Trainer Gert Engels im Porträt Der Fußball-Globetrotter aus Düren

Von Olaf Jansen

Fußballverrückt wie Gert Engels sind viele. Aber wohl keiner hat eine solche Geschichte wie der 56-jährige Dürener. Er gründete ein Fußballinternat und war Trainer in Japan. Derzeit träumt Engels von der Qualifikation für die WM 2014 - mit dem Nationalteam von Mozambik.


Ein Gruß hier, ein Winken dort, fröhliche Weihnachtswünsche aus allen Richtungen - geht man mit Gert Engels durch Düren, kann man sich nicht gerade wegen mangelnder Kontakte beklagen. Der 56-Jährige ist bekannt im Ort wie ein bunter Hund. Kein Wunder: Die Geschichte von Engels ist mittlerweile rund, den "Fußball-Globetrotter" kennt man einfach.

33 Jahre alt war der gebürtige Dürener Gert Engels 1990, als er am Schwarzen Brett der Kölner Sporthochschule einen Anschlag las. "Wer hat Lust, eine Saison in Japan Fußball zu spielen?" stand dort. Engels konnte sich das vorstellen. Der damalige Sportstudent, der eigentlich Sportlehrer werden wollte, überlegte nicht lange, sondern bewarb sich. "Ich war damals völlig unabhängig und dachte mir, dass Auslandserfahrung sicher nicht schaden kann." Engels wurde nach Toride, einem kleinen Ort 130 km westlich von Tokio eingeladen.

Japan als Glückstreffer

Nach ein paar Einsätzen in der deutschen U19-Nationalmannschaft und einer kurzen Profi-Episode bei Borussia Mönchengladbach hatte Engels seine Zeit auf dem Platz bis dahin hauptsächlich bei Düren 99 verbracht. Dritte Liga, nichts Besonderes. Aber in Japan, wo Fußball noch kaum eine Rolle in der Gesellschaft spielte und sich die Profiliga J-League noch im Planungsstadium befand, schlug Engels ein. Zunächst als Spieler, nebenbei aber vor allem als Assistenztrainer der Profimannschaft und Leiter eines Highschool-Jugendteams. "Sie waren von meiner Arbeit begeistert und mir gefiel das Leben dort", sagt er. Aus dem geplanten einen Jahr Auslandserfahrung wurden über 20 Jahre. Japan wurde für Engels zur zweiten Heimat.

Meister und Pokalsieger mit Urawa


Der Dürener, der nur noch einmal zurück nach Deutschland ging, um die Fußballlehrer-Lizenz zu absolvieren, nahm den Schwung der 1993 startenden J-League voll mit. Er arbeitete zunächst sieben Jahre als Assistenztrainer bei Yokohama Flugels, wurde kurz Cheftrainer bei JEF United, später Coach in Kyoto. Als der deutsche Nationalspieler Guido Buchwald 2004 Trainer bei den Urawa Red Diamonds wurde, engagierte er den mittlerweile fließend japanisch sprechenden Engels als Co-Trainer. Für Engels, der in Japan seine Ehefrau gefunden und mittlerweile zwei Kinder hatte, begann die schönste Zeit in Japan: "Wir hatten unheimlich Erfolg. Wurden zweimal Meister und einmal Pokalsieger. Es hat einfach Spaß gemacht." Soviel Spaß, dass er auch noch blieb, als Buchwald wieder verschwand. Zwei Jahre war er noch Chef bei Urawa, dann wurde auch Engels nach einer schlechteren sportlichen Phase entlassen. Nichts Ungewöhnliches im Trainerleben.

Fußballinternat als zweites Standbein

Ungewöhnlich allerdings war das zweite Standbein, das sich Engels aufbaute. In seiner Heimatstadt Düren kaufte er ein dreistöckiges Haus, das er in ein kleines Fußballinternat umbaute: Trainings- und Ruheräume, Schlafzimmer, Reha-Bereich mit Sauna und Schwimmbecken. Dahin schickte er japanische Teams und ambitionierte Nachwuchsspieler zu Trainingslagern, damit sie Erfahrungen mit europäischem Fußball sammeln und eventuell Kontakte zu Profiklubs knüpfen können. Engels pendelte nun ständig zwischen Japan und Deutschland. Einige japanische Profis, dabei sogar heutige Bundesligaspieler, sind dabei durch Engels’ Hände gegangen.

Doch in Engels steckte auch immer noch der Trainer und damit verbunden der Wunsch, ein eigenes Team zu betreuen. Und als sich in Japan kein interessantes neues Engagement auftat, wurde er von einem Mittelsmann des Deutschen Fußballbundes (DFB) kontaktiert. "In Mozambik würde ein Nationaltrainer gesucht. Ob ich mir das vorstellen könne, wurde ich gefragt", berichtet Engels. Engels konnte. Und reiste nach Maputo. Das war im Oktober 2011.

Spannendes Abenteuer in Mozambik


Seither coacht der heute 56-Jährige die Nationalmannschaft von Mozambik. Und genießt ein neues spannendes Abenteuer als Fußball-Globetrotter. "Ich will mit dem Team die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien schaffen", sagt er selbstbewusst. Die Mannschaft hält er für stark genug, kürzlich scheiterte sie nur hauchdünn an der Qualifikation für den Afrika-Cup an Marokko. "Talent genug ist da. Sie müssen nur noch lernen, mehr an sich zu glauben und ein klein wenig mehr Erfahrung sammeln. Dann kann’s klappen", findet er.

Die Fußballschule für Japaner in Düren läuft natürlich auch weiter, für Engels ist das kein Problem. "Ich habe fähige Mitarbeiter in Düren, wir halten Kontakt über Internet und Telefon", erklärt er. Seine Ehefrau mit dem 13-jährigen Sohn ist in Düren geblieben, die 20-jährige Tochter begann kürzlich ein Studium in England. Selbst für einen Fußball-Globetrotter wie Gert Engels ist die Trennung manchmal hart. "Dann müssen wir viel telefonieren oder skypen. Und außerdem nutze ich jede Gelegenheit, um Kurzbesuche in der Heimat einzuschieben." So wie jetzt in der Weihnachtszeit, wenn er durch Düren geht und in alle Richtungen grüßt.


Stand: 27.12.2012, 06.00 Uhr