Landessportbund verärgert über Politik: Sport-Pakt in Schieflage
Die Empörung ist groß beim Landessportbund NRW. Vor zwei Jahren schloss der LSB mit der Landesregierung den "Pakt für den Sport". Doch jetzt zögert die Landesregierung, gemachte Zusagen einzuhalten. Den Sportvereinen - und verbänden im Land drohen finanzielle Einbußen.

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Ingrid Knetsch und Ingrid Deimel vertreten den Turngau Ostwestfalen-Lippe
"Mit gemischten Gefühlen" machte sich Ingrid Knetsch am Samstagmorgen (02.02.2013) auf den Weg von Paderborn aus ins Ruhrfestspielhaus nach Recklinghausen. Als Delegierte vertrat die erste Vorsitzende des Turngaus Ostwestfalen-Lippe dort ihre rund 17.000 Sportlerinnen und Sportler bei der Mitgliederversammlung des Landesportbundes NRW. Am Mittag sind die Sorgen der Sportfunktionärin nicht geringer geworden. "Uns fehlt Geld", sagt Ingrid Knetsch am Rande der Veranstaltung. "Dank des Paktes für den Sport waren wir davon ausgegangen, dass wir genügend Mittelzuwendungen bekommen würden, doch nun werden wir wohl mit 100. 000 Euro im Jahr weniger auskommen müssen."
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- Audio: Sport-Pakt in Schieflage [WDR 2] Josefine Fehr, Liga live
Für den Turngau OWL hieße das: An der kostenintensiven Turnschule in Hamm-Oberwerries müssten Einsparungen vorgenommen werden, genau wie bei der Aus- und Fortbildung von Übungsleitern. Einziger Ausweg: "Wir werden wohl unsere Mitglieder informieren, dass wir die Vereinsbeiträge erhöhen müssen", sagt Ingrid Knetsch.
70 Trainer müssten eingespart werden

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Steckten die Köpfe zusammen: Walter Schneeloch und Bernd Neuendorf
So wie Knetsch und dem Turngau Ostwestfalen-Lippe geht es derzeit vielen Vereinen und Verbänden in Nordrhein-Westfalen. Vor zwei Jahren sah die Welt im größten Sportland der Republik mit 5,08 Millionen Vereinsmitgliedern und 20.000 Vereinen noch rosiger aus. Die Landesregierung und der Landessportbund (LSB) hatten - ebenfalls in Recklinghausen - den "Pakt für den Sport" verabschiedet. Leistungs- und Breitensport sollten gefördert werden, ein Schwerpunkt wurde auf die Bewegungs- und Sportförderung im vorschulischen und schulischen Ganztag gelegt.
"Wir sind Partner auf Augenhöhe, aber wir wollen nicht nur in schönen Zielen schwelgen, sondern haben eine ganze Reihe praktischer Umsetzungsschritte verabredet", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft damals und stellte dem Verbund drei Millionen Euro mehr in Aussicht. Insgesamt verwaltet der LSB einen Etat von 66 Millionen Euro pro Jahr, 60 Prozent davon gehen an die Kreis- und Stadtsportbünde sowie die Verbände. Mit dem im Pakt zugesageten Extra-Geld von drei Millionen Euro werden beispielsweise etwa 70 Sport-Trainer bezahlt, die jeder eine halbe Stelle an Ganztagsschulen besetzen.
Zusagen nicht eingehalten
Mit diesen Mehr-Zuwendungen hatte der LSB nun auch für 2013 und die kommenden Jahre bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 gerechnet. Schließlich hatte es Zusagen von Landesregierung und SPD-Fraktion gegeben, dass die vereinbarte finanzielle Planungssicherheit bis zu dieser Mitgliederversammlung in Recklinghausen geschaffen werde.

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Aktives Plenum: Die LSB-Mitglieder bei einer Fitnessübung
Doch dazu ist es nicht gekommen. Stattdessen hat die Regierung die Fördermittel für den Sport in ihrem Haushaltentwurf 2013 um eine Millionen Euro gekürzt. Zusätzlich muss der LSB von einer Minderzuweisung aus Lotterieerlösen in Höhe von zwei Millionen Euro ausgehen. "Unser Vertrauen in die Landesregierung als verlässlicher Partner für den Sport ist gestört", sagt LSB-Präsident Walter Schneeloch den 400 Delegierten aus Vereinen und Sportverbänden im Ruhrfestspielhaus.
Staatssekretär bittet um Zeit
Eine Lösung für das Problem hat der Gesandte der Landesregierung, Staatssekretär Bernd Neuendorf, nicht parat, betont jedoch, dass man zu den gemachten Zusagen stehe. "Der neue Glückspielstaatsvertrag bringt einige Unsicherheiten mit sich. Wir wollen noch ein bisschen Sicherheit gewinnen, wie die Einnahmenseite sich entwickelt", erklärt Neuendorf. Bis zum Sommer wolle man eine Lösung finden. Diesen Optimismus teilten nicht alle der Delegierten. "Der Staatssekretär hat sich sehr gewunden. Jetzt noch Handlungsspielraum einzufordern, geht gar nicht", meint Henning Weber vom Fußballverband Niederrhein. Auch Hans-Peter van Hauten sieht schwarz, was die zusätzlichen Gelder angeht. "Mit Sicherheit wird es keine drei Millionen an Mehrzuwendungen geben. Das wird sich bei einer Millionen einpendeln", vermutet der Vertreter des Stadsportbundes Düsseldorf.
Im schlimmsten Fall Programme kürzen

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Vertreter des Fußballverbandes Niederrhein
Walter Schneeloch indes will nicht lockerlassen. "Der Pakt muss bis Mitte des Jahres nicht nur vereinbart, sondern unterschrieben werden, zu Konditionen, die für den LSB akzeptabel sind." Sollte es nicht dazu kommen, will Schneeloch im Sommer eine außerordenliche Mitgliederversammlung vereinbaren und über die weitere Planung in seinem Verband abstimmen lassen. "Wir müssen im schlimmsten Fall unsere Programme kürzen. Ich glaube nicht, dass das im Sinne der Regierung ist", so Schneeloch. Und schon gar nicht im Sinne von Sportfunktionärinnen wie Ingrid Knetsch. An ihrem großen Engagement für die vielen Turnerinnen und Turner in Ostwestfale-Lippe ändert sich bei ihr allerdings nichts. "Wir kämpfen weiter", sagt Ingrid Knetsch und geht zurück an ihren Platz im großen Saal des Ruhrfestspielhauses.
Stand: 02.02.2013, 17.52 Uhr
Kommentare zum Thema (10)
letzter Kommentar: 04.02.2013, 09:20 Uhr
- Marcus Rhynern-Mann (47) schrieb am 04.02.2013, 09:20 Uhr:
- Ich könnte k....., wenn ich die ganze gequirlte Sch..... hier lese. Nur weil ein Großteil unser Bevölkerung mit Herzverfettung der Allgemeinheit zur Last fällt, brauchen wir keinen Breitensport mehr? Nur weil die Fitness-Wirtschaft mittlerweile eine bessere Lobby hat als der Übungsleiter um die Ecke, werden Gelder gekürzt? Hurra! Die Welt der selbstsüchtigen Individualisten hat uns voll im Griff, auch im Sport!
- RechtsDaumenLinks schrieb am 04.02.2013, 07:30 Uhr:
- @Kraft x Weg & Ruhrgebietsbürger. Völlig richtige Einstellung Ihrerseits zu der Thematik. Warum auch das Geld der Allgemeinheit nur für einen Teil der Allgemeinheit verwenden. Völliger nonsens und sicher noch ausbaufähig. Grundsätzlich sollten Steuern individueller quasi nach persönlichem Nutzen berechnet werden. Nur mal so als Beispiel. Ich habe keine Kinder, warum sollten dann von meinem Geld Schulen und Universitäten finanziert werden? Wegen der Zukunftssicherung(also meine persönlichen)? Na da zahl ich lieber ein bisschen mehr in die Rentenkasse. Ach ich fahre auch nie mit der Bahn, wozu also diese von meinen Steuern subventionieren? Autobahnen? Brauch ich nur sehr selten müsste also über Vignete abgerechnet werden. Ich könnte das jetzt noch um einige Punkte ergänzen so wie jeder sich eine eigene individuelle Steuerliste erstellen könnte. Aber das geht nicht denn das Geld der Allgemeinheit wird auch für diese ausgegeben ob das jetzt genutzt wird oder nicht.
- 1.Vorsitzender schrieb am 03.02.2013, 21:02 Uhr:
- Allein mit dem was die sozen-verseuchte WestLB verbrannt hat, könnten Breitensportvereine jahrelang bestens Ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Unsd wieso werden Fussballverbände unterstützt. Die solen sich gefälligst im eigenen Hause beim DFB bedienen. Ehrenamt macht schon lange keinen Spaß mehr
- heinzb aus nrw schrieb am 03.02.2013, 17:53 Uhr:
- Kürzen an der richtigen Stelle treibt unsere Jugend auf die Straße, denke ich. Schreiben wir doch lieber, wofür sie die gekürzten Gelder der deutschen Steuerzahler als Regierung verwenden, dann sehen wir das Potential der Verteilung der Steuergelder, das, was als Zuschuss zum Sport im Jahr kommen sollte, wird im Monat benötigt für Scheinasylanten und Zuwanderung in die Deutschen Sozialsysteme durch kriminelle Banden aus den Ostblockstaaten der EU, meine ich.
- dummer Martin schrieb am 03.02.2013, 17:19 Uhr:
- Angeblich ist der WDR doch ein Rotfunk. Ich lese nichts von den üblichen Verdächtigen, die gerne so laut krächzen. Der Artikel ist doch ein eindeutiger Angriff auf die Landesregierung.
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