Badminton-Spielerin vor Olympia 2012: Spaß an schnellen Bällen
Als Birgit Michels zum ersten Mal Badminton spielte, war ihr Schläger in etwa so groß wie sie selbst. Gerade einmal vier Jahre war sie damals. Gut 20 Jahre ist das her. Heute zählt Michels zu den besten deutschen Spielerinnen. Ihre Stärken liegen dabei im Doppel und Mixed.
Den Einmarsch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wird Birgit Michels nie vergessen. Wenn sie nur daran denkt, bekommt sie fast wieder eine Gänsehaut. "Das war unglaublich, etwas ganz Besonderes", sagt sie. Dabei sitzt die 27-Jährige in der Trainingshalle des Badminton-Leistungszentrums in Mülheim an der Ruhr.
Wäre alles normal gelaufen, wäre Birgit Michels zurzeit gar nicht dort. Sie wäre mit ihren Kolleginnen der Nationalmannschaft in China bei der Team-Weltmeisterschaft. Aber Michels ist leicht angeschlagen. Ergüsse in den Fußknöcheln haben eine Reduzierung ihres Pensums nötig gemacht. Das war in den zurückliegenden zwölf Monaten aber auch enorm hoch. 28 Turniere hat sie gespielt, in der Doppel- und Mixed-Konkurrenz. Dazu noch ihre Einsätze in der Bundesliga für den 1. BC Beuel. Erst jetzt, nachdem der Weltverband Anfang Mai die qualifizierten Spielerinnen und Spieler für London 2012 bekannt gegeben hat, gönnt sie ihrem Körper eine Erholungspause.
Knapp qualifiziert
Platz 14 hat sie mit ihrem Partner Michael Fuchs in der Mixed-Weltrangliste in der Endabrechnung belegt. "Mindestens Platz 16 war für die Qualifikation nötig", sagt Michels und kann sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Es war also denkbar knapp. Aber bei einigen Turnieren hat das beste deutsche Mixed-Paar auch gezeigt, dass es mit den ganz Großen mithalten kann. "Birgit hat ein sehr gutes Gespür fürs Spiel. Sie erkennt früh, welchen Ball der Gegner spielt und entscheidet sich selbst sehr oft für die richtigen Schläge", sagt ihr Partner Michael Fuchs über die gebürtige Kölnerin.
Kein Wunder, denn schon früh war die Badmintonhalle ihr zweites zu Hause. "Meine Mutter hat auch Badminton gespielt. Da sind meine ältere Schwester und ich sehr oft mit in die Halle gegangen", sagt Michels. Was lag da näher, als es auch selbst zu probieren. Schon früh war Michels von der Vielfalt des Sports fasziniert. Schnelligkeit, Ausdauer, taktisches Verständnis und ein unglaublich schnelles Spielgerät. Denn die Profis beschleunigen den Ball mit seinen 16 Gänsefedern auf bis zu 300 Kilometer pro Stunde.
Vorne am Netz
Michels ist diesem rasanten Tempo im Mixed in vorderster Front ausgesetzt. Als Frau spielt sie in der Regel vorne am Netz, weil die Männer mit ihren härteren Schlägen auch von hinten aus dem Feld noch großen Druck erzeugen können. "Wir Männer spielen schon mit voller Absicht auf die Frauen. Das ist ja Wettkampfsport", sagt ihr Partner Fuchs. Angst vor den schnellen Bällen hat Michels nicht. Sie ist es gewohnt, schnell zu reagieren. Denn seit sie aus der Jugend heraus ist, spielt sie am liebsten Doppel oder Mixed. "Mir hat es schon damals immer mehr Spaß gemacht zu zweit auf dem Platz zu stehen. Das habe ich beibehalten", sagt sie.
Außerdem mag sie die Geschwindigkeit. Wenn sie kaum Zeit zu reagieren hat und auf dem Feld auch nicht so viel Platz ist. Das erfordert Spielintelligenz. Man müsse lesen und lösen können, sagt sie. Also vorausahnen, was der Gegner als nächstes plant und dafür eine passende Antwort finden. Das liegt ihr.
Michels hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie ist Stabsunteroffizierin bei der Bundeswehr in der Sportfördergruppe. "Dass es diese Möglichkeiten in einer Randsportart wie Badminton gibt, ist für uns Sportler optimal", sagt sie. Auch diese Modelle und die damit verbundene finanzielle Unterstützung haben es möglich gemacht, dass Deutschland in den vergangenen Jahren den Anschluss an die europäische Spitze geschafft hat. Das hat auch die Europameisterschaft Anfang April in Schweden gezeigt. Vier Medaillen gewann das deutsche Team. Auch Michels sicherte sich eine Medaille. Im Doppel mit ihrer Partnerin Sandra Marinello schaffte sie es bis ins Halbfinale und gewann Bronze.
Gänsehaut garantiert
Für das Duo ein schwacher Trost. Denn ihr großes Ziel, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, haben die beiden Frauen verpasst. "Das ist schade, aber es hat eben nicht ganz gereicht", sagt Michels. So startet sie beim Olympischen Turnier nur in der Mixed-Konkurrenz. Die Freude auf die Spiele ist dadurch aber nicht geringer. Sie ist froh, dabei zu sein. Mit einer glücklichen Auslosung, so glauben Michels und Fuchs, können sie durchaus für eine Überraschung sorgen. "Gerade im Mixed ist es bei den Olympischen Spielen ein sehr enges Teilnehmerfeld", sagt Fuchs. Er und Michels bereiten sich in den kommenden Wochen intensiv auf die Spiele vor. "Und dann wird man sehen, was geht", sagt Michels.
Dann geht sie wieder aufs Feld und schlägt unzählige Bälle. Eines steht für sie jetzt schon fest: Wenn sie nicht kurz nach der Eröffnungsfeier aufs Feld muss, wird sie sicher auch in London mit einmarschieren. Gänsehaut ist dann wieder garantiert.
Stand: 28.05.2012, 06.00 Uhr
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