Essener trainiert deutsche Schwimmer: "Henning kann das"
Am Freitag (14.12.2012) ist Henning Lambertz am Rande der Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Istanbul als neuer Cheftrainer der deutschen Schwimmer vorgestellt worden. Bisher war Lambertz erfolgreich am Bundesstützpunkt in Essen als Trainer tätig. Nun soll er die deutschen Schwimmer wieder auf die Erfolgswelle bringen.

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Neu-Bundestrainer Henning Lambertz
Nun ist es also offiziell. Henning Lambertz ist neuer Cheftrainer im Deutschen Schwimmverband. Der 42-jährige soll die deutschen Schwimmer nach dem totalen Bauchklatscher bei den Olympischen Spielen, bei denen die deutschen Athleten nicht eine einzige Medaille aus dem Londoner Becken fischten, wieder flott machen. Seine wohl größte Aufgabe dürfte darin bestehen, für einen Stimmungsumschwung bei den Schwimmern zu sorgen. "Die Athleten müssen das lieben, was sie machen. Sie müssen mit Herzblut dabei sein und Spaß daran haben, an Grenzen zu kommen. Pflichterfüller werden es schwer haben, international um Medaillen mitzuschwimmen", sagt Lambertz.
Der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt
Der charismatische Schwimmtrainer scheint genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt zu sein. Er lebt seinen Sport mit unglaublicher Begeisterung, fiebert vom Beckenrand aus mit seinen Athleten mit. Und so ist seine Nominierung zu Deutschlands wichtigstem Schwimmtrainer nicht ganz überraschend. Lambertz gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Übungsleiter in der Sparte Schwimmen der vergangenen Jahre. "Henning ist fachlich sehr kompetent und verfügt über große Erfahrung. Er hat viele international erfolgreiche deutsche Schwimmer betreut", sagt Christian vom Lehn. Der Brustspezialist wechselte erst vor wenigen Wochen von Wuppertal nach Essen. Auch um dort unter Lambertz zu trainieren.
Magnet für Schwimmer
Vom Lehn ist kein Einzelfall. Wie ein Magnet hatte Lambertz in den vergangenen Jahren immer wieder Topschwimmer angezogen und nach Essen gelotst. Aktuell gehören unter anderem Caroline Ruhnau, Sina Sutter, Lisa Vitting, Dorothea Brand, Hendrik Feldwehr und eben Christian vom Lehn zu seiner Essener Trainingsgruppe. "Für uns ist es natürlich schade, dass er geht", sagt von Lehm. Allerdings müssen die Essener wohl noch nicht direkt Abschied von ihrem Trainer nehmen. Zwar tritt er seinen neuen Posten bereits zum 1. Januar 2013 an. Voraussichtlich bis zur Deutschen Meisterschaft im April wird er das Essener Team aber noch betreuen, um sich dann ab dem 1. Mai 2013 voll und ganz seiner Aufgabe als Cheftrainer im DSV zu widmen.

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Trainiert derzeit unter Lambertz in Essen: Christian vom Lehn
"Für Essen ist das ein großer Verlust. In den vergangenen vier Jahren hat er hier hervorragende Arbeit geleistet", sagt Bernhard Gemlau, 1. Vorsitzender des Clubs. Deshalb wird Lambertz Abgang auch eine Lücke hinterlassen. Allerdings habe man mit Kerstin Vogel, Nicole Endruschat und Mitja Zastrow drei ausgezeichnete Trainer, die Lambertz Arbeit nun fortsetzen sollen, so Gemlau weiter.
"Absoluter Fachmann"
In der Ruhrgebietsstadt weiß man die Qualitäten von Henning Lambertz sehr zu schätzen und natürlich trauen sie ihm dort auch den Schritt zum Bundestrainer zu. "Henning kann das auf jeden Fall. Ich denke, dass er im DSV wirklich etwas bewegen wird", sagt Christian vom Lehn. Auch Gemlau ist von den Qualitäten des neuen DSV Cheftrainers überzeugt. "Henning ist ein absoluter Fachmann, der ständig daran arbeitet, sich weiter zu entwickeln und der gerne neue Wege ausprobiert", sagt er. So jemanden können sie im DSV aktuell sehr gut gebrauchen.
Vier Jahre läuft der Vertrag von Lambertz im DSV. Sein eingereichtes Konzept ist aber auf acht Jahre angelegt. "Das heißt auch, dass meine Arbeit nicht an möglichen Medaillen bei den Olympischen Spielen in Rio gemessen werden kann", sagt Lambertz. Aber natürlich wolle er dort mit der deutschen Mannschaft besser abschneiden als in London 2012. Und auch sonst wird er in den kommenden Wochen einen konkreten Fünf-Punkte-Plan vorstellen, mit dem er Deutschlands Schwimmer aus der Talsohle herausholen will.
Trainer mit Leib und Seele
Sein Augenmerk gilt in den kommenden Jahren neben den Eliteschwimmern auch der so genannten zweiten Welle. Lambertz will die vorhandenen jungen Talente besser auf den Sprung ins internationale Becken vorbereiten. Für ihn selbst ist der Wechsel ein durchaus mutiger Schritt. Er hätte auch seine erfolgreiche Stützpunktarbeit in Essen fortsetzen können. "Ich glaube aber, dass ich in der neuen Position für das deutsche Schwimmen mehr erreichen kann", sagt er. Außerdem habe er in der Vergangenheit auch durchaus zu den Kritikern gezählt, wenn etwas im DSV nicht gut gelaufen sei. Nun biete sich ihm die Chance, es besser zu machen. "Das will ich versuchen, ob es mir dann auch gelingt, wird sich zeigen", sagt er.
Also tauscht er seine Badelatschen gegen schwarze Anzugschuhe. Aber auch, wenn er kaum noch am Beckenrand stehen wird, will er Begeisterung vorleben. "Das ist eine seiner ganz großen Stärken. Henning kann sich in die Sportler hineinversetzen und sie sehr gut motivieren", sagt Thomas Rupprath. Gemeinsam mit Lambertz zählte er Anfang der 2000er Jahre über gut fünf Jahre zu den erfolgreichsten Gespannen im deutschen Schwimmverband. Damals trainierte Lambertz noch in Wuppertal. Rupprath hat seinen damaligen Betreuer als stets ambitionierten und sehr ehrgeizigen Trainer kennen gelernt. Zudem habe er es gut verstanden, die Athleten auf den Punkt fit zu bekommen, sagt Rupprath.
Beste Wünsche für den Start
In seiner neue Aufgabe als Cheftrainer wird es für Lambertz allerdings nicht nur darum gehen, die Athleten zu motivieren. Viel wichtiger wird es wohl sein, ein motiviertes Trainerteam um sich herum aufzubauen. "Die Akzeptanz dafür hat er sich in den vergangenen Jahren auf jeden Fall erarbeitet", sagt SG-Essen-Vorstand Gemlau. Er wünscht Lambertz bei seinem neuen Job auf jeden Fall viel Erfolg und ein glückliches Händchen. Auch bei der Besetzung des nun vakanten Postens des Stützpunkttrainers in Essen. Denn dabei wird er als neuer Cheftrainer im DSV auch ein gewichtiges Wort mitzureden haben.
Stand: 14.12.2012, 09.34 Uhr
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