Bundesliga-Topspiel Zwei Borussia-Herzen in Köppels Brust

Von Jens Mickler

Horst Köppel feierte als Fußballer in den 70er Jahren große Erfolge mit Borussia Mönchengladbach. Später arbeitete er dort als Trainer, wie auch bei Borussia Dortmund, wo er 1989 den DFB-Pokal holte. Am Samstag (03.12.2011) treffen beide Teams im Topspiel der Bundesliga aufeinander. Horst Köppel wünscht sich ein "salomonisches" Ergebnis.


Horst Köppel in seinem Wohnzimmer
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Horst Köppel in seinem Wohnzimmer in Mönchengladbach

WDR.de: Herr Köppel, wer wird Deutscher Meister 2012?

Horst Köppel: Bis vor drei Wochen habe ich uneingeschränkt Bayern München gesagt, aber nach dem Fast-Einbruch der Bayern zuletzt und den kometenhaften Spielen von Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund glaube ich schon, dass eine andere Mannschaft Chancen hat, wobei ich da Borussia Dortmund die größeren Möglichkeiten einräume.

WDR.de: Wäre denn Borussia Mönchengladbach auch schon reif für den Titel?

Köppel: Ich glaube nicht. Ich möchte jetzt nicht wieder als Nörgler dastehen. Ich glaube, was die Gladbacher geleistet haben ist schon am Limit und überragend, aber ob sie es die ganze Saison durchhalten, daran habe ich - meines Erachtens - schon berechtigte Zweifel. Natürlich kann es die ganze Saison so laufen, aber das muss man abwarten. Ich meine, dass sich auf Dauer die Bayern oder auch Borussia Dortmund als Meister herausstellen werden.

WDR.de: Warum läuft es bei Mönchengladbach so gut in dieser Saison?


Horst Köppel bei Gladbach
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Horst Köppel als Trainer von Gladbach

Köppel: Dass die Gladbacher in der Vorsaison nicht abgestiegen sind, war nicht nur ein kleines, sondern ein großes Fußball-Wunder und ein großer Verdienst von Trainer Lucien Favre. Dieses Selbstvertrauen haben die Spieler dann mit in die neue Saison genommen. Favre hat ihnen klargemacht, was alles möglich ist. Optimal war dann der 1:0-Auftaktsieg bei Bayern München. Ich habe fast alle Heimspiele gesehen. Die Mannschaft spielt befreit und unbelastet. Das jüngste Heimspiel gegen Bremen war absoluter Spitzenfußball.

WDR.de: Im Frühjahr waren Sie Teil der sogenannten "Initiative Borussia", die das Präsidium stürzen wollte. Der Versuch scheiterte. Bereuen Sie es heute, dort mitgewirkt zu haben?

Köppel: Nein, ich bereue nichts. 80 Prozent der Leute in und um den Verein haben damals gesagt, dass sich etwas ändern muss im Klub. Ich habe mich dann spät entschieden mitzumachen. Es ist vieles falsch gelaufen. Die Initiative war nicht gut. Vieles habe ich im Nachhinein erst mitbekommen. Ich habe aber mitgemacht. Dazu stehe ich. Es ist für mich sehr negativ ausgegangen. Der eine oder andere im Verein meidet mich nun. Diejenigen, die damals gesagt haben, mach doch da mit, genau die wenden sich nun ab. Ich habe einige Leute nun richtig kennengelernt. Das war gar nicht schlecht.

WDR.de: Sind denn nun alle Probleme bei Gladbach beseitigt?

Köppel: Es sieht so aus. Viele haben gesagt, ich hätte aus Rache bei der Initiative mitgemacht. Ich wäre sauer gewesen, dass der Verein mich damals als Trainer (im Jahr 2006, Anm. d. Red.) beurlaubte. Natürlich war ich sauer, aber ich habe nicht aus Rache mitgemacht. Es ging nicht um Personen, es ging um Borussia. Ich war nicht damit einverstanden, dass der Verein es lange Zeit nicht schaffte, sportlich hochzukommen. Und als ich die Möglichkeit hatte und es auch, glaube ich, als Trainer ganz gut gemacht habe, haben sie mir nicht die Zeit gegeben. Dass ich nicht glücklich darüber war, muss jeder Mensch verstehen.

WDR.de: Zu Ihrer anderen Borussia: Warum ist Borussia Dortmund noch keine europäische Spitzenmannschaft?

