Spitzen-Leichtathleten in Düsseldorf: Laufen und Springen gegen den Fußball
Am Freitagabend (08.02.2013) treffen sich Olympia- und WM-Medaillengewinner zum Leichtathletik-Sportfest in Düsseldorf. Diese Veranstaltung soll auch den Nachwuchs in NRW begeistern. Doch die Verantwortlichen müssen feststellen, dass ihr Sport vom Fußball immer mehr verdrängt wird und die glorreichen Zeiten längst vorbei sind.

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Spitzen-Leichtathleten treffen sich in Düsseldorf
Dieses Rennen können die Leichtathleten nicht gewinnen. "König" Fußball drängt die olympische Kernsportart im Alltag immer mehr an den Rand. Ein Blick auf die Entwicklung der Stadien in Nordrhein-Westfalen genüge, sagt Leistungssportkoordinator Winfried Vonstein vom Westfälischen Leichtathletik-Verband (FLVW). "Früher hatten wir in Düsseldorf, Köln, Duisburg und Gelsenkirchen Stadien mit Laufbahnen, in denen internationale Top-Veranstaltungen und Meisterschaften stattfinden konnten." Jetzt stehen dort nur noch neu- oder umgebaute Fußballarenen. Die großen Freiluft-Sportfeste im Köln-Müngersdorfer Stadion oder in Koblenz sind nur noch blasse Erinnerung. Geblieben ist mit tauglicher Laufbahn einzig das Stadion in Bochum-Wattenscheid, das immerhin Schauplatz nationaler Titelkämpfe sein kann.
Rund 2.000 Karten waren in wenigen Tagen vergriffen
Umso dankbarer sei man Organisator Marc Osenberg für das internationale Hallensportfest am Freitagabend (08.02.2013) in Düsseldorf, sagt Dieter Voigt vom Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN): "So eine Veranstaltung hat immer eine Strahlkraft. Zum einen für die öffentliche Wahrnehmung unseres Sports, zum anderen für die Athleten und Vereine." Bestes Zeichen dafür: Die rund 2.000 Karten waren innerhalb von wenigen Tagen vergriffen. "Jeder Aktive möchte sehen, wie sein Sport in Perfektion ausgeübt wird." Über ein Dutzend olympische und mehr als 30 WM-Medaillen haben die rund 175 Teilnehmer aus über 30 Nationen bisher gewonnen. Neben Medaillengewinnern von London 2012 wie Timothy Kitum (Kenia/Bronze über 800 m) und Jason Richardson (USA/Silber über 110 m Hürden) ist das deutsche Stabhochsprung-Duo Björn Otto (Köln) und Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) dabei. "Das hochkarätige Teilnehmerfeld lässt uns auf interessante Wettkämpfe, Weltjahresbestleitungen und Rekorde hoffen", erklärt Sportfest-Direktor Marc Osenberg.

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Kampf um den Sieg
In insgesamt elf Disziplinen messen sich die Top-Athleten in Düsseldorf. Angesichts von insgesamt 48 Wettbewerben, die bei Olympia ausgetragen werden, ist das nur ein kleiner Ausschnitt, sagt LVN-Leistungssportmanager Dieter Voigt. "Es ist wichtig, dass es überschaubar bleibt. Vom Auftakt bis in eine Kernzeit, in der das Fernsehen überträgt." Nach drei Stunden werden die Hürden dann wieder abgebaut und die Leichtathletik verschwindet in der Versenkung, die der Sport nach der großen olympischen Medaillenjagd stets erfährt.
Jugendliche sind immer weniger bereit für konsequentes Training
Nicht nur das verfolgt die Verbände beim Bemühen um Nachwuchs. "Die Zeiten haben sich geändert. Wir kämpfen gegen den Fußball und die gesellschaftliche Entwicklung", sagt Winfried Vonstein. Verkürzte Schulzeit (G8) und Ganztagsprogramme fressen die Freizeit auf. Kinder und Jugendliche seien immer weniger bereit, sich über Jahre konsequent mit einem Sport wie der Leichtathletik zu beschäftigen. Die Verbände zählen ein Drittel weniger Nachwuchsathleten als vor zehn Jahren – mit abnehmender Tendenz. "Selbst spezielle Förderungen werden abgelehnt, das ist alarmierend." Lieber geht es zum Drachenfliegen oder Bungee-Springen. Da sei zwar immer noch besser, als sich gar nicht sportlich zu betätigen, sagt Vonstein. Der Leichtathletik hilft es aber nicht.

