigen Platzsturm feiernder Fortuna-Fans löste das Spiel über Tage eine aufgeregte mediale Debatte aus.

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Polizeieinsatz im Kölner Stadion wegen Rauchbomben nach dem Abstieg
Fraglich bleibt, ob die verschärften Sicherheitsvorkehrungen überhaupt etwas bringen werden. "Es gibt keine absolute Sicherheit. Wenn ich alle Stadionbesucher auf kleinste Mengen überprüfen will, die ja teilweise ganz leicht in Körperöffnungen versteckt werden können, müssen sie sechs, sieben Stunden vor Anpfiff da sein", sagte Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft. Laut Gesetz können nur Richter eine zwangsweise Durchsuchung von Körperöffnungen anordnen.
Viele Fans verbittert
In Netz-Foren beschweren sich Anhänger über eine nach den Vorfällen von Köln und Düsseldorf aus ihrer Sicht verschärfte Kriminalisierung durch DFB, Politik und Polizei. Fassungslosigkeit macht sich breit, wenn einzelne Bengalo-Verdächtige von der Polizei mit Fahnungsfotos gesucht werden wie Schwerverbrecher. "In den Fangruppen herrscht eine Mischung aus Verbitterung und Hilflosigkeit", sagte der Fan- und Konfliktforscher Gerd Dembowski zu WDR.de. Wenn Innenpolitiker kompromisslos auf Härte setzten, obwohl die Zahl eingeleiteter Strafverfahren rund um die Stadien rückläufig sei, "droht eine Eskalation", sagte Dembowski. "Denn innerhalb der Fangruppen könnten sich dann auch die Hardliner durchsetzen."
"DFB und Politik sollten den Dialog mit den Ultra-Gruppierungen über ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik wieder aufnehmen", sagte Dembowski. "Die Verletztenzahlen durch bengalische Feuer sind sehr niedrig. Durch immer strengere Sanktionen steigt eher die Gefahr, dass mit Bengalos gefährlich hantiert wird. Drohungen mit längeren Stadionverboten sowie mit der Abschaffung von Stehplätzen sind der völlig falsche Weg", fügte der Experte für Jugend-Subkulturen im Fußball hinzu.
Wendepunkt in Bochum
Als Wendepunkt in der Pyro-Debatte gilt ein Bundesliga-Spiel in NRW. Im Februar 2010 wurden bei der Heimpartie des damaligen Erstligisten VfL Bochum gegen den 1. FC Nürnberg acht Zuschauer durch bengalische Feuer verletzt. Sechs Nürnberger Fans erlitten so schwere Brandverletzungen, dass sie in Krankenhäusern behandelt werden mussten, drei davon sogar in einer Spezialklinik. Danach flammte die Debatte über gefährliche Feuerwerkskörper in den Stadien im wahrsten Wortsinne immer wieder auf - zuvor waren die illegalen Bengalos über Jahrzehnte in Deutschland geduldet worden.

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Fortuna-Kapitän Lambertz feiert mit Bengalo - und bekam zwei Spiele Sperre
Interessanterweise trifft die harte Welle gegen Pyrotechnik nicht nur Fans, sondern auch einen Spieler. Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz wurde vom DFB für zwei Ligaspiele gesperrt, da er nach dem Düsseldorfer Aufstieg mit einer Leuchtfackel in der Hand gefeiert hatte.
Dass sich die Fans ihre Vorliebe für Fackeln, Böller und sonstige Knallkörper nehmen lassen, ist unwahrscheinlich. Die umstrittenen Feuerwerkskörper sind klein wie Feuerzeuge oder Kugelschreiber. Bei Online-Händlern sind sie billig zu haben. Beim Pokalspiel zwischen Preußen Münster und Werder Bremen wurden Mitte August 2012 bereits wieder Rauchbomben gezündet.
Stichworte
- Ultras
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Seit rund zehn Jahren dominieren sie die Fankurven in den deutschen Stadien: die sogenannten Ultras. Die Ursprünge der Bewegung liegen in Italien. Hier hatten sich bereits vor Jahrzehnten besonders fanatische Anhänger organisiert, um ihre Clubs zu unterstützen. Ultra-Gruppierungen wollen sich von den normalen Fans bewusst abheben. Ultras fallen durch teils uniforme Kleidung, Choreographien und Dauergesänge auf. Sie lehnen die Kommerzialisierung des modernen Fußballs ab. In der Regel tragen sie zum Beispiel keine offiziellen Merchandise-Produkte ihrer Vereine, sondern selbstgewählte Outfits. Über die Haltung von Ultras zur Gewalt gibt es bei Soziologen unterschiedliche Meinungen. Einige Forscher sehen bei dieser männlich dominierten Jugend-Subkultur keine Gewaltneigung. Andere Beobachter der Szene gehen von einer latenten Gewaltbereitschaft bei Ultras aus. Diese stehe aber anders als etwa bei den Hooligans der 80er und 90er Jahre nicht im Mittelpunkt ihres Fußballinteresses.
Stand: 24.08.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (36)
letzter Kommentar: 25.08.2012, 16:39 Uhr
- WDR.de schrieb am 25.08.2012, 16:39 Uhr:
- @FAN - Kommentar wurde entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei.
- FAN schrieb am 25.08.2012, 16:33 Uhr:
- @WDRwarum wurde mein kommentar gelöscht, indem ich darauf hingewiesen habe, dass der user FAN um 00.08 nichts mit mir zu tun hat u. sich gefälligst einen eigenen nickname zulegen soll ?
- FAN schrieb am 25.08.2012, 16:22 Uhr:
- @ borusse warum sollte ich zur Rechenschaft gezogen werden, wir haben hier immer noch freie Meinungsäusserung, meinen sie es gibt nur Leute mit ihrer Meinung? wenns ihnen nicht passt, ist das ihr Problem.
- Volkmann schrieb am 25.08.2012, 11:49 Uhr:
- Aus meiner Sicht ist diese Art von Spass krankhaft. Ich bin kein Schwarzseher: sollte eines Tages irgendwann mal "die Herde durchgehen" dann werde ich nicht dabei sein.
- S.R. schrieb am 25.08.2012, 08:47 Uhr:
- Wir lassen uns den Fußball nicht durch irgendwelche Spießbürger kaputt machen! Unser Verein braucht uns, nicht irgendwelche Sicherheitsfanatiker! Bleibt zur Hause,wenn ihr Angst habt! ULTRAS FOREVER! PS: Wir haben für die neue Saison für 3000 Euronen Bengalos aus der Vereinskasse gekauft! Und wir haben nicht vor die im Rhein zu versenken!
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