Krise bei MSV Duisburg MSV Duisburg - "Besorgniserregend, aber nicht hoffnungslos"

Von Jörg Strohschein

Verletzungen, Schulden, zu wenig Zuschauer - der MSV Duisburg kämpft ums Überleben. Auf einem Abstiegsplatz der 2. Liga wird das aber immer schwieriger. Doch Ex-Nationalspieler und Aufsichtsratsmitglied Bernard Dietz hat noch Hoffnung.


Zwei freie Tage haben die Spieler des MSV Duisburg genießen können. Dann ging nach dem 0:0 beim 1. FC Köln die Vorbereitung auf die nächste Partie in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Erzgebirge Aue am Dienstagmorgen (13. 11.2012) mit Krafttraining und einem anschließenden Ausdauerlauf los. Die Stimmung unter den Duisburger Profis ist trotz des jüngsten Punktgewinns angespannt. Es ist den Spielern anzumerken, dass sie unter gehörigem Druck stehen.

Der Traditionsklub von der Westender Straße ist in akute Abstiegsnot geraten. Derzeit belegen die "Zebras" nach 13 Spieltagen mit gerade einmal neun Punkten den 17 Tabellenplatz. Krisenstimmung im Stadtteil Meiderich.

Dietz: "Die Lage ist besorgniserregend."


"Wir haben eine schwere Zeit zu überstehen", sagt Bernard Dietz, der ehemalige Nationalspieler des MSV und heutiges Aufsichtsratsmitglied des Klubs WDR.de. "Die Lage ist besorgniserregend aber nicht hoffnungslos." Dabei scheint der Klub sich derzeit im freien Fall zu befinden. Es ist mittlerweile bereits die vierte Saison, in der die Duisburger in der 2. Liga spielen müssen. Und das Geld wird immer knapper. Ein Schicksal, dass sie mit vielen Klubs teilen, denen es ebenfalls nicht gelungen ist, nach dem Abstieg direkt wieder aufzusteigen.

Vor allem die Einnahmen durch das Fernsehen verringern sich, nachdem die Duisburger aus der Dreijahreswertung herausgefallen sind. Bis dahin haben sie noch viel größere Summen aus der 1. Bundesliga bekommen haben. Zudem erhalten sie auch für ihre aktuelle Platzierung in der 2. Liga lediglich einen geringen Betrag. Die Zahlungen der Deutschen Fußball Liga steigen vom untersten zum obersten Tabellenplatz deutlich an.

Konkurrenz in der Umgebung ist groß


Hinzu kommt, dass sich der MSV in einem Ballungsgebiet befindet, in dem es schwer ist, neue Zuschauer und Sponsoren zu finden. Die großen Klubs und Erstligisten wie Borussia Dortmund, der FC Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und neuerdings auch Fortuna Düsseldorf, die alle nur wenige Kilometer entfernt spielen, erhalten die mit Abstand größten Stücke vom Sponsoring-Kuchen. Mittlerweile verfügt der MSV lediglich noch über einen Saisonetat von rund sechs Millionen Euro, was selbst für Zweitligaverhältnisse ein wenig beeindruckender Betrag ist. Bei dem letzten MSV-Heimspiel kamen nur noch 8.617 Zuschauer. Kalkuliert hat der Klub mit rund 12.000 Besuchern im Durchschnitt.

Und auch an der Vereinsspitze rumort es weiter. Nach dem Abgang der langjährigen "Über-Figur" Walter Hellmich im Dezember 2010 kommt der MSV nicht zur Ruhe. Hellmich war Präsident, Sponsor, Mäzen und auch für alle weiteren Fragen rund um den Verein zuständig. Am Dienstagabend trat auch Vorstandsvorsitzender Andreas Rüttgers von seinem Amt zurück, das er erst im Januar 2012 angetreten hatte. Begründung: "zu unterschiedliche Auffassungen über die weitere Ausrichtung des MSV". Nach Dieter Steffen bereits der zweite Vorsitzende, der hinwirft.

Für das moderne Stadion muss der Klub jährlich rund 4,2 Millionen Euro zahlen. Vor Saisonbeginn haben zwei Hauptsponsoren ihre Verträge nicht verlängert. Nun droht anscheinend sogar die Insolvenz. Nach übereinstimmenden Medienberichten werden kurzfristig rund drei Millionen Euro benötigt. "Es ist eine Operation am offenen Herzen", sagt Utz Brömmekamp, der bereits die städtische Tochter Gebag saniert, die Anteile am Stadionprojekt besitzt. Ein Sanierungsplan könnte den Verein noch kurzfristig retten. Der Verein will dem Sanierungskonzept zustimmen, wie er in einer Erklärung am Donnerstagabend (15.11.2012) mitteilte.