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Hochspringer Carlo Thränhardt
In Nordrhein-Westfalen sind die Verbände mit rund 220.000 gemeldeten Athleten zwar noch besser aufgestellt, es werden hohe Teilnehmerzahlen bei U18- und U20-Meisterschaften registriert. Doch durch Leistungskürzungen seitens der Politik können seit drei Jahren nur noch rund 230 NRW-Talente gefördert werden, statt wie zuvor rund doppelt so viele. Genau diese Unterstützung der 15- bis 19-Jährigen fördere aber die Medaillengewinner der Zukunft zutage, sagt Vonstein. "In Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern sorgen wir mit hauptamtlichen Kräften für Beratung, Trainingspläne und Lehrgänge." Für eine bessere Heranführung an die Erwachsenenklassen wurde eine spezielle U23-Kategorie geschaffen. Wer die so genannten "Hungerjahre" und "Fleißjahre" überstehe, könne es schaffen, sagt LVN-Leistungssportmanager Dieter Voigt.
Sechs Athleten aus Düsseldorf machen Hoffnung für die Zukunft
Das Düsseldorfer Hallensportfest ist dafür nicht nur eine gute Motivation, sondern auch ein prima Beispiel: So freut sich Marc Osenberg besonders über sechs Teilnehmer vom ART Düsseldorf, eine Bestätigung des Aufwärtstrends der Leichtathletik in der Landeshauptstadt. "Sechs lokale Athleten hatten wir in den zurückliegenden Jahren noch nicht am Start. Vielleicht muss ich mich demnächst gar nicht mehr in der Welt nach Top-Athleten umschauen, sondern kann dies direkt vor der Haustür tun – und vielleicht sehen wir ja auch schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio einen Athleten wieder." Immerhin belegte die Veranstaltung in der Rangliste des internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) den vierten Platz unter den weltweiten Hallenmeetings.
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Dietmar Mögenburg beim Sprung über die Hochsprunglatte (Fotostrecke 1)
In Nordrhein-Westfalen gibt es in jedem Fall noch etliche Athleten mit Potenzial, die an die großen Zeiten anknüpfen können, in denen sich Stars wie der Leverkusener Dietmar Mögenburg und der Kölner Carlo Thränhardt abseits von Olympia nervenaufreibende Hochsprung-Duelle bei Sportfesten mit TV-Übertragung lieferten. LVN-Leistungssportmanager Dieter Voigt. "Wir haben immer noch die Hoffnung, sonst würden wir einen Hobbysport draus machen. So lange wir hoffen dürfen, lohnt sich jeder Einsatz für die Leichtathletik." Auch wenn es vielleicht nur noch um den zweiten Platz im Rennen hinter "König" Fußball geht.
Stand: 07.02.2013, 11.23 Uhr
Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 08.02.2013, 21:52 Uhr
- r.mey schrieb am 08.02.2013, 21:52 Uhr:
- der wdr ist an der misere nicht ganz unschuldig und propagiert auch nur fußball. den marathon in düsseldorf habe ich noch nie im wdr sehen können, obwohl gerade dort die deutschen nachwuchsathleten gefördert und laufen werden. siehe die hahner zwillinge oder pollmächer.
- rolf schrieb am 08.02.2013, 16:26 Uhr:
- natürlich ist das ein ungünstiger termin - gerade im rheinland. mein tipp wäre aber ohnehin: diesen gesamten scheiß-bezahl-fußball verbieten!
- Frank schrieb am 08.02.2013, 10:46 Uhr:
- Der Termin konnte nicht ideotischer geplant sein: Heute ist KARNEVAL !!!
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