Köppel: Ich glaube, die Dortmunder waren alle etwas überrascht, dass es in der Champions League Mannschaften gibt, die gar nicht zur europäischen Spitzenklasse zählen wie Piräus oder Marseille, die aber trotzdem an solchen Tagen alles geben. Die Dortmunder sind nicht richtig reingekommen. Wenn man irgendwo eine Hemmschwelle hat und denkt: 'Oh Mann, Mist, vielleicht sind wir doch noch nicht so gut', dann zweifelt man an sich. Sie haben vielleicht nicht Angst, aber doch zuviel Ehrfurcht vor dem Gegner.

WDR.de: Für wen schlägt Ihr Herz am Samstag?


Horst Köppel bei Borussia Dortmund
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Auf der Trainerbank von Borussia Dortmund

Köppel: Mit Gladbach habe ich ja die wunderbaren Zeiten in den 70er Jahren als Spieler erlebt. Und in Dortmund war ich ja in verschiedenen Positionen als Trainer tätig. Ich habe insgesamt acht Jahre in Dortmund gearbeitet und hatte da eine ganz, ganz tolle Zeit. Also, ich sage mal so: 2:2 wäre mein Wunschergebnis.

WDR.de: Heraus sticht immer noch ein Resultat der beiden Klubs, der 12:0-Erfolg für Ihre Gladbacher gegen den BVB am letzten Spieltag der Saison 1977/78. Da waren Sie allerdings nicht dabei.

Köppel: Ich war durch Verletzungen in der gesamten Saison außer Gefecht gesetzt. Ich habe das Spiel nur auf der Tribüne, damals in Düsseldorf, verfolgt. Deswegen sind wir ja auch nicht Meister geworden (lacht).

WDR.de: Sie waren an diesem Morgen schon laufen. Wie sieht Ihr Alltag im Moment aus?

Köppel: Ich bin jeden Tag sportlich aktiv. Ich beschäftige mich nach wie vor viel mit Fußball. Ich bin in der Fußballschule von Rudi Völler auf Mallorca tätig, habe selber mal eine Fußballschule in Krefeld gehabt und habe so etwas Ähnliches zusammen mit meinem Sohn in Planung.

WDR.de: Wenn nun ein Verein Sie verpflichten wollte, was würden Sie dann machen?

Köppel: Das hängt davon ab, um welchen Klub es sich handelt. Man muss realistisch sein. Ich bin in einem Alter, wo die Leute sagen, der gehört nicht mehr zu der Generation, die heute gefragt ist. Wobei ich das anders sehe. Man kann auch im Alter noch mit der Zeit gehen. Es hat sich natürlich viel verändert. Bei Arminia Bielefeld hatte ich Anfang der 80er Jahre einen Co-Trainer zur Seite, den Gerd Roggensack, sonst niemanden. Heute wird einem Cheftrainer vieles abgenommen. Wichtig sind die taktischen Dinge, die auf das Spiel hinarbeiten, die muss man selber machen. Und das macht Lucien Favre übrigens in Perfektion. Ich habe ein paar Mal sein Training beobachtet.

WDR.de: Wo werden Sie das Spiel am Samstag verfolgen?

Köppel: Ich werde es im Stadion verfolgen, in der Loge eines Mitstreiters von damals. Ich hoffe auf ein spannendes Spiel.

Das Gespräch führte Jens Mickler.


Stand: 01.12.2011, 10.24 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 02.12.2011, 09:44 Uhr

Frechheit von Herrn K. schrieb am 02.12.2011, 09:44 Uhr:
Es ist unsäglich, das dieser Herr K. nicht in der Lage ist, einen schweren Fehler einzugestehen. Seine Initiative hätte Borussia MG endgültig ruiniert. Die Entwicklung heute zeigt, wie Recht der Versammlung im Borussia-Park hatte diese narzistischen,egomanischen Selbstdarsteller denkbar eindeutig abzustrafen. Herr K. hat das Recht verwirkt, sich in irgendeiner Form über die Borussia aus Mönchengladbach zu äußern. Der WDR sollte ihm nicht auch noch als wie auch immer gearteten "Kenner" hochjazzen und ihm hier auch noch eine Plattform bieten. Selbiges gilt für angebliche Borussen der Sorte Vogts, Netzer, Effenberg.
Jupp schrieb am 02.12.2011, 07:19 Uhr:
Mein Herz schlägt für die Borussia und als Westfale ist klar, für welche. Dennoch wünsche ich mir ein spannendes, faires Spiel mit einen guten 2:2 Ergebnis und möge der SV Werder Bremen in München gewinnen.