Verletzte Leistungsträger, fehlende Sponsoren


Zu allem Überfluss fehlen der Mannschaft mehrere Spieler wegen ihrer Verletzungen: Julian Koch, Jürgen Gjasula oder auch Timo Perthel, die auch im Duisburger Kader nicht adäquat ersetzt werden können. "Wir haben ein deutliches Gefälle in der Mannschaft, das ist schon eine schwierige Situation", sagt Kosta Runjaic. Die Saisonvorgabe, einen Platz im gesicherten Mittelfeld zu erreichen, scheint kaum noch zu schaffen.

Der Trainer, der sein Amt seit dem 3. September für seinen beurlaubten Vorgänger Oliver Reck übernommen hat, versucht, mit wenig attraktiven, aber Erfolg versprechenden taktischen Mitteln zu arbeiten. "Abstiegskampf ist nicht schön anzusehen. Aber wir brauchen Punkte", sagt Runjaic. So wie nahezu jeder Trainer würde auch der 41-Jährige in der nächsten Wintertransferperiode gerne tätig werden, um sein Team zu verstärken. Doch dafür fehlt das Geld. "Das wird nicht möglich sein. Das hat man mir so mitgeteilt", sagt Runjaic WDR.de.

Absturz in die Bedeutungslosigkeit verhindern


Es sieht derzeit auf vielen Feldern düster aus beim MSV. "Wir haben ja erlebt, was Rot-Weiss Essen oder Alemannia Aachen passiert ist. Das müssen wir unbedingt verhindern. Wir müssen da irgendwie wieder rauskommen", sagt Bernard Dietz. Ein Sieg gegen Erzgebirge Aue wäre dabei ein erster Schritt, um kurzfristig wieder etwas Land unter den Füßen zu spüren.


Stand: 16.11.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (11)

letzter Kommentar: 17.11.2012, 08.51 Uhr

Quatschkopp schrieb am 17.11.2012, 08.51 Uhr:
Wieso sollte Thyssen Krupp in so einen bedeutungslosen Fussballverein wie der MSV es ist investieren? Da kann man das Geld direkt in den Gully schmeissen. Bis auf das Pokalfinale, ist das ganze doch nur ein rumeiern vor ca 10000-15000 Zuschauern. Nee , lass ma Thyssen Krupp da raus!!
Zebra 02 schrieb am 16.11.2012, 20.02 Uhr:
Wo sind den die Kameraden, die in Duisburg absahnen, Hellmich, Starcke, der Obermacher vom Hafen, wo sind all die Mitverdiener am Elend von Duisburg? Alle die sich die Taschen voll machen und an der Blödheit der Duisburger Verwaltung und Obrigkeit verdienen. Wo sind die Industriebosse von Thyssen, Krupp, Haniel und alle Anderen, die dem kranken Patienten Duisburg das Blut absaugen? Gebts Euch einen Ruck!!! und der MSV ist gerettet!!!! sonst könnt Ihr die VIP-Logen zubetonieren und in Schalke, Dortmund will Euch eh keiner sehen! Also rettet den MSV und Ihr habt eine VIP-Plattform!
Zebra schrieb am 16.11.2012, 19.54 Uhr:
Es ist schn verwunderlich, da wo Walter Hellmich neue Stadien baute, Aachen, Duisburg, da gehts bergab!!!! Lieber Walter, da bist Du jetzt gefordert!!!! Als alter Duisburger Junge, haste mit dem MSV schwer PR gemacht und dann die Fliege! Jetzt mußt Du ran! Du kannst doch " Deinen " MSV nicht verkommen lassen, also ran an die Mäuse und Kohlen auf den Tisch, 3 Mio hats Du doch in der Portokasse!!! Also Walter, Butter bei de Fische!!! Ein alter Freund von Dir.
GE schrieb am 16.11.2012, 18.15 Uhr:
Auch wenn ich einer anderen Fraktion angehöre, fände ich schade,wenn ein weiterer Ruhrpott-Traditionsverein den Bach runtergeht. Und mit Größenwahn hat das beim MSV nichts zu tun, wie hier einige gleich schreien, die vielleicht noch Einstein von Bimsstein unterscheiden können, aber bei betriebswirtschaftlichen Themen eher schweigen sollten
Atze schrieb am 16.11.2012, 18.13 Uhr:
Neustart als Meidericher SV in der Verbandsliga. Das Potential ist doch vorhanden. Junge Leute an das Team heranführen und die Zeit machen lassen. Dann wird das auch wieder was beim MSV.

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