Amateurfußball in NRW Entsetzen über getöteten Linienrichter

Von Susanne Schnabel

Die Nachricht am Dienstag (04.12.2012) über den Tod eines niederländischen Linienrichters nach einer Prügelattacke durch Jugendliche hat im Amateurfußball in NRW Entsetzen ausgelöst. WDR.de sprach mit Verbandsmitgliedern über die Situation bei uns.


Buitenboys
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Vereinsheim des SC BuitenBoys: Ein Linienrichter des Clubs erlag seinen Verletzungen

"Wir sind alle zutiefst betroffen und unsere Gedanken sind bei den Angehörigen", sagt Stephan Osnabrügge, Vizepräsident des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM). "Ich kann leider nicht ausschließen, dass so etwas bei uns auch passieren könnte. Die Gewaltbereitschaft der Gesellschaft hat ein bedenkliches Maß angenommen, wie wir in vielen Beispielen in den Nachrichten sehen können. Die Menschen am Spielfeldrand sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es kann am Bahnhof, im Park oder eben am Spielfeld passieren", so Osnabrügge.

Begegnungen sind meist fair


Der Verband, dem 1.250 Vereine angeschlossen sind, habe kein Gewaltproblem. In über 3.500 Spielen pro Woche begegnen sich Sportler jeden Alters fast ausschließlich fair und ohne Gewaltexzesse. Dennoch komme es vor, dass Einzeltäter in Aktion treten. Der Vizepräsident schildert einen Fall, bei dem sich der Bruder eines Spielers über eine Entscheidung des Schiedsrichters geärgert hat, zu Hause einen Schlagstock holte und auf dem Platz den Schiedsrichter damit angegriffen hat. Osnabrügge: "Zum Glück ist dem Schiedsrichter nichts weiter passiert, denn es waren genügend Vernünftige vor Ort, die eingegriffen haben. Im Fall des niederländischen Linienrichters haben die Jugendlichen ihm aufgelauert. Er hatte keine Hilfe."

Fußball-Lotsen und Konflikt-Coaches

Die Amateur-Verbände in NRW engagieren sich für gewaltfreie Spiele mit zahlreichen Maßnahmen. Beispiele: Die Fußballverbände Mittelrhein und Niederrhein haben 2008 das Projekt "Fußball-Lotsen" ins Leben gerufen. Dabei engagieren sich Ehrenamtler in Verband, Kreis und Verein. Sie gehen gegen Gewalt auf den Plätzen vor, fördern gewaltpräventive Maßnahmen und stehen Opfern von Gewalt im Fußball bei. Darüber hinaus hat der FVM 15 Konflikt-Coaches ausbilden lassen. Sie kümmern sich um verurteilte und zu einem Anti-Gewalt-Training beziehungsweise Deeskalationskurs verpflichtete Spieler.

Respekt vor dem Schiri schwindet


Die Schiedsrichter in NRW bekommen vermehrt Aggressionen zu spüren. Die Qualität der Entgleisungen habe zugenommen, berichtet der Verbandsschiedsrichterobmann des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) Andreas Thiemann. Sein Verband erhielt in der Spielzeit 2011/2012 bis Anfang November insgesamt 25 Meldungen, davon 18 wegen Gewalt. Dies seien zwar bei den vielen Spielen Einzelfälle – aber jeder Fall sei zu viel. Schiedsrichter und Verbandsbeobachter des FVN Dieter Kauertz: "In Amateurligen zu pfeifen ist nicht einfach - es gehört viel Idealismus dazu. Beleidigungen von Zuschauern und Spielern stehen an der Tagesordnung - und das bei einem zeitaufwändigen Job."

Eltern haben sich oft nicht unter Kontrolle

Hier seien besonders Eltern, Trainer, Betreuer und Vereinsfunktionäre – gerade im Jugendbereich – gefragt, sagt Hanns Grüner. Er arbeitet seit 60 Jahren im Jugendsportbereich und ist Vorsitzender des Kreisfreizeit- und Breitensportausschusses im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen. "Es gab eine Gewaltwelle in den Jahren 1996/1997. Pro Jahr mussten wir deshalb bis zu 30 Spiele absagen. Dann haben wir das Projekt Problemlotsen ins Leben gerufen und die Situation hat sich dadurch merklich verbessert", so der 77-Jährige. Als Problemlotse hat er schon so manchen Jugendlichen mit hoher Gewaltbereitschaft mit viel Einfühlungsvermögen zur Ruhe gebracht. Grüner fällt auf, dass sich oft die Eltern am Spielfeldrand nicht im Griff haben. Sie benutzen Schimpfworte und bringen unangebrachte Kommentare gegenüber dem Schiedsrichter, dem Gegner oder sogar dem eigenen Kind. Generell sieht er jedoch eine positive Entwicklung bei der Stimmung auf dem Platz und am Spielfeldrand. "Aber es muss weiter überwacht werden durch ausgebildete Personen wie Problemlotsen. Und im Zweifelsfall, wenn man absehen kann, dass das Spiel zu Konflikten führen wird, dann wird die Begegnung eben abgesagt", so Grüner.

Video Linienrichter nach Prügelattacke gestorben (02:17 Min.) WDR aktuell vom 03.12.2012

Linienrichter nach Prügelattacke gestorben


Stand: 04.12.2012, 15.30 Uhr


Kommentare zum Thema (74)

letzter Kommentar: 06.12.2012, 00.57 Uhr

Disinformation schrieb am 06.12.2012, 00.57 Uhr:
aus dem Pressekodex: "...wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht" Der besteht doch! Aber gerade weil der Bezug verschwiegen wird, nämlich dass ausufernde Brutalität bis zum Exzess eindeutig bestimmten Ethnien zugeordnet werden kann, geht man bei allen Straftaten dieser Ausprägung davon aus, dass die Täter diesen Ethnien entstammen! Wäre es nicht so, dann wäre es auch kein Problem die Herkunft regelmäßig zu benennen, also auch wenn kein Migrationshintergrund vorliegt. So aber erweist man der Sache, der man sich verschrieben hat, einen Bärendienst.
Eigentlich linker Schiedsrichter schrieb am 05.12.2012, 23.22 Uhr:
@Roberta - Ich halte an sich recht wenig von pauschalen Beschuldigungen und stimme Ihnen ganz bestimmt zu, dass Täter aus allen Gesellschaftsbereichen und Nationalitäten stammen können. Aber bezogen auf den Amateurfußball in NRW muss ich Ihnen leider widersprechen und Ihnen eine mangelnde oder nicht vorhandene Sachkenntnis unterstellen. Gerade beim "Volkssport Fußball" zeigt sich - trotz einiger guter Beispiele - leider besonders deutlich, dass die Integration in Deutschland in weiten Teilen gescheitert ist, auch wenn sich die Politik und der DFB das zum Teil selber nicht eingestehen wollen oder können. Ich würde mir wünschen, dass sich führende Vertreter aus Politik oder den Verbänden mal ganz alleine und nicht in Begleitung von dutzenden Journalisten Spiele der Kreisliga anschauen, in denen multikulturelle Mannschaften aufeinandertreffen. Das Verhalten auf dem Sportplatz ggü. dem Gegner oder dem Schiedsrichter ist im gesellschaftlichen Leben leider selten anders.
Westfälin schrieb am 05.12.2012, 23.10 Uhr:
Warum sich seriösen Medien einem Pressekodex unterwerfen, kann in diesem Blog wunderbar beobachtet werden. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passierte, wenn das nicht so wäre. Dann würde um der Auflage willen jeder vermeidliche Täter mit Großfoto auf die Titelseite gestellt. So macht man Stimmungen. Wenn hier schon pauschal auf Bevölkerungsgruppen losgegangen wird, bekommt der nächste Marokkaner, der irgendwo verkehrt um die Ecke kommt gleich pauschal eins aufs Maul??? Oder der liebe Nachbar, der schwul oder katholisch ist oder einen schwarzen Schnurbart hat. Das hatten wir alles schon. Die Blätter hießen "Völkischer Beobachter" und "Stürmer", die machten Stimmung für Vernichtung und Mord. Niemand will hier die Tat der drei Jugendlichen in den Niederlanden beschönigen. Wenn wir aber nur verallgemeinern und nicht den Ursachen auf den Grund gehen, geschieht dergleichen wieder. Shitstorms dienen nur der Hetze.
roberta schrieb am 05.12.2012, 22.09 Uhr:
@@@polydings was soll so was? schon mal in den täglichen polizeimeldungen gelesen was deutsche jugendliche sich zu schulden kommen lassen? schon mal registriert, wer in sachen kindstötung im land welche herkunft hat? schon mal was gehört von 10jährigen deutschen kindern, die in anlagen von rassegeflügelzüchtern eindringen, den hühnern rtst mal genüsslich die federn vom lebendigen leib reißen und dann erst den hals umdrehen? schon mal gelesen in jüngster zeit von jungen straftätern deutscher herkunft, die kleine mädchen missbrauchen und töten? wie kann man nur so einseitig verblendet sein. es gibt gutmenschen, um in diesem begriff zu bleiben in allen nationen und böse menschen nicht minder in allen nationen.nur weil irgendjemand nicht in deutschland geboren wurde ist er doch kein verbrecher. und umgekehrt, jeder der in dt geboren ist ist toll und hat so ne art nazibfreibrief? deutsch ist gut, nicht deutsch ist gemeingefährlich und kriminell, muss weg? was für ein gedankengut, bah!
@ Polymoral schrieb heute, 21:11 Uhr schrieb am 05.12.2012, 21.21 Uhr:
Gottlob gibt es noch seriöse Medien, die nicht zu feige sind, die Herkunft der Täter zu nennen. Und damit auch die Probleme zu benennen, die mit Leuten aus diesen Ländern einhergehen. Das ist schließlich keine Erfindung von als Nazis diffamierten Bürgern, sondern in den Polizeiberichten täglich nachzulesen. Ob es den Gutmenschen nun paßt oder nicht.

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