Ex-Torwart über Fußball in den 70ern: "Fortuna war ein Amateurverein"
Im DFB-Pokal liefern sich am Mittwoch (31.10.2012) Fortuna und Borussia ein rheinisches Derby. Wolfgang Kleff war in den 70er und 80er Jahren Torhüter bei beiden Clubs. Kurz vor dem Spiel spricht der 65-Jährige über seine Ex-Klubs, über störende Toilettenrollen und ein überraschendes Comeback.

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Wolfgang Kleff vor dem Gladbacher Meisterfoto von 1970
Wolfgang Kleff wurde am 16. November 1946 im westfälischen Schwerte geboren. Er begann seine Torhüter-Karriere beim VfL Schwerte und wechselte mit 22 Jahren zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga. Am Niederrhein spielte er insgesamt 13 Jahre, wo er etliche nationale und internationale Titel gewinnen konnte. Später spielte Kleff unter anderem für Fortuna Düsseldorf. Der sechsmalige Fußball-Nationalspieler beendete seine Karriere mit 45 Jahren und lebt heute in der Nähe von Mönchengladbach.
WDR.de: Herr Kleff, wie sehr elektrisiert Sie das rheinische Derby zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach noch?
Wolfgang Kleff: Ich nehme das eher zur Kenntnis. Ich kenne ja kaum noch eine der handelnden Personen in den Klubs. Außer bei der Fortuna Thomas Allofs vielleicht, auch wenn ich mit ihm nicht mehr zusammengespielt habe.
WDR.de: Sie haben beinahe Ihre gesamte Karriere in beiden Vereinen verbracht. Freut es Sie zumindest, dass dieses Derby überhaupt wieder zustande kommt?
Kleff: Auf jeden Fall. Ich freue mich vor allem, dass die Fortuna zurück in der Bundesliga ist. Das hat ja lange genug gedauert. Und wenn ich Zeit habe, gehe ich sowieso zu jedem Spiel von der Borussia. Ich habe ein paar Freunde, die mir Karten für die Heimspiele geben. Dass beide jetzt wieder in der höchsten Klasse aufeinandertreffen, ist doch wunderbar.
WDR.de: Sie haben fünf Meisterschaften, den DFB- und den Uefa-Pokal mit Mönchengladbach gewonnen, haben dort insgesamt 13 Jahre gespielt. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Borussia?
Kleff: Das ist fantastisch. Die Borussia ist im Gegensatz zu meinen aktiven Zeiten ein richtig großes Unternehmen geworden. Früher hatten wir gerade einmal fünf Leute auf der Geschäftsstelle. Allerdings fehlt mir, ausgenommen im vergangenen Jahr, ein wenig der sportliche Erfolg. Da hatten wir zu meiner Zeit etwas mehr vorzuweisen.
WDR.de: Allerdings haben Sie einmal auf kuriose Weise im Europapokalspiel gegen den FC Everton im Jahr 1970 dazu beigetragen, dass die Borussia letztlich ausschied. Wie kam es dazu?
Kleff: Das war wirklich kurios. Die Zuschauer haben Toilettenrollen auf das Spielfeld am Bökelberg geworfen. Die haben mich einfach gestört, also habe ich sie weggeräumt. Ein gegnerischer Spieler, Howard Kendall, hat registriert, dass ich mein Tor kurz verlassen hatte und den Ball fast von der Mittellinie zum 1:1-Endstand ins Tor gehauen. Da brauchte ich mich nicht mal mehr schmeißen, den konnte ich nicht kriegen. Das Rückspiel haben wir dann 3:4 im Elfmeterschießen verloren. Das war wohl mein bestes Spiel überhaupt. Ich hatte offenbar ein schlechtes Gewissen.
WDR.de: Mit dem Aufstieg hat die Fortuna für Ihre Verhältnisse derzeit einen großen sportlichen Erfolg zu bieten. Ist die Mannschaft in der Bundesliga überhaupt konkurrenzfähig?
Kleff: Das dieser vor der Saison so zusammengewürfelte Haufen in der Bundesliga bisher so gut mithalten kann, ist für mich eine Überraschung. Diese Mannschaft hat Willen. Das fehlt mir bislang bei der Borussia. Aber es wird dennoch eine schwere Saison für die Fortuna.
WDR.de: Im anstehenden Derby steckt eine hohe Brisanz. Wie intensiv war die Rivalität zu Ihrer Zeit?
Kleff: Das war noch völlig anders. Die Fankultur war auch noch deutlich ruhiger. Wir Spieler kannten uns gut und sind freundschaftlich miteinander umgegangen. Manchmal hat man sich schließlich auch mal zufällig in der Düsseldorfer Altstadt getroffen und ein Bier zusammen getrunken. Der größte Unterschied zu heute war aber, dass die Borussia der ganz klare Favorit war. Wir waren schließlich mehrfacher Deutscher Meister. Die Fortuna repräsentierte dagegen eher den Durchschnitt. Im anstehenden Spiel begegnen sich beide Teams aber auf Augenhöhe, auch wenn die Gladbacher die viel teurere Mannschaft haben.
WDR.de: Dennoch sind Sie nach 13 Jahren in Mönchengladbach über den Umweg von einem Jahr in Berlin im Alter von 35 Jahren nach Düsseldorf gewechselt. Ein Rückschritt?
Kleff: Ich wollte ja eigentlich gar nicht weg aus Gladbach. Aber der Jupp (Trainer Heynckes; Anmerk. d. Redaktion) wollte mit Uli Sude einen jungen Mann aufbauen. Ich war sehr beliebt in Gladbach, habe dem Jupp gesagt: Ich setze mich brav auf die Bank, mache kein Theater, unterstütze den Uli Sude sogar. Aber das wollte der Jupp partout nicht. Er sagte: Der wird nervös, wenn du da sitzt. Der guckt gleich auf die Ersatzbank, wenn er mal einen Fehler machen sollte. Und auf den Tribünen rufen sie meinen Spitznamen: "Otto, Otto, Otto."
WDR.de: Wieviel haben Sie eigentlich verdient zu Beginn Ihrer Karriere?
Kleff: 1.200 Mark habe ich im Monat bekommen und 250 Mark Siegprämie. Als Ersatztorwart. Später dann, als ich im Tor stand, waren es 1.000 Mark für einen Sieg. Also kein Vergleich zu den heutigen Spielern.
WDR.de: Wie groß waren die Unterschiede zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach?

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Wolfgang Kleff im Jahr 1975 im Alter von 28 Jahren.
Kleff: Das waren ein Unterschied wie Tag und Nacht. Fortuna war eher ein kollegialer Freizeitklub im Verhältnis zur Borussia, wo alles viel organisierter und disziplinierter zuging. Ein Beispiel: Wir sind mal zu einem Auswärtsspiel mit der Fortuna gefahren und der Busfahrer wusste nicht, wo das Hotel war. Da mussten wir die Passanten nach dem Weg fragen. Da bin ich fasst vom Hocker gefallen. So etwas hat es bei der Borussia nicht gegeben, in Düsseldorf war alles noch nicht so professionell. Die Fortuna war ein liebenswerter Amateurverein.
WDR.de: Mit 37 Jahren wollten Sie Ihre Karriere beenden, haben nach einigen Stationen in der 2. Liga und in Amateurvereinen aber erst mit 45 Jahren aufgehört - und mit 61 Jahren ein Comeback in der Landesliga gegeben. Wie kam es dazu?
Kleff: Ich habe ja noch bei Benefiz-Spielen mitgemacht, war noch recht fit. Und ein Freund, der beim FC Rheinbach engagiert war, hat mich gefragt, ob ich nicht aushelfen kann. Der Verein stand mitten im Abstiegskampf und beide Torhüter waren ausgefallen. Ich habe mich dann dazu durchgerungen und meine Eitelkeit hinten angestellt. Nach 29 Minuten war aber schon wieder Schluss, weil ein gegnerischer Spieler im mich hineingerannt ist und ich ausgewechselt werden musste. Da haben wir noch 1:0 geführt. Am Ende stand es dann 1:4.
WDR.de: Mittlerweile sind Sie 65 Jahre alt. Können Sie ein weiteres Comeback ausschließen?
Kleff: Auf jeden Fall. Ich habe gesundheitliche Probleme. Angefangen hatte es mit Herz-Rhythmusstörungen. Dann bekam ich einen Virus, hatte nur noch rund 20 Prozent Herzleistung. Jetzt bin ich bei rund 45 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte ich einen Schlaganfall, war drei Millimeter vom Rollstuhl entfernt. Wenn ich nochmal Fußballspielen würde, hätte ich Angst, dass ich das nicht mehr überlebe. Ich schaue jetzt nur noch im Stadion zu und freue mich sehr auf das rheinische Derby am Mittwoch (31.10.2012).
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Jörg Strohschein war bei dem Treffen mit Wolfgang Kleff überrascht darüber, wie gut sich sich der ehemalige Nationaltorhüter von seinen gesundheitlichen Rückschlägen erholt hat und wie unkompliziert er über seine Vergangenheit berichtete. Eine solche Offenheit ist im Fußballgeschäft die große Ausnahme. Wolfgang Kleff und der Autor fuhren nach dem Gespräch zufrieden nach Hause.
Stand: 30.10.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (10)
letzter Kommentar: 31.10.2012, 19:55 Uhr
- Robert schrieb am 31.10.2012, 19:55 Uhr:
- Tja der Otto ist schon eine Marke, oft besucht er auch unsere U23 im Grenzlandstadion. Ist immer gut drauf und spendet auch mal für die Kaffeekasse der Ordner. Ich hoffe ich kann ihn noch oft bei unseren Spielen begrüßen.
- Peter schrieb am 31.10.2012, 07:49 Uhr:
- Leute, die ihre Meinung unter einem Spitznamen posten, schämen sich doch offenbar für das, was sie meinen. Für alles und jeden gibt es Fans. Wer den FC so abwertet, der hat für mich Mindertwertigkeitskomplexe. Das prallt an einem richtigen Fußball - Fan, egal ob MGL - HSV - S04 - FCB ... oder FC ab. Finde ich nur arm. Come on FC...
- Herrlich... schrieb am 30.10.2012, 16:59 Uhr:
- ...da berichtet WDR über Düsseldoof und alle reden sie nur wieder über den 1.FC Köln. Scheint ja irgendwie interessanter zu sein...
- Peter schrieb am 30.10.2012, 15:32 Uhr:
- Leute, die ihre Meinung unter einem Spitznamen posten, schämen sich doch offenbar für das, was sie meinen. Für alles und jeden gibt es Fans. Wer den FC so abwertet, der hat für mich Mindertwertigkeitskomplexe. Das prallt an einem richtigen Fußball - Fan, egal ob MGL - HSV - S04 - FCB ... oder FC ab. Finde ich nur arm. Come on FC...
- 95er schrieb am 30.10.2012, 13:48 Uhr:
- Ich freue mich auch, wenn Kaiserslautern wieder aufsteigt..........